Making of: Baye le Trespasse

baye-le-trespasse-03Das ist das letzte Foto, das ich gemacht habe!!!

Fotos erzählen Geschichten und ich erzähle gerne Geschichten über Fotos:

Baye le trespasse, die Bucht der Dahingeschiedenen, hat wahrscheinlich ihren Namen von den zahllosen Kameras, die sich an dieser Stelle der wütende Atlantik holte. Mir sollte der Name zu denken geben, als wir mit unserem VW- Bus vor dem grandiosen Panorama halt machen. Ca. 4 Meter hohe Wellen brechen etwas weiter draußen in der Abendflut und rollen am Strand bis zu 20 Meter aus.

Das Auslaufen der Wellen lote ich bis zu den Zehenspitzen aus. Meine Kamera steht stabil auf Ihrem Dreibein. Den Kabelauslöser fest in meiner Hand, wird die Kamera am Rande der Wellenbewegung beständig ausgelöst. Im Sucher entdecke ich plötzlich eine ungewöhnlich große Welle.

Mein unvorsichtiges Fluchtverhalten reißt mir die Kamera um. Ca. 3000€ stürzen in den Atlantik!

So etwas ist mir noch nie passiert!

Hektischen Bewegungen ziehen die Kamera aus dem Wasser. Wie es aussieht ist nur das Rückteil der Kamera untergetaucht. Meine Aktivitäten zum Trockenlegen wirken eher hektisch als erfolgreich. Eine Betätigung des Powerknopfes schafft Gewissheit. Die Kamera lässt sich nicht mehr einschalten.

Im VW- Bus lege ich die Kamera mit der Rückseite zum Trocknen in die Abluft der Standheizung. Ich habe mich lange nicht mehr so schlecht gefühlt. Nach 1800 Kilometern Anreise ist es der erste Tag an dem ich optimales Licht zum Fotografieren habe. Eine BackUp Kamera ließ ich diesmal aus bestimmten Gründen zu Hause. Meine Frau tröstet mich, wir erörtern die Optionen.

Canon Service Points gibt es in diesem abgelegenen Teil Frankreichs selten. Sollen wir also wieder nach Hause fahren?

Hinter meinem Rücken höre ich plötzlich das vertraute Serienauslösen meiner Kamera. Die Wärme hat wohl geholfen. Entscheidende Kontakte sind nicht mehr kurzgeschlossen. Wir legen uns neben unseren bereits schlafenden Sohn und ich lasse mich von seinem Schnarchen einschullern.

baye-le-trespasse-02Das erste Foto am Morgen: Auch der Basilikum läßt die Blätter hängen

Am nächsten Morgen testen wir die Kamera ausgiebig. Es stellt sich heraus, dass Auslösungen nach einem ordentlichen Aufheizen des Bodies möglich sind.

Auf irgendeine mysteriöse Art war Olaf mit seiner Kamera verbunden. Er zuckte mit jedem unkontrollierten Auslösen zusammen.

Zwei entscheidende Funktionen versagen aber auch weiterhin ihren Dienst.

* Der Autofokus ist für die Landschaftsfotografie eher unbedeutend, auf ihn kann ich vorerst gut verzichten.
* Problematisch ist allerdings, dass das Display seinen Dienst verweigert.

Nur die Anzeige, der noch zu machenden Fotos verrät, dass sich die Speicherkarte mit jeder Auslösung weiter füllt. Es landen also Daten auf der CF Karte, ich weiß aber nicht, ob die Fotos was geworden sind.

Die folgenden Fototage sind spannend: Fotografieren, wie zu analogen Zeiten.

Zu Hause habe ich Gewissheit: Die Daten haben es unbeschadet auf den Chip geschafft. Ich freue mich über die vielen Fotos.

Die Kamera muss allerdings repariert werden. In Foren kann ich von bis zu 900€ für einen kompletten Tausch der Elektrik lesen nach vergleichbaren Wasserschäden.

Die Reparaturkosten liegen dann doch unter 100€. Was für ein Glück. Nur eine Platine hat es erwischt und die kann gelötet werden.

Die Kamera nach dem Bad auf der Heizung trocknen zu lassen, ist übrigens niemandem anzuraten. Damit führt man dem Oxidationsprozess erst recht Energie zu, Lötstellen werden dann im Salzwasser regelrecht aufgefressen, so der Reparaturservice.

baye-le-trespasse-01

Ob dieses zweitletzte Foto, das die bedrohlich nahe Welle zeigt, die Reparaturkosten wieder einspielen wird? Ich wage es zu bezweifeln…

Habt ihr auch schon mal so etwas Ähnliches erlebt?

16 Comments
  1. Hm, ja, die Pointe du Raz und insbesondere La Baie des Trépassés sind idyllische Orte – sofern einem nicht die Kamera absäuft. Immerhin ist einem Kollegen von mir dort mal ein Objektiv die Felsen runtergeknallt. Er war so vertieft in die Aussicht und die vom eisigen Wind klammen Finger haben einfach nicht mehr mitgespielt. DAS war dann ein Totalschaden.

    • @Heike: Ich schreib jetzt einfach mal:Der Ärmste!
      @Andre: Das war aber Glück im Unglück.
      @Birgit: Immer her mit den Geschichten. Ich will ja auch ein bisschen unterhalten werden.

  2. Ich kann mir die Gefühle zu dem Zeitpunkt als die Kamera ins Wasser eintaucht gut vorstellen. Ich habe selbst vor 4 Jahren meine Kamera (damals noch eine Kompakte) ins Wasser getaucht. Ich muss dazu sagen dass es meine eigene Schussligkeit war. Ich habe nämlich Steine gesammelt, einen schönen im Wasser entdeckt und blöderweise mit der Kamera in der Hand ins Wasser gegriffen. Ich hatte aber Glück im Unglück, ich habe schnell reagiert und die Hand samt Kamera schnell wieder aus dem Wasser gezogen. Sofort den Akku und Speicherkarte raus und alles trocknen lassen. Keine Stunde später hat die Kamera wieder funktioniert. Ich habe kein einziges Bild verloren. 🙂

  3. Ich hab mal einen Kamerabody geschrottet. In der Geschichte kommt zwar kein Wasser vor – darf ich sie trotzdem erzählen? 😉

    Es war noch zu Analogzeiten. Mein Großcousin war mein Opfer, wir saßen in Omas Küche und ich machte Fotos. Dann gab es Kekse, glaub ich, und ich legte die Kamera einfach in die Fototasche.

    Später lief Großcousinchen raus, und ich voller Vorfreude auf gute Motive hinterher. Griff zur Kameratasche, mit Schwung hochgehoben – und Kamera ist rausgefallen. Wusch… der Body war hin, Reparatur hätte sich nicht gelohnt. Mit 15 oder 16 tut das finanziell gaaaanz schön weh!

  4. mir ist vor 2 Jahren ähnliches passiert. Ich war im Dosenmoor bei NMS zum Libellen fotografieren. Ich war fertig und wollte mit dem Fahrrad wieder zurück.Dabei ist mir das Fahrrad umgefallen und mein 400er DO IS versank
    im Moortümpel. Ohh Schreck..!! Nur ein kleines Stück vom Gurt schaute heraus.
    Erst wollte ich heineinspringen, aber dann habe ich mir das Stativ geschnappt und das Objektiv an dem Gurt heraus geangelt. Zunächst nur grob vom Dreck gereinigt. Und nach Hause. Dort weitergeputzt und 2 Tage trocknen lassen.
    Dann kam der Moment des Testes. Body angesetzt fotografiert und Bilder betrachtet…unglaublich alles ok..Trotzdem später noch in Werkstatt prüfen lassen…es war alles heil geblieben..keine Schäden…puuhhhh.. die Profiteile scheinen wirklich gut abgedichtet zu sein….trotzdem nie wieder so ein Schreck..:-)

  5. Grüß Dich,

    Es war doch nicht deine neue MK II, die ins Wasser gestürzt ist, oder? Bis jetzt blieb mir das Wasser erspart, dennoch hatte ich mal einen kleinen Objektivunfall, der allerdings glimpflich ausging und bei dem das Objektiv keinen Schaden davon trug.

    Ich glaube es gibt keinen Fotografen, dem noch nichts mit der Kamera/Objektiven passiert ist.

    Gruß
    Ronny

    • @Ronny: Nein, dass ist ein Retro Blog Artikel, das Ereignis war letztes Jahr.
      @Tolek: Wir hier in Schleswig Holstein sagen dazu Moorleichen Body 😉

  6. Ach Du sch#*«œ! Ein Alptraum!
    Vielleicht noch ein wichtiger Tipp, den mir mal ein Techniker gegeben hat. Nach einem Wasserschaden an einem Gerät (bei mir war es mal ein MP3 Player) nie nie nie und niemals versuchen das Gerät einzuschalten. Das läßt die Bauteile erst kurzschließen. Das Gerät “in Ruhe” trocknen lassen (Fön ist zu vermeiden!) und erst dann einschalten, wenn man meint, das Gerät wär getrocknet…

    • @StilSteffen: Bei Salzwasser besser gleich und schnell zu Schrauber gehen. Sagt mein Schrauber.

  7. hallöle 😉
    hab auch eine kleine story zum thema – es ist was kaputt gegangen 😉
    ich hab mal für ne tageszeitung auf einem turnier von bundesliga-jugendmannschaften fotografiert – leider hatte man mich an diesem tag mit dem tor verwechselt und da hat man mir erst die kamera angeschossen – und die kamera dann mich 😉 meine 1d mark III ist heile – allerdings das objektiv is futsch – und mein auge ziert noch die narbe der platzwunde 😉
    was ich drauß gelernt habe – wie bekomme ich eine woche “frei” – und das nächste mal mich schneller zu ducken 😉

    • @denise: No risk no foto. Manchmal sind es die gefährlichen Situationen, die ein Foto besonders machen.

  8. Das sind vom Prinzip her Antagonisten – die Natur und die Elektronik. Und wer viel in der Natur ist und sie fotografiert muß manchmal Opfer bringen, wenn sie aufeinander treffen.

    Dabei sollte man am besten nicht nur die Kamera (oder welches Stück Elektronik auch immer) nicht einschalten – sondern so schnell wie möglich die Batterie entfernen. Der meiste Schaden in so einem Gerät entsteht nicht etwa durch die Feuchtigkeit selbst, sondern durch Elektrolyse. Das führt zu Korrosion an den spannungsführenden Stellen.

    Also als erstes Batterie raus und dann langsam trockenen lassen.

    Bei meiner Arbeit hat man im Musterau bis vor kurzem noch Leitplatten mit einem handelsüblichen Geschirrspüler gereinigt. Mit entmiineralisiertem Wasser und ihne Spannung passiert da nichts!

    Ich habe auch schon Federn gelassen: Eine Objektivabdeckung an den Bedruthian Steps die Klippen herunter, ein UV-Filter hat mein Sigma 24-60 EX beim Fall auf Beton gerettet (als ich das Glas knrischen hörte, befürchtete ich das Schlimmste – es war aber nur der Filter!) und mit zwei Jahren habe ich Papa’s 100-300er Tele vom Tisch gerollt…

    Einzig meine geliebte analoge Canon IXUS von 1997 hat bisher alles überlebt: Inklusive warme Dusche, Höhle, Klettern, Strand…

    Gruß,

    Hauke

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