Umfragen

Kreativitätsmanagement in der Fotografie: Wann und wie bist Du kreativ?

Post placeholder image

Fotografieren hat immer etwas mit Kreativität zu tun. Der Mensch kann aber nicht immer kreativ sein! Vielmehr erleben Menschen Momente und Phasen, in denen sie Ihre kreative Ressourcen besser anzapfen können bzw. manchmal erleben Sie auch kreative Blockaden. Problem entstehen vor allen Dingen, wenn man mit dem Kreativitätsmanagement nicht bewusst umgeht.

Nicht immer bin ich kreativ! Die kreativsten Momente und Phasen eröffnen sich mir meist, wenn ich Zweirad fahre. Motorradfahren ist gut, Fahrradfahren eigentlich noch besser. Wenn alles an meinem Gesichtsfeld vorbeirauscht, ich die Reize nicht mehr verarbeitet bekomme, dann köchelt und sprudelt es in mir. Ich glaube die Reizüberflutung zwingt zur inneren Fokussierung. Mir kommt da immer das Bild von kreativen Scheuklappen. Die kreativen Impulse sind für mich ein Grund, möglichst viel auf dem Fahrrad zu fahren. Einige meiner besten Ideen sind mir auf dem Zweirad gekommen. In diesem Zustand kann ich mir gut neue Impulse für aktuelle Projekte erarbeiten.

Meistens lasse ich die Kreativität einfach nur zu und warte ab, was passiert. Manchmal mache ich mir diesen Zustand aber auch gezielt zunutze, besonders gerne auf langen Fahrten. Dafür verwende ich eine Liste mit Angelegenheiten, die gebrainstormt werden sollen. Das kann z.B. eine Fragestellung sein, wie ich ein neues fotografisches Thema auf meiner Webseite präsentieren möchte oder ein Slogan für ein neues Projekt. Dieselbe Liste nutze ich auch, um meine Brainstormingideen oder neue Fragestellungen zu notieren. Dieses Notieren ist ausgesprochen wichtig, weil ich sonst alles wieder vergessen würde. Irgendwie klappt es nicht so richtig mit der Datenübertragung vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis nach solchen Phasen. Aber Du weißt ja, ein GTD Fan schreibt immer alles auf. Diese Liste nehme ich einmal im Monat zur Kenntnis.

Beim Fotografieren ist es ähnlich. Gerne begebe ich mich in mir völlig neue Situationen und lasse mich von übermäßig vielen Reizen überschütten. Ich fokussiere mich dann mit Hilfe der Kamera und den Fotos die ich produziere. Umgebung nehme ich dann nur noch unscharf wahr. Die Fotos im Display geben mir immer wieder neue kreative Impulse. Das ist auch mit einer der Gründe, warum ich Shootings immer gerne aus dem Bauch heraus mache, ohne Plan. Natürlich bereichern mich auch Ideen, die mir mal beim Fahrradfahren gekommen sind. Dies schließt natürlich nicht aus, dass ich – gerade bei Auftragsarbeiten – alles ganz akribisch und perfektionistisch plane.

Ich sehe nicht viele Anhaltspunkte, dass ich zu bestimmten Tageszeiten besser kreativ sein kann. Festgestellt habe ich aber, dass diese kreativen Phasen nicht unerschöpflich abrufbar sind. Das ist auch der Grund, warum ich jeden Tag Phasen einbaue, die eher etwas mit Routinen oder stumpfsinnigen Tätigkeiten zu tun haben. Der Kreativitäts- Akku lädt während dieser Phasen am besten wieder auf.

Diese Wirkungsweise bzw. Wechselwirkung habe ich mir über die Jahre bewusst gemacht. Heute nutze ich sie viel effektiver, als noch vor einigen Jahren.

Kreativität kann man nicht befehlen. Kreativität muss man pflegen wie ein zartes Pflänzchen. Sie benötigt einen festen Grund, Licht und Schatten, Wasser, Nährstoffe und die Ernte sollte mit Bedacht eingefahren werden.

Da Menschen und auch Fotografen sehr unterschiedlich sind, würde mich mal interessieren, wie Du Deine Kreativität managst? Wie gehst Du mit kreativen Blockaden um?




20 Comments

  1. Pingback: Kinder lernen fotografieren - detailverliebt.de

  2. Pingback: Fotografie-Best-Of: Fünf Fundstücke aus der Foto-Blogosphäre, die sich lohnen « Magazin « Foto-Reporter.de

  3. 2010/02/16 at 20:26

    Christoph W.

    Antworten

    Das mit der Kreativität ist schon eine vertrackte Sache 🙂
    Ich habe da letztens zwei sehr gute Schriften drüber gelesen (zwar leider nicht ganz kostenlos, aber 10 USD sind momentan ja auch nicht die Welt):

    http://www.craftandvision.com/books/the-inspired-eye.html
    http://www.craftandvision.com/books/the-inspired-eye2.html

    Da sind sehr schöne Denkanstöße enthalten, wie man seiner Kreativität auf die Sprünge helfen kann.

    Viele Grüße
    Chris

    P.S.: Nein, ich bekomme keine Provision 😀

    1. Benutzer-Avatar
      2010/02/16 at 20:40

      Olaf Bathke

      Antworten

      @Christoph: Oller Spammer… 😉

  4. 2010/02/14 at 22:06

    Bernd Limbach

    Antworten

    Was Christoph schreibt, ist gar nicht so abwegig. Auf dem stillen Örtchen habe ich auch immer mal den ein oder anderen Geistesblitz!
    Und ja, Olaf, warum nicht auf Klopapier, die Steuererklärung sollte ja auch mal auf einem Bierdeckel möglich sein… aber das ist wohl eine andere kreative Geschichte… 😉
    Eine mehr oder weniger sportliche Betätigung (Laufen, Fahrradfahren, was auch immer) tut immer gut. Kopf frei machen, kann Olaf nachvollziehen, das er beim Fahrradfahren neue Ideen bekommt. Manchmal hilft sogar dummschwätzen…

  5. 2010/02/13 at 18:53

    Christoph

    Antworten

    Moah ich bin auf dem Klo am kreativsten ^^ Da habe ich die besten Ideen … evtl, weil es da besonders ruhig ist oder so? *grübel* Oft skizziere ich die Ideen dann später.

    1. Benutzer-Avatar
      2010/02/13 at 19:10

      Olaf Bathke

      Antworten

      @chistoph: Auf Klopapier? 😉

  6. Pingback: Marc Wiegelmann

  7. 2010/02/11 at 22:35

    Teatime

    Antworten

    “Kreativität kann man nicht befehlen. Kreativität muss man pflegen wie ein zartes Pflänzchen. Sie benötigt einen festen Grund, Licht und Schatten, Wasser, Nährstoffe und die Ernte sollte mit Bedacht eingefahren werden.”

    Und manchmal braucht man eine Auszeit. Um sich zu sammeln. Seine Ideen zu ordnen und um einfach mal Platz im Kopf zu haben für neue Ideen.

    Ich bin Ende des Monats endlich mal wieder in meiner alten Heimat Ostfriesland. Ich werde an meinen Lieblingsplatz am Pilsumer Leuchtturm (vielen besser bekannt unter “Otto-Turm”) fahren und mir den Nordseewind durch den Kopf blasen lassen. Danach fühle ich mich immer wieder sehr gut.

    Leider habe ich hier in Schleswig-Holstein so einen Platz für mich noch nicht gefunden. Aber ich suche weiter. 😉

  8. 2010/02/11 at 22:50

    Christian Rohweder

    Antworten

    Das mit dem Motorradfahren kommt mir bekannt vor. Wobei ich das eher zum kompletten Abschalten nutze um den Akku wieder aufzuladen. In dem Augenblick, in dem ich auf den Anlasser drücke bin ich meine eigene kleine Insel. Für niemanden mehr erreichbar und durchs Land zu cruisen, Seele baumeln lassen, die Landschaft geniessen. Mir hilft das besonders dann, wenn mir zuviel durch die Birne saust und mal ein kleiner Reset nötig ist. Danach fällt mir dann das Ordnen deutlich leichter. Naja, manchmal fängt das auch schon unterwegs bei einem Fischbrötchen an 😉

  9. Pingback: Ralf Noehmer

  10. 2010/02/11 at 20:36

    Raphael

    Antworten

    Hallo Olaf,

    sehr interessanter Beitrag. Ich kann mich meinen Vorgängern eigentlich anschließen. Bis auf einem Punkt: Ich habe gar kein Auto :-). Es gibt dennoch genügend andere Möglichkeiten, sich abzulenken. Sonst schreibe ich mir eigentlich immer alles auf. Es ist nur wirklich sehr blöd, wenn man sich auf einem langen Spaziergang befindet und nichts zu schreiben dabei hat. Das ist mir leider oft genug passiert. Als ich wieder Zuhause ankam, waren die Ideen nicht mehr da. Dies fällt wohl unter die Kategorie: „Pech gehabt, viel Glück beim nächsten Mal“. Ich lasse übrigens ab und zu mal auch Zeit zwischen dem Notieren und dem Umsetzen einer Idee. Es kam auch oft genug vor, dass mir einige Zeit später eine Idee nicht mehr gefiel oder ich diese etwas abgeändert habe.

    Gruß

    Raphael

    1. Benutzer-Avatar
      2010/02/11 at 20:51

      Olaf Bathke

      Antworten

      @Rapheal: Danke fürs Teilen…

  11. Pingback: OlafBathke

  12. 2010/02/11 at 18:38

    CarstenW

    Antworten

    Sehr interessant und vorallem auch interessante Ansätze. Leider praktiziere ich kein Kreativitätsmanagement, was auch ein Problem dastellt, wie mir beim Lesen deines Artikels aufgefallen ist, ich stecke beim Thema Fotografie jetzt schon fast ein halbes Jahr irgendwie fest… einfach keine neuen Ideen. Sicher, ich beschäftige mich viel mit den Fotos, die ich so im Netz sehe und merke mir einige die mir gut gefallen, und was mir nicht so an dieses gefällt, und speicher das sozusagen mal zwischen. (“die pose des Models ist toll , aber das Licht würd ich so und so setzen,…”)
    Aber das mir selber, quasi ohne äußere Reize eine Bildidee kommt, hatte ich jetzt schon (zu) lange nicht mehr.
    Grundsätzlich kommen mir viele Ideen beim Autofahren, oder wenn ich mich grade mit etwas anderem beschäftige (z.b. beim Fitness)… also immer in den Situationen, wo ich keine Gelegenheit habe die Idee aufzuschreiben… viele gehen mir dann einfach verloren.
    Allerdings muß ich sagen, daß ich beim Motorradfahren meistens zu sehr auf die nächste Kurve konzentriert bin, als das da noch irgendwas Anderes Platz hätte. (liegt aber wohl auch am Fahrstil :-/ )
    Ich habe schon verschiedene “Idee-Ablage-Systeme” versucht… kleines Buch zum aufschreiben immer in der Tasche, direkt ins Handy eintippen, Sprachmemo in den iPod sprechen… aber nichts davon hat sich für mich als DIE Lösung präsentiert.
    Wie ich meine momentane Blockade zu lösen gedenke? Ich habe keine Ahnung, abwarten und Tee trinken steht auf dem Programm, ich hoffe sie gibt sich nach den noch anstehenden Klausuren, damit ich dann durchstarten kann, wenn ich auch wieder Zeit habe.

    LG
    Carsten

  13. Pingback: Robert

  14. Pingback: Robert

  15. 2010/02/11 at 13:15

    Alexander Spanke

    Antworten

    Hi,

    schön zu lesen wie Du mit Deiner Kreativität umgehst – da es aber bei uns zu hügelig ist für das Fahrad, oder ich zu faul, ist es bei mir eher das Reflektieren, wenn mich etwas beschäftigt rede ich gerne mit aussenstehenden darüber, nicht nur um Feedback zu erhalten, sondern erkläre ich mein Ziel, die Möglichkeiten die mir bisher eingefallen sind und wenn ich mich dann selbst über das Thema reden höre, ja ich spreche bevor ich denke ;), kommen mir zumeist die besten Ideen 😉

    Da ich nicht immer jemanden finde, der sich von mir bequatschen lässt, erreiche ich oft auch den selben Effekt wenn ich mir schriftliche Notizen dazu mache, quasie auf dem Papier brainstorme ….

    Um die Akkus wieder aufzuladen, genügt es mir eine Weile thematisch etwas völlig anderes zu machen, z.B. Autowaschen 🙂

    Gruß
    Alex

    1. Benutzer-Avatar
      2010/02/11 at 20:28

      Olaf Bathke

      Antworten

      @alexander: Zum Akkuaufladen kannst Du gerne mal vorbeikommen. Unser Bus müßte vor der großen Frankreichtour noch mal gewaschen werden… 😉 Ansonsten ist Schreiben eine tolle Sache. Der Klassiker ist natürlich einem Mindmap. Da gibt es tolle Freewareprogramme für Win & Mac

      @Carsten: Das klingt für mich nicht nach einem fehlenden Kreativitätsmanagement. Du machst Dir Gedanken, momorierst Sachen, die Dir auffallen, gehst zum Sport, trinkst Tee. Wenn Du allerdings von dieser Bildbetrachtung sprichst, dann klingt das für mich alles sehr mechanisch: Die Pose ist toll, das Licht ist blöd. Das hat ein bisschen was von diesen einfältigen Kommentaren, die man in Fotocoummunities lesen kann.
      Was ich hier ja immer wieder mal in meinem Blog erkläre: Frag Dich mal: Warum Du die Pose gut findest. Ist die Pose sexy, wirkt das Model ängstlich, wirkt es offen oder distanziert. Wenn Du die Frage beantwortet hast, dann überlege mal, ob es da ein persönliches Thema gibt, das Dich fasziniert. Vielleicht findest Du Distanziertheit spannend oder gar Sex. Dann versuch an diesem Thema weiter herumzuexperimentieren und zu arbeiten. Ich beobachte das häufig, dass Menschen zu sehr danach suchen, wie man etwas kopieren kann, aber keinen Zugang mehr zu einem emotionalen Thema finden, das sie mit Feuer und Leidenschaft füllt. Ich bin mir sicher, wenn Du so einen Schritt machst, dann fließt die Lust wieder und die Kreativität wird kein Problem sein.
      Wenn ich coache, dann fällt mir das häufig auf. An so ein persönliches Thema trauen sich Menschen häufig nicht heran, weil sie unbewußt Angst haben. Dabei gibt es kaum etwas Spannenderes. Hier an der Muthesius Hochschule gab es mal einen Prof, der immer wieder versucht hat, den Studenten den Weg zu diesen persönlichen Themen zu bahnen. Da kamen tolle Sachen bei raus, eine Studentin hat die Schönheit von toten Menschen als persönliches Thema für sich entdeckt.
      Die Frage: Warum finde ich das spannend, ist eine der wichtigsten für die persönliche Weiterentwicklung.

  16. Pingback: Bilder Shop

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bei Nutzung dieser Homepage erkläre ich mich einverstanden mit der Datenschutzerklärung.
EINVERSTANDEN!