Die ZEIT im Interview: Fotoblog

Schon eine Weile thront auf meiner Startseite ZEIT ONLINE und hat nach Jahren SPON abgelöst. Interessantweise stolperte ich über den Fotoblog von ZEIT ONLINE erst über den persönlichen Blog von Fabian Mohr. Begeistert von dem, was ich in dem Fotoblog von ZEIT ONLINE sah, habe ich Fabian Mohr um tiefere Einblicke in dieses Projekt gebeten:

Olaf Bathke: Wie finde ich von der ZEIT ONLINE Startseite meinen Weg zu dem Fotoblog?

Fabian Mohr: Good Point. Um ehrlich zu sein, ist uns die ersten Tage nicht weiter aufgefallen, dass wir keinen Teaser auf der Homepage hatten – wir haben es nur kurz getwittert und ab da war es ein erstaunlicher Selbstläufer. Das Fotoblog wird künftig aber regelmäßig in der “Drehscheibe” auf der Startseite auftauchen und in den Blog-Teasern.

Wie kann man die Zielgruppe dieses Fotoblogs beschreiben?

Wenn wir es schaffen, ein paar Leute mehr für gute Fotografie zu begeistern, wäre das wirklich fein. Eine Zielgruppe im engeren Sinn, für die das Fotoblog speziell konfektioniert wird, gibt es aber nicht.

Nach welchen Kriterien kommen die Fotos in den Blog?

Das ist schon deshalb schwer zu beantworten, weil das Fotoblog ein kollektives Ding ist, an dem mehrere Kolleginnen/Kollegen bei ZEIT ONLINE mitarbeiten. Genau da liegt auch der Reiz – ehrlich gesagt hoffe ich sogar, dass wir uns anhand einzelner Bilder über diese Kriterien auseinandersetzen werden. Wenn es so etwas wie einen gemeinsamen Nenner gibt, dann sicher den naheliegendsten – nur Bilder, die uns überzeugen.

Wie viel Platz hat das Wort in dem Fotoblog?

Wer etwas zu “seinen” Bildern schreiben will – fein. Oft reichen auch knappe Bildunterschriften. Es gibt da kein Dogma.

Wie offen ist der Fotoblog von ZEIT ONLINE in die deutsche Blogosphäre?

Im Netz gibt es ein faszinierendes Ökosystem rund um das Thema Fotografie. Im Prinzip sehen wir uns als einen kleinen, bunten Stein in einem sehr großen Mosaik. Was in den ersten Tagen vielleicht noch nicht so deutlich wurde – es geht uns nicht allein darum, (oft
großformatige) Bilder in unserem Fotoblog zu zeigen. Wir wollen auch immer wieder auf sehenswerte Fotografie im Netz hinweisen. Ob das dann im Kontext eines Blogs stattfindet, auf das wir linken oder bei anderen Medien, bei Bildagenturen oder z.B. auf einzelnen Flickr-Accounts, ist für uns nicht so entscheidend.

ZEIT ONLINE kann sich ja mit einer aktiven Community schmücken. Wie sähe eine Förderung von Bürgerjournalismus unter dem Aspekt der Fotografie aus?

Dass “Bürgerjournalisten” oder “Bürgerfotografen” (diese Worte hören sich seltsam an) überhaupt Förderung von klassischen Medien benötigen, leuchtet mir nicht ganz ein. Wer selber etwas auf die Beine stellen will – Webspace kostet 5 Euro im Monat, ein Flickr Pro Account 24 USD im Jahr. Ich kenne einfach kein Beispiel, wo “betreutes Publizieren”
zu wirklich guten Ergebnissen geführt hat. Wenn du gut bist, mach es allein. Die gesamte Infrastruktur liegt in deiner Hand.

Welchen Wert wird das Foto im Journalismus des 21. Jahrhunderts haben?

Denselben hohen, den es schon immer hatte.

Auf welche Entwicklungen hat sich die Pressefotografie in den nächsten Jahren einzustellen?

Mehr Konkurrenz, mehr Vielfalt. Weniger Fotografen, die alleine von Fotografie leben können. Mit welcher Kamera man fotografiert und was sie kostet, wird immer unwichtiger.

Welches ist für Dich das bedeutendste Foto, das ihr in dem Fotoblog veröffentlicht habt und warum ist es für Dich so bedeutend?

Bedeutend ist vielleicht etwas hochgegriffen für ein kleines Fotoblog, das seit einigen Tagen live ist. Aber ein Bild von Omer Messinger, das Nele Heitmeyer gebloggt hat, beeindruckt mich sehr – zwei israelische Senioren, die in Seelenruhe ihr Frühstück nehmen, während auf dem Boden noch die Scherben des letzten Raketenangriffs liegen.

Welche Ziele habt ihr für 2009?

Noch ein paar gute Fotos zeigen. Und Urlaub wäre wirklich klasse.

Vielen Dank, für die Beantwortung dieser Fragen und viel Erfolg für die kommende Zeit.


Links zu diesem Artikel: http://blog.zeit.de/fotoblog/ – http://www.fabianmohr.de/iso800/

7 Comments
  1. Schönes Interview. Das ZEIT-Fotoblog kannte ich noch gar nicht. Liegt aber wohl daran, dass ich die ZEIT-Website so gut wie nie besuche. 😉

    • Ich bin letztes Jahr mit meiner Startseite von SPON auf ZEIT gewechselt, weil mir ZEIT mit seinem Beck gebashe so etwas von auf die Nerven ging.

  2. Schließe mich Helmut an. Sehr interessant! Du hast echt einen guten Riecher für Interviewpartner 🙂

  3. Dieses mal waren leider nicht so viele neue bzw. interessante Links dabei. Dennoch die, die ich noch nicht kannte/ gut waren, sind super!

    Liebe Grüße
    Julia

  4. @Julia: Was meinst Du mit diesmal?

  5. Interessante Info und interessanter Link. Kannte ich bislang nicht – vielen Dank 🙂

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