Markename, Künstlername, Name! Wie gehst Du als Fotograf durch die weite Welt?

Die Umfrage vom 26.2. fand ich interessant.

Über 50% treten mit ihrem realen Namen in Erscheinung.

So in etwa habe ich das Ergebnis auch erwartet.

Im Zuge der Anmeldung eines Markennamens, mache ich mir gerade Gedanken, wie man begrifflich bzw. namentlich als Fotograf im Internet oder im realen Leben in Erscheinung treten kann.

Du kennst mich unter meinem tatsächlichen Namen. Mit Olaf Bathke werde ich angesprochen oder auch weiterempfohlen. In meinen Internetanfängen hatte ich mir einige Gedanken gemacht, wie ich im World Wide Web in Erscheinung treten wollte. Da gab es mal kurz den Impuls, unter einem Künstlernamen zu publizieren. Mit der Entscheidung, unter meinem tatsächlichen Namen zu publizieren, bin ich bis heute zufrieden.

Die Bedeutung von den Begrifflichkeiten Markennamen, Künstlername oder Name für einen Fotografen ist vielschichtig. Die Begrifflichkeiten sind vor allen Dingen dynamisch. So kann es schnell passieren, dass ein Künstlername Markennamencharakter bekommt oder ein Name Markename wird. Meine Gedanken gehen in diesem Artikel vor allen Dingen in die Richtung der Zuschreibung von Emotionen, Eigenschaften oder Qualitäten, aber auch einer persönlichen Weiterentwicklung unter dem Gesichtspunkt dieser Begrifflichkeiten. Solche Begrifflichkeiten sind aber auch wichtig, wenn man zu möglichen Kunden Beziehung herstellen möchte. Zudem helfen Sie, Produkte und Dienstleistungen zu unterscheiden.

Nähern wir uns diesem Thema mal ein bisschen praktischer:

Überblick:

Wenn Du als Fotograf Deine ersten Schritte machst, so solltest Du Dir die Zeit nehmen und über Deine begriffliche bzw. namentliche Erscheinung Gedanken machen. Tatsächlich gibt es einiges zu bedenken. Es kann sein, dass Du anfänglich die Auswirkungen dieser Entscheidung unterschätzt. Schwierig wird es vor allen Dingen, wenn man sich in der Zukunft weiterentwickelt bzw. sich professionalisiert.

Letztens bin ich im Kontakt mit meinem Blognachbarn Kwerfeldein darüber gestolpert, dass ich seinen richtigen Namen gar nicht abgespeichert hatte, obwohl ich ihn schon längere Zeit immer wieder gelesen habe. Peinlicherweiser habe ich ihn mit Martin G“r“ommel angesprochen. Ich denke, Martin hat mir das nicht übel genommen.

Martins Professionalisierung dürfte ein interessantes Beispiel sein, was für eine Bedeutung eine Wortwahl für die weitere persönliche Entwicklung haben kann. Was bei Martin sicherlich mal mit einem Nickname begann, dass dürfte mittlerweile mindestens ein Künstlername sein, wenn sich der Begriff Kwerfeldein nicht sogar schon als Markenname weiterentwickelt hat. Ich vermute, dass dies nicht nur bei mir zu Störungen führen kann. In meinem Twitterstream bin ich darüber gestolpert, dass Martin mit „der Kwerfeldein“ betitelt wurde. Dies führt spätestens dann zu Verwirrung, wenn Du in einem anderen Satz liest: Das steht auf Kwerfeldein. Aber wer fotografiert denn dann Deine Hochzeit, „Martin Gommel“ oder „Kwerfeldein“? Bieten Hochzeitsfotos von einem „Kwerfeldein“ oder einem „Martin Gommel“ für einen Kunden die gleichen Assoziationsmöglichkeiten?

Dir sollte klar sein, was es für Dich beim Publizieren von Inhalten bedeuten könnte, wenn Du Dich für einen Markenamen, Künstlernamen oder Namen entscheidest. Nun werde ich mal ein bisschen konkreter.

Konkrete Beispiele:

Unter einem Markennamen ist es leichter, Inhalte unabhängig von einer Person zu verbreiten. Ein Markenname kann unabhängig von einer Person wachsen, die Inhalte können sich in viele Richtungen weiterentwickeln. Eigenschaften und Besonderheiten lassen sich weitreichend entwickeln. So ein Markenname muss allerdings erst einmal mühsam mit Assoziationsmöglichkeiten gefüttert werden. So ein Markenname hat auch einen beweglicheren Wert. Wie man das zuletzt bei der Versteigerung von basic-thinking.de sehen konnte. Im Gegensatz zu einem realen Namen, kann man einen Markennamen verkaufen. Hinter einem Markennamen ist es allerdings schwerer als Person in Erscheinung zu treten. Die Gefühle und auch die Aufmerksamkeit von Kunden werden sich immer schwerpunktmäßig an den Markennamen binden, nicht an die Person hinter einem Markennamen. Wenn ich den Vergleich mit einem lokalen Mitbewerber ziehe, so stelle ich fest, dass ich den Chef eines bestimmten Fotostudios nicht kenne, allerdings den Markennamen des Studios abgespeichert habe. Unter so einem Markennamen ist es natürlich leichter, Angestellte arbeiten zu lassen. Meine Kunden würde mir einen Vogel zeigen, wenn ich denen einen Angestellten auf deren Hochzeit schicke, wenn sie doch Fotos von Olaf Bathke einkaufen möchten.

Ein Künstlername wiederum entrückt zunächst einmal von der eigentlichen Person. Ein Künstlername hilft auch, wenn man einfach einen unglücklichen Namen (z.B. Olaf Hässlich oder Olaf Wucherpfennig) für die Ausübung des Berufes Fotograf hat. Wolle man der eigentlichen Person Eigenschaften oder Besonderheiten zuschreiben, so müsste man immer erst einmal die Entrückung von dieser Person überwinden. Eine Person mit Künstlername bekommt schnell eine gewisse Künstlichkeit zugeschrieben, gerade wenn der Künstlername offensichtlich ist. Ein Künstlername ist eine Vorlage für die spätere Markennamenwandlung. Mit einem Künstlernamen dürfte es viel schwieriger sein, Authentizität zu produzieren.

So ein Künstlername schafft aber auch kreativen Freiraum, einen Alter Ego zu entwickeln, der von den Eigenschaften und Besonderheiten einer Person abrücken kann. Das bedeutet natürlich mehr Spielraum für das kreative Schaffen. Ein Künstlername schafft auch einen Wert, der an die Person gebunden ist. So ein Künstlername bindet die persönliche Entwicklung eher an diese eine Person hinter dem Künstlernamen und manifestiert sie dort. Sind Emotionen erst einmal gebunden, dann kann man da nur noch schwer von abrücken. Ein schönes Beispiel ist „Farin Urlaub“. Der kann noch so tolle Fotobände veröffentlichen, Farin Urlaub wird immer der Frontmann von der Spasspunkband „Die Ärzte“ sein und es nie schaffen als Fotograf so bedeutsam zu werden, wie als Sänger. Auch wenn die Künstlernamensextension „Urlaub“ Assoziationsmöglichkeiten für einen Reisefotografen bietet.

Ein Künstlername verschafft zudem persönlichen Freiraum. Er hilft beim Trennen vom Beruflichen und dem Privaten. Würde ich zum Beispiel unter meinem realen Namen solche Schmuddelfotos wie Terry Richardson produzieren, so hätte ich schnell die argwöhnischen Blicke meiner Nachbarschaft gepachtet.

Die Verwendung eines realen Namens bringt natürlich am besten die eigentliche Person in den Vordergrund. Alle möglichen Attribute, die unter diesem Name entwickelt werden, die binden sich leibhaftig und ohne Umweg an diese eine Person. Gerade unter dem Gesichtspunkt der Schaffung von Authentizität und Einzigartigkeit ist der eigene Name sicherlich die erste Wahl. Die persönliche Namensnennung vermittelt sicherlich die engste Bindung an die Person des Künstlers. Der Fotograf ist mit seinem Namen stets im Fokus. Die Person lässt sich aber nicht abtrennen. Weitere Entwicklungen von Inhalten sind unmittelbar an die Person gekoppelt. Ein Wert ist von der Person schwer trennbar.

Schlussgedanken:

Für mich persönlich ist es stimmig mit meinem realen Namen in Erscheinung zu treten. Auch wenn es bedeutet, dass ich meinen Blog in der Rente nicht mal so eben versteigern und von dem Erlös einen Pflegeheimplatz auf den Seychellen finanzieren könnte.

Du siehst, ob man nun unter einem Markennamen, einem Künstlernamen oder einem realen Namen als Fotograf in Erscheinung tritt oder im WWW bzw. im wahren Leben Inhalte publiziert, das hat durchaus Bedeutungen oder Auswirkungen. Es war Dir bestimmt nicht bewusst, als Du in Deinen Anfängen deine Homepage registriert hast oder einem Fotoforum beigetreten bist.

Ich bin mir sicher, dass viele Fotografen an Punkte kommen, wo sie über diese Bedeutung stolpern bzw. Probleme bemerken.

Dieser kleine Essay erfasst sicherlich nicht alle Aspekte zu diesem Thema. Aber zum Glück gibt es meine klugen und erfahrenen Kommentatoren. Was fällt Euch zu diesem Thema noch ein?

14 Comments
  1. Es kommt drauf an, wo im Netz ich auftrete. Im Bereich Foto in der Regel mit meinem realen Namen bzw. mit meiner “Marke” cr.pix in Verbindung mit meinem Namen, wobei ich seit einiger Zeit auch mehr und mehr nur noch meinen Namen benutze.

    Bei Twitter habe ich mich seinerzeit geärgert weil mein Name um zwei Zeichen zu lang war. Andererseits wusste ich das Medium auch nicht wirklich einzuschätzen und bin dort halt mit einem Pseudonym unterwegs, was ich heute aber gerne ändern würde, wenn es denn ginge. Geht aber nicht, mein Name ist immer noch zu lang. Glücklich sind die mit kurzen Namen, die lassen sich eh besser einprägen 😉

  2. Spontan fallen mir Gedanken zu meinem…na ja Künstlername kann man da nicht sagen…Nicknamen ein, den ich 2000 das erste mal benutze um meine Gedichte zu präsentieren. Ich fotografiere ja nicht nur, sondern schreibe auch.
    Da ist es irgendwann kompliziert geworden, weil ich später unter meinem realen Namen schrieb und dann immer Erklärungen abgeben mußte.
    Ich denke, es ist egal ob man “Hässlich” oder “Wucherpfennig” heißt. Meine Präsenz als Fotograf sollte nicht an meinem Namen festgemacht werden, sondern an dem wie ich auftrete und wie ich meine Bilder präsentiere.

    Liebe Grüße
    Anne Seltmann

    P.S. man höre und staune “Ich hatte in der Lyrikwelt sogar schon Neider wegen meines realen Namens”

  3. Ich benutze z.B. meine eigene Namen.
    Hochzeitsfotograf Vadym Plyushchakov

  4. @Vadym
    Wenn wir gerade bei Namen sind, finde ich es ungewöhnlich, dass Du Dich
    Plyushchakov schreibst, aber
    plushakoff (.com) als Domainname benutzt.

    Das es je nach Zielsprache (z.B. deutsch/englisch) Unterschiede gibt, wenn man aus kyrillischer Schrift in lateinische Schrift überträgt, dürfte nicht allen geläufig sein. Und so dürfte sich vielen nicht sofort erschließen, dass die Domain zum Namen gehört.

  5. Hallo Olaf,
    ich hatte mich bewußt für einen … sagen wir mal “Blog name” entschieden. Vielleicht weil ich leicht paranoid bin und nicht will, dass jeder der will, etwas über mich, meine Familie, meine Vorlieben, meine Neigungen etc. heraus finden kann, so er meinen “Klar-Namen” kennt. Auch ich hatte mir seiner Zeit sehr genau darüber Gedanken gemacht und mich ergo gegen meinen Klarnamen entschieden. Jetzt bin ich aber auch nicht Hochzeitsfotograf, von dem die potentielle Kundschaft schon eine gewisse Seriosität erwarten darf, zu der eben auch ein „rischtischer“ Name gehört. Auch muss ich nicht auf andere Gruppen, als da wären: Kunden, Auftraggeber etc. … Rücksicht nehmen, es gibt sie einfach nicht. Ich sehe aber sehr wohl ein, dass Kunstschaffende … oder (neu deutsch) Creative , sich sehr genau überlegen sollten, wie sie sich … und ihre Kunst vermarkten wollen. Wo bei mir die Reise hingeht, weiß ich ehrlich gesagt nicht, mache mir aber auch keine Gedanken darüber. Zu fatalistisch …? Egal … „et kütt wie et kütt“
    SaludDos
    Ratze

    PS. Danke für Deinen Kommentar … war ich schon seit XX Jahren nicht mehr, wenn die See nur nicht soooo weit weg wäre ….

  6. Danke für deine Gedanken zum Thema. Deine Schlussfolgerungen hinsichtlich Martin Gommel kann ich aber nicht teilen. “Kwerfeldein” ist schon vom Begriff her ganz klar ein Blog-Name, wobei Blog in diesem Fall ein professionell betriebenes Online-Magazin ist und kein “nur” persönliches Blog von einem Fotografen.
    Eine ganz andere Sache ist es, wenn Fotografen seltsame, ich nenne sie “Tarnnamen” verwendet, und die auch noch für viel Geld als Marke anmeldet. Da ist der eigene Name im Zweifel immer die bessere Wahl.
    PS: Dir weiterhin gute Besserung!

  7. Ganz klar bin ich für den richtigen Namen! Als ich mit der Fotografie 2006 angefangen habe, hatte ich für diverse Fotocommunities ein Pseudonym verwendet. Das ärgert mich jetzt ein wenig, denn man kann niemanden damit verbinden.

    Wenn ich könnte, würde ich die Benutzernamen ändern.

    Gruß und schönes WE noch!

  8. Ich schließe mich dem, was Ronny gesagt hat, voll und ganz an. Als ich anfing meine Fotos zu veröffentlichen, habe ich auch einen “Nickname” benutzt und inzwischen da, wo es möglich ist, – was leider nicht immer geht – inzwischen auf meinen realen Namen geändert.
    Meiner Meinung nach kommt es wirklich in erster Linie auf die Bilder an und wenn ich Bilder verkaufen möchte, melde ich mich natürlich mit meinem Namen an. Schon alleine deswegen, weil ich voll und ganz hinter meinen Fotos stehe!
    Gruss-moni

  9. @Guido
    es ist wirklich sehr schwer mit meinem namen – englische schreibweise dachte ich mir, duerfte leichte sein. daher – plushakoff 🙂

  10. Hi,

    danke für den Artikel. Hat mir bei meiner Entscheidung einen Namen zu finden sehr geholfen. Werde nun also auch meinen Namen für Fotos verwenden (bin Neueinsteiger).

    LG,
    Andre

  11. Kristina: Du allein solltest eine Entscheidung treffen. Alle wichtigen Aspekte habe ich beschrieben. Bei blumigen Künstlernamen vergesse bitte nicht, dass die auch noch in 40 Jahren funktionieren sollten.

  12. Danke für deinen Artikel, der mir sehr geholfen hat jetzt meinen Klarnamen im Socialweb zu benutzen. Dein Artikel ist der beste, den ich zu diesem Thema im Web finden konnte.

  13. Danke für diesen Artikel. Zwar ist er nicht der Jüngste aber da ich gern fotografiere und es eben schon fast mehr Leidenschaft als Hobby ist, bin ich an diesen Punkt angekommen ob ich nicht sich meinen realen Namen dafür nutze. Und Dank dir bin ich nun noch sicherer. Ich möchte nicht unter meinem Pseudonym auf meine Fotos stolz sein sondern direkt als Robert auf meine Arbeit.

    Danke dir.

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