Making of: chromo

chromo
Ein Foto mit einer skurrilen Geschichte. An einem frostigen Wintermorgen fuhr unser VW Bus pünktlich zur Dämmerung auf den Parkplatz. Als der Motor ausging, drängte sich ein dumpfer Beat auf. Technobeats haben normalerweise am Strand nichts zu suchen.

Fotografieren wollte ich an einem bestimmten Strandabschnitt, ca. 1000 Meter von dem Parkplatz entfernt. Ich machte mich auf den Weg und bemerkte, dass die Technobeats immer lauter wurden. Hinter einer Kurve konnte ich aus der Ferne den Strandabschnitt einsehen. Von dort kam die Musik, dort gab es ein größeres Feuer und um das Feuer herum leuchteten mehrere Rettungsbojen. Rettungsbojen am Strand? Ich wurde immer neugieriger, je näher ich dieser Party kam.

Vor Ort konnte ich dann nur noch staunen. Dort tanzte ein einsamer Mann vor zwei mannshohen Boxen nebst Subwoofer. Die Anlage wurde von einem mitgebrachten Stromgenerator angetrieben. Obwohl der Generator neben den Boxen stand, konnte ich den nicht hören. So laut war die Musik.

Der Mann sprach mich an, aber auch ihn konnte ich wegen der Musiklautstärke nicht verstehen. Seine Pupillen waren verdächtig klein. In der Tat stand neben dem Lagerfeuer ein ca. 80 cm hoher Bong. Das erklärte auch die grellen Accessoires, die der Tänzer um seine Tanzfläche herum aufgebaut hatte. Schwarzlicht ließ wohl in der Nacht diverses Schwarzlichtskulpturen, Fahnen, Banner und Strippen glühen.

Hier hatte wohl jemand angeregt dem Sonnenaufgang entgegengetanzt.

Das Skurrile dieser Szenerie kam vor allen Dingen von diesem grellen Schwarzlichtschmuck. Eine Meisterleistung der Logistik: Wie kriegt man bloß so viel Kram an den Strand.

Ich vermute, diese Neonfarben waren auch der Grund, warum ich das angehängte Foto in Schwarz-Weiß bearbeitet habe.

Kommen wir kurz zur Technik:

Das Foto wurde mit einem Graufilter mit einer Belichtungszeit von 30 Sekunden aufgenommen. Ich hatte die Lichtempfindlichkeit auf ISO 100 belassen, um bei der langen Belichtungszeit nicht so viel Bildrauschen zu produzieren. Mit ISO 50 hätte ich die Belichtung noch um einige Sekunden strecken können.

Bei der Bildbearbeitung produzierte ich einen harten Kontrast. Hierzu wurden vor allen Dingen die Tonwerte in den Kurven gestreckt.

Mich beschäftigte diese Szenerie noch einen ganzen Tag. Interessant ist in diesem Falle, dass das farbenfrohe Erlebnis offensichtlich einen Einfluss auf die Bildbearbeitung am Abend hatte. Ich bearbeite sonst eher selten in S/W. Inwieweit die Musik und die Abluft des Bongs einen Einfluss auf mein Visionieren hatte, dass überlass ich Eurer Fantasie. 😉

4 Comments
  1. Ich finde das Foto sehr eindrucksvoll, wirkt fast schon surreal. Genial wie du die Situation für das Schaffen dieses Fotos genutzt hast!
    Danke für den Einblick in deine Arbeitsweise durch dieses making of !

  2. Super Geschicht. Da ist diese wohl fast interessanter als die Bearbeitung des Fotos. Aber nur fast. Denn das Foto find ich schon stark

  3. Gefällt mir auch super das Foto!

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