13 Gründe, warum Makrostock Agenturen nicht aussterben

Robert Kneschke, deutschsprachige Leitfigur in der Stockfotografie und Autor eines Blogs, wie ich ihn mag, hat eine interessante Auflistung veröffentlicht, warum Makroagenturen wohl nicht aussterben werden.

Ein wirklich interessanter Artikel, den ich um einen Aspekt ergänzen möchte. (Vielleicht lest ihr kurz den Artikel von Robert, um meinen folgenden Ausführungen besser folgen zu können.)

Nicht nur in dem Artikel von Robert Kneschke fällt auf, dass sich alle Definitionen und alle Diskussionen zum Thema Stockfotografie einseitig an dem Aspekt „Kunde kauft Foto“ orientieren und der Aspekt „Fotograf verkauft seine Bilder“ sich dem erstgenannten Aspekt unterzuordnen hat.

Tatsächlich leben wir in einer Marktwirtschaft, wo sich Angebot und Nachfrage gegenseitig bedingen sollten.

Ein bisschen gewerkschaftliches Denken könnte uns Fotografen zudem nicht schaden. Vielleicht kennt ihr ja die Verdrehung der Begriffe Arbeitgeber und Arbeitnehmer: Arbeitgeber kann auch derjenige sein, der seine Arbeitskraft gibt und Arbeitnehmer der, der die Arbeitskraft nimmt.

Für den Bildkäufer haben die Begrifflichkeiten Makrostock– oder Mikrostockagentur wesentliche Unterscheidungsmerkmale. Sie geben dem Bildkäufer maßgebliche Orientierung, unter welchen Bedingungen sie ihre Einkäufe tätigen können.

Für den Fotografen ist eine Agentur zunächst einmal eine Möglichkeit, mit seinen Fotos Geld zu verdienen. Es wäre klug, sich eine Bildagentur zu suchen, die einen möglichst hohen Profit einspielen könnte. Orientiere sich die öffentliche Diskussion an der Bedürfnislage des Fotografen, so würden Bildagenturen eher nach ihren Profitmöglichkeit kategorisiert. Stockfotoagenturen hießen dann vielleicht Lowprofit Agentur oder Maximumprofit Agentur.

Natürlich hilft eine Verdrehung von Sprache nicht, gesellschaftliche Entwicklungen zu verändern. Sprache kann aber nachhaltig das persönliche Handeln beeinflussen und eine Atmosphäre von Solidarität und Bewusstsein schaffen.

Und diesbezüglich sehe ich einen der spannendsten Punkte, warum es den Fotografen, die von einem Zwischenhandel durch Ditte leben, in den letzten Jahren zusehend schlechter geht.

Bedingt durch eine Monopolisierung der Bildverkäufe haben die Fotografen die Kontrollmacht in Bezug auf die Angebotssteuerung verloren. Dies hat vor allen Dingen damit zu tun, dass sie sich selbst aus den Augen verloren und in der Individualisierung an Selbstbewusstsein verloren haben. Manchmal muss man auch einfach mal Nein sagen. Mit einer vielschichtigeren Diskussion will ich Euch aber jetzt nicht langweilen.

Stattdessen möchte ich die Auflistung von Robert grundlegend verdrehen und ergänzen! (Spätestens jetzt solltet ihr den Artikel von Robert gelesen haben!)

Fotografen haben einen guten Grund, auf einen Vertrieb durch Makrostock Agenturen zu setzen und mit einer Belieferung dieser Agenturen dafür zu sorgen, dass diese Agenturen auch in Zukunft noch Fotos verkaufen werden:

  1. Fotografen sind in Makroagenturen nämlich meistens Nutznießer von Service und Beratung.
  2. Ich habe Themen und Bildmaterialien, die sich gut über Makroagenturen verkaufen lassen. Meine Erlöse in Makroagenturen sind höher, als in anderen Agenturen.
  3. Ich möchte mir als Fotograf einen Namen machen und nicht in der Anonymität der Stockmärkte untergehen. Meinen Namen lasse ich mir auch gerne bezahlen. Mein Name soll bei den Veröffentlichungen mit auftauchen.
  4. Ich habe eine Bildsprache, die kreativ und individuell ist und sich nicht an den Verkaufshitparaden der Mikroagenturen orientiert. Kreativität und Individualität lassen sich schwer Verschlagworten, sie gehen mit Größe eines Fotostocks unter.
  5. Ich setze auf das Know How und die erforderlichen Verbindungen einer Makroagentur. Makroagenturen nutzen auch die Möglichkeit,  Bildankäufer Fotos gezielt anzubieten.
  6. Ich schätze den Einfluss, den fotografische Interessenvertretungen auf kleiner Vermarktungsmaschinen haben. Meine Agentur wirbt zum Beispiel damit, dass sie von freelens empfohlen wird.
  7. Ich bevorzuge eine angenehme Gesprächskultur und möchte nicht nur ein Rädchen in einem unübersichtlichen Getriebe sein.
  8. Meine Bildagentur verkauft meine Arbeiten optimal: Eine kompetente Makroagentur sorgt schon dafür, dass ein bestimmter Bildbestand den besten Preis erzielt.
  9. Ich denke nachhaltig und zukunftsorientiert und möchte mich nicht im globalen Wettbewerb zermahlen lassen. Der Optimierungswahn in der Bildproduktion hat Grenzen.
  10. Ich möchte auf Dauer nicht in den Bilderfluten untergehen, die wie unkontrollierbare Krebsgeschwüre anwachsen.
  11. Ich denke in und produziere Bildstrecken. Mikrostock ist durch seine einseitige, plakative, triviale Bildsprache eher für den Verkauf von einzelnen Fotos geeignet.
  12. Es wünsche ein persönliches Band zwischen mir und dem Endkunden. So kommt es vor, dass Zeitschriften über Makroagenturen durchaus auch Aufträge vergeben.
  13. Und eine entscheidende Frage ist: Was sind mir meine Arbeiten wert!

Diese Auflistung beinhaltet natürlich keine verlässliche Aussage darüber, ob Makroagenturen aussterben werden, oder nicht. 😉

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