Faszination Unterwasserwelt – ein Ausflug mit der Kamera

Gastbeitrag von Adrian Schöne

adrian-schoene-schildkroeteSchildkröte

Wer kennt sie nicht, die Unterwasseraufnahmen von Jacques-Yves Cousteau. Er gilt neben Hans Hass als Vorreiter im Bereich der Unterwasserfotografie und hat den Weg für viele Nachwuchsfotografen frei gemacht. Damals verzauberte Jacques-Yves Cousteau die Menschheit mit seinen Bildern aus der Unterwasserwelt. Heute, knapp 50 Jahre später, sind die technischen Vorraussetzungen ganz anders. Meine Geschichte fängt im zarten Alter von acht Jahren in einem Urlaub in Ägypten an. Ich durfte zum ersten Mal mit meinem Vater tauchen gehen. Es ging ein Traum für mich in Erfüllung, der mein ganzes Leben prägt und auch in Zukunft weiterhin prägen wird. Seit diesem Tag habe ich unzählige Tauchgänge rund um den Globus durchgeführt und einzigartige Situationen erleben dürfen. Das Meer ist ein Teil von mir. Ich wollte diese Erfahrungen und Gefühle festhalten und transportieren, damit ich mit meinem Umfeld diese außergewöhnliche Welt teilen konnte. Ich wählte die Fotografie, denn gute Fotos strahlten für mich schon immer etwas besonderes aus.

adrian-schoene-nacktschneckeNacktschnecke

Der Weg war lang, aber er hat sich für mich gelohnt. Neben fotografischen Grundregeln musste ich mich mit der Materie Wasser genauer auseinandersetzen. Viele Rahmenbedingungen, die an Land völlig selbstverständlich sind, müssen unter Wasser erst erarbeitet werden. Es gibt in der Unterwasserfotografie drei Kernprobleme, die man erkennen und bekämpfen muss.

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1.) Wie weit kann man sehen?

An Land stellt man sich diese Frage nur sehr selten. Die Sicht an Land beträgt bei normalem Wetter meistens mehrere Kilometer. Einzig bei Regen und Nebel wird die Sicht eingeschränkt. In der Unterwasserwelt ist es anders. Die Sichtweiten liegen zwischen vierzig und null Metern und hängen stark vom Gewässer und des Wetters ab. Der Grund sind feine Schwebeteilchen, die z.B. durch Strömungen oder Wellengang aufgewühlt werden. Es müssen nicht immer Schwebeteilchen sein, auch die sog. Algenblüte kann wesentlich dazu beitragen, dass man selbst in der Mittagszeit nur 30 cm Sicht in einem See hat. In den Meeren ist die Sicht im Normalfall besser, aber dennoch der Feind eines Unterwasserfotografen. Selbst bei glasklarem Wasser kann es bei falscher Technik passieren, dass auf dem Bild viele kleine “Schneeflocken” sichtbar sind.

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2.) Wo ist das Licht geblieben?

Mit zunehmender Tiefe wird es dunkler. Wie schnell das Licht ausgeht, hängt stark vom Gewässer ab. Es gibt Seen, wo man bereits in fünf Metern Wassertiefe denken könnte, dass man einen Nachttauchgang durchführt, weil es komplett dunkel ist. Im Meer ist es nicht so dramatisch, aber dennoch ist bereits auf einer Tauchtiefe von zehn Metern jede Menge Licht verloren gegangen. Das vereinfacht die Unterwasserfotografie natürlich nicht, denn auch an Land kann man nie genügend Licht bekommen.

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3.) Wo sind die Farben?

Ein gravierendes Problem, was vielen Unterwasserfotografen die Haare zu Berge stehen lasseb, ist die sog. Absorption des Farbspektrums. Wasser filtert mit zunehmender Tiefe Wellenlängen, d.h. es gehen wertvolle Informationen im Licht verloren. Vereinfacht, aber technisch falsch, kann man sagen, dass Wasser mit zunehmender Tiefe Farben aus dem Licht elimieniert. Das fängt bereits bei gut drei Metern Wassertiefe an und hat zur Folge, dass Farbanteile fehlen und das Bild “komisch” blass bzw. eintönig aussehen lässt. Bei fünf Metern Wassertiefe sind die roten Farbanteile verschwunden, bei zehn Metern Wassertiefe die orangenen Farbanteile und bei zwanzig Metern sind die gelben Farbanteile gänzlich verschwunden. Die Folge sind blaustichige (im Meer) oder grünstichige (im See) Unterwasserfotos.

Es gilt also drei wesentlich Probleme zu umschiffen.

Wie in der “Landfotografie” hängt das Bildergebnis natürlich nicht nur von der Kameraausrüstung, sondern vielmehr von dem fotografischen Können des Bedieners ab. Erschwerend kommt hinzu, dass wir uns in einem völlig fremden Element bewegen und zusätzlich mit taucherischen Qualitäten glänzen müssen. Wir müssen uns unter Umständen starkem Wellengang und starken Meeresströmungen entgegensetzen um ein Foto zu machen. Das hört sich vielleicht für den einen oder anderen Leser sehr “stressig” an, aber es macht dennoch sehr viel Spass. Ich verbinde zwei Leidenschaften von mir und kann zugleich Interessierten einen kleinen Einblick in die faszierende Welt von Poseidon geben.

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Es gibt Bücher über die Unterwasserfotografie, die einem auf dem Weg helfen. Den Weg muss man später hingegen alleine gehen und Fehler machen, denn nur aus diesen Fehlern kann man lernen und seine Fotos verbessern. Ich werde oft nach einem Rat oder dem “ultimativen” Trick gefragt. Das ist ganz einfach. Übung, Erfahrung, Ehrgeiz und Geduld.

Ich hoffe, dass ich Euch die Unterwassefotografie und meine Welt etwas näher bringen konnte. Ich stehe für Fragen und Anregungen gerne zur Verfügung.

adrian-schoeneAdrian Schöne

Adrian Schöne (23) ist IT-Systemadministrator und freiberuflich als Unterwasserfotograf tätig. Eine Auswahl an Fotos zeigt er in seinem Portfolio www.adrian-schoene.de. In seinem Blog www.tauchen-blog.de findet Ihr Infos rund um die Unterwasserfotografie und andere Themen. Und nicht nur Adrian ist nun gespannt, wie Du diesen Gastartikel findest? Adrian bot sich an, einen zweiten Artikel zu schreiben, wenn das Interesse bestünde.

10 Comments
  1. Mein Lieblingsmotiv: Fisch von hinten. 🙂 Aber es macht schon Spaß, auch wenn die Ausschußrate bei meinen Bilder deutlich über der an Land liegt. Tut einem ja im digitalen Zeitalter nicht mehr so weh. Allein die Umschaltung zwischen Bild und Movie, die bei meiner Kamera nicht wirklich Handschuhfähig ist, nervt mich erheblich.

    http://carsti.blog.de/2007/10/09/digitalkamera~3108803/

  2. Sehr guter Artikel und vor allem sehr beeindruckende Bilder! Schon Wahnsinn was die Unterwasser-Welt für fantastische Wesen hervor bringt.

    LG Alexander

  3. Hallo, toller Artikel, tolle Fotos. Mehr davon, dann aber doch mit dem einen oder anderen Trick… 😉 VG Marco

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