Urban Exploration – UrbEx – Faszination Verfall

Gastbeitrag von Tom:

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Urban Exploration – UrbEx

Schon als ich vor nunmehr 5 Jahren meine ersten fotografischen Schritte mit einer Kodak Bridgecam machte, ging fu?r mich von verlassenen Industrieanlagen und verfallenen Gebäuden eine seltsame Magie aus. Darum verbrachte ich einen Teil meiner Freizeit damit, zwischen Tru?mmern, verstaubten Möbeln aus Großmutters Zeiten und von Graffiti verschmierten Wänden nach Motiven zu suchen. Nicht ohne Stolz, muss ich zugeben, denn obwohl es sich bei diesen Bildern mehr oder weniger nur um Schnappschu?sse handelte, war ich mir sicher, der Erfinder eines neuen Genres zu sein…

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Einige Jahre später, ich war inzwischen auf DSLR umgestiegen, stieß ich auf das Portfolio von Rob Dobi, einem Fotografen aus Connecticut (USA). Seine fotografischen Werke beschäftigen sich ausschließlich mit verlassenen Gebäuden in New-England und mir wurde klar, dass meine Tätigkeit gar nicht so einzigartig war. Nach einiger Recherche stieß ich auf den Begriff UrbEx – Urban Exploration. Auf Deutsch in etwa “Urbanes Entdecken”.

Das was UrbEx ist, umreißt Rob Dobi in seinem Flickr-Profil recht gut:

“[…] Whether it be industrial or institutional, each doorway within is another opening to the past, behind each one a unique story is told, each stairwell leads to another chapter. […]”

Man setzt sich also gewissermaßen mit der Geschichte eines Hauses auf fotografische Art und Weise auseinander. Man durchstreift die toten Mauern und versucht die Eindru?cke auf den Sensor zu bannen. Man ist ein stiller Beobachter von dem, was der Mensch errichtet hat und sich die Natur Stu?ck fu?r Stu?ck wieder zuru?ck zu holen versucht.

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Nach diesen allzu philosophischen Eskapaden sollte ich nun wohl ein wenig aufs Technische zuru?ckkommen. Wie in so vielen Bereichen der Fotografie ist es wichtig, wenn nicht noch viel wichtiger als in einem anderen Genre, seine Touren ausgiebig zu planen. Dabei sollte neben den u?blichen Aspekten wie Wetter und Lichtsituation ganz besonders folgendes im Auge behalten werden:

  • Rein rechtlich gesehen ist UrbEx Haus-/Landfriedensbruch!! Deshalb sollte man wenn möglich/nötig die entsprechende Erlaubnis einholen oder ansonsten die nötigen „Vorsichtsmaßnahmen“ treffen.
  • Man sollte niemals alleine unterwegs sein und sich immer vergewissern wo man hintritt, denn alte Gebäude bergen oft hohe Einsturzgefahr.

In Sachen Ausru?stung empfehle ich ein flexibles, leichtes Stativ, Objektive mit Brennweiten im Bereich von 18mm bis 50mm, eventuell Blitzausru?stung und einen der u?blichen 5-in-1 Reflektoren, um ab und zu dem Sonnenlicht etwas „nachzuhelfen“. Außerdem sollte man sich Gedanken daru?ber machen, ob sich am Ort der Begierde u?ber die Jahre schädliche Materialien angesammelt haben könnten und deshalb die Mitnahme von Atemschutz oder anderer Schutzbekleidung in Betracht ziehen.

Wenn man diese paar Tipps beachtet und immer auf die eigene Sicherheit achtet, ist Urban Exploration eine spannende Entdeckungsreise durch die baulichen Denkmäler vergangener Epochen. Man muss nur die Augen offen halten, denn so manche „Perle“ versteckt sich an Orten an denen man sie sonst gar nicht vermuten wu?rde. Als inspirativen Vorgeschmack kann ich dabei nur das Portfolio von Rob Dobi auf www.newenglandruins.com empfehlen.

Tom findest Du im Netz unter: www.lichtfragmente.com

Habt Ihr auch schon einmal so eine Exkursion gemacht? Wie ist es Euch dabei ergangen?

Anmerkung von Olaf Bathke: Bitte, bitte liebe Leserinnen und Leser, nehmt die Ratschläge von Tom ernst. Begeht keinen Haus-, Land- oder sonstwie einen Bruch. Die Sache soll nicht dadurch ihren Reiz erhalten, dass man Gesetze bricht oder sich selbst in Gefahr bringt, sondern das Explorieren der Vergangenheit eines Gebäudes steht im Fokus dieses fotografischen Abenteuers.
PS: Frank machte unten im Kommentar auf einen interessanten Link aufmerksam. Damit der nicht überlesen wird:

Das Traumland der Urbexer schlechthin ist Belgien, die Anzahl der verlassenen Industrieanlagen, Chateaus und Bergwerke ist enorm.
Wir handeln dabei stets nach der Maxime: “Take nothing but pictures, leave nothing but footprints”

Wer Lust auf mehr darf gerne mal bei uns reinschauen: http://www.urban-aix.de/

8 Comments
  1. Seht schöne Fotos. Besonders gut gefällt mir das ungewöhnliche Format mit den runden Ecken

  2. @Norbert: War das mit den Ecken ernst gemeint? Die sind ja nun das Unwesentlichste an den Fotos…

  3. @Olaf ich finde nicht, dass die Präsentation unwesentlich ist. Ein Foto ist ein Gesamtkonzept. Dazu gehört auch die Form und Beschaffung und das Medium.

  4. Ich unternehme regelmäßig mit meinen Freunden von urban-aix solche Exkursionen.
    Wer einmal davon gefangen wurde, läßt nicht mehr los, es ist faszinierend alte Industrieanlagen oder herrschaftliche Häuser zu besuchen, deren Glanzzeit lange vorüber ist.
    Vieles kann man bei den Streifzügen durch die Location nur noch erahnen, aber manchmal meint man die Bewohner sind gerade mal eben aus dem Haus gegangen.
    Das Traumland der Urbexer schlechthin ist Belgien, die Anzahl der verlassenen Industrieanlagen, Chateaus und Bergwerke ist enorm.
    Wir handeln dabei stets nach der Maxime: “Take nothing but pictures, leave nothing but footprints”

    Wer Lust auf mehr darf gerne mal bei uns reinschauen: http://www.urban-aix.de/

    Frank

  5. Sehr schöner Bericht. UrbEx wird auch bei mir gerade zur Leidenschaft.

    Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, das die Anwesenheit einer weiblichen Person, die auch fotografiert, das Risiko “Stichwort: Hausfriedensbruch” elementar reduziert. Meine bessere Häfte hat jetzt schon zwei Mal latent aggressives Misstrauen innerhalb von einer Minute zu begeistertem Interesse verwandeln können. Die eine Person hat uns dann direkt Ihre Kontaktdaten gegeben, damit wir nochmal wiederkommen können, wenn die Lichtsituation mehr hergibt 😉

    @Frank:
    Sehr interessante Website & schöne Fotos

    • @ Universalismus Dann mal noch weiterhin viel Spass in den Ruinen der Neuzeit…

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