Cloud Computing und Bildbearbeitung: Was halten Fotografen davon?

Rechnen auf Wolke 7, das klingt zunächst wie „unumgängliches Verlieben“. Der Trend, Rechenarbeiten von dem eigenen Rechner auf ferne Server zu verlagern, ist in aller Munde.

Die Idee klingt zunächst verbraucherfreundlich: Externe Anbieter offerieren sicheren Speicherplatz und allzeit aktuelle Software.

Alle machen mit bzw. springen auf den Zug auf, um den Anschluss nicht zu verpassen. Jüngst kaufte Google den Bildbearbeitungsservice picnik.com.

Was bedeutet Cloud Computing für uns Fotografen?

Ich persönlich glaube, dass Cloud Computing in Sachen Bildbearbeitung noch lange Zeit benötigen wird, um Bedeutung zu erlangen. Und das aus einem ganz offensichtlichen Grund:

Im letzten Jahr habe ich fast einen Terrabyte Daten produziert, die man im Sinne eines einheitlichen Workflows nur unwirtschaftlich im Netz hin- und hertransferieren kann. Wenn ich bedenke, wie lange ich schon immer für den Transfer der Daten von den CF Karten auf den MAC benötige.

Potential bietet Cloud Computing immerzu:

  • Kein Herumärgern mehr mit Datensicherung
  • Mobiles Arbeiten in  der ganzen Welt
  • Auslagern von Dienstleistung: Schon heute bieten indische Firmen die Bearbeitung von Bilddaten als Service an

Wir müssen mal abwarten, wie Adobe auf den Trend weiter reagieren wird. Schließlich hat Adobe quasi das Bildbearbeitungsmonopol für professionelle Fotografen.

Die ersten Gehversuche von Adobe mit Cloud Computing waren ja eher ungeschickt: Photoshop Express

Dank der unseriösen Nutzungsbedingungen, die weltweit Aufsehen erregten, wird es Adobe schwer haben, dieses Stigma bei Seite zu legen. Wer gibt schon gerne seine Nutzungsrechte ab?

Vielleicht kann mal einer von meinen Lesern eine Schätzung abgeben, wann die Bandbreite von Internetzugängen hinreichend groß ist, um von dem heutigen Stand der fotografischen Technik aus, Daten wirtschaftlich hin- und herzubewegen.

Was meint ihr, wann werdet ihr Eure Fotos im Internet lagern und bearbeiten?

21 Comments
  1. Wann ich meine Fotos im Internet lagern werde?
    Soweit ich das aktuell beurteilen kann, nie. Nicht mal als Datensicherung.

    Noch ist mir die Internet-Verbindung einfach zu lahm für solche Datenmengen, und selbst wenn sich das ändern sollte, glaube ich nicht, dass solche Speichermengen, wie ich sie brauche, so günstig sein werden, dass ich sie als Alternative zu den ständig wachsenden Festplatten ernst nehmen kann.

  2. Von der Bandbreite her möglich wird es schon sehr bald sein.
    Kabel Deutschland hat ja jüngst in Hamburg bei einem Test über 200 MBit/s erreicht (1) und die Technik gibt dort sicherlich noch mehr her.
    Ich denke es ist nur eine Frage von wenigen Jahren, bis der “Flaschenhals” sich an eine andere Stelle verlagert. Bereits heute kann ich meine Linux-Images in der Uni schneller aus dem Netz ziehen, als die Festplatte vom Netbook diese schreiben kann 😉

    Andersrum ist es aber auch eine Sache des Vertrauens.
    Würde ich meine Originaldaten einem Unternehmen wie Google oder Adobe anvertrauen?
    Ich denke dies wird viel eher der Knackpunkt sein. In den kommenden Jahren werden wir sicherlich verstärkt “einfache Bildbearbeitung” im Netz sehen, insb. auf “Otto Normal User” gezielt.
    Mit der Zeit wird die Technik besser werden und zunehmend auch auf Profis abzielen.

    SO zumindest meine Einschätzung.

    (1) http://www.dsltarife.net/news/4988.html

  3. Ich sehe es ähnlich wie Sam, ich persönlich habe momentan den Eindruck, dass die Dateigrößen schneller wachsen, als die Bandbreite fürs Internet. Bedeutet also, dass mit neuen Kameragenerationen die Dateigrößen wachsen, der Markt für schnelle Internetzugänge sich aber viel langsamer entwickelt.

    Dazu kommt für mich noch das kleine Männchen im Hinterkopf, dass mir immer was von Nutzungsrechten, AGBs, etc erzählt. Dieses Männchen hat mich auch davon überzeugt, dass ich z.B. keine Fotos auf Facebook hochlade, auch wenn FB eine nette Art wäre Werbung für sich zu machen.
    Das Problem ist ja auch, dass AGBs sich änderen können, man müsste also permanent nach alternativen Ausschau halten, falls der genutzt Anbieter für sein Datenbackup oder Online-Fotobearbeitung plötzlich seine AGBs ändert…

    Kurz: Nein, meine Daten bleiben auf meinen Platten.

  4. Geht mir genauso wie Carsten. Meine Bilder gehören mir – die vertrau ich keinem Unternehmen an. Und was kostet schon ‘ne Festplatte heutzutage.

  5. Zustimmung zur lokalen Datenspeicherung – derzeit.

    Ich mag mich zwar durchaus mal an eine anderweitige Speicherung wagen, bin aber noch nicht soweit. Ebenfalls hatte ich bereits überlegt selbst einen Server aufzusetzen, der bei meinen Eltern stehen würde zur Datensicherung von “wichtigen Daten”, den ich von außerhalb ansprechen kann. Zuviel Aufwand für mich.

    Sollte erst einmal meine Strategie der Datensicherung implementieren…

    Habt Ihr eine?

    Bildbearbeitung im Netz? Nee, brauch ich net – zumindest derzeit…

  6. Klar hab ich eine Backup-Strategie. Und die war sogar erfolgreich, als mir letztens DREI Festplatten innerhalb weniger Tage verstarben:
    http://www.radeldudel.de/blog/0908/Datensicherung.html

  7. Im Moment ist Cloud Computing ja ein Buzzword und so ziemlich alles will gerade irgendwie in der Cloud sein. Das was Du hier besprichst sind aber eigentlich einfach webbasierende Applikationen, die zwar im Rahmen einer Cloud Computing Infrastruktur laufen können, aber nicht müssen.

    Was webbasierende Bildbearbeitung anbetrifft, ist Pixlr derzeit recht beeindruckend und viel weiter fortgeschritten als Picnik und Photoshop Express.
    http://www.pixlr.com/editor/

  8. @Bernd
    Die meisten machen sich erst dann ernsthaft Gedanken über eine Backup-Strategie, wenn sie wegen Hardwareschaden (oder viel häufiger) eigener Schusseligkeit tatsächlich mal Daten verloren haben – ich spreche da aus Erfahrung 🙂

    Unter Windows 7 ist die Aufgabenplanung sehr leistungsfähig, weil sie z.B. verpasste Aufgaben (Rechner war zum Ausführungszeitpunkt nicht an) nachholen kann etc. Mit dieser Aufgabenplanung und einem Opensource-Backup-Programm wie Areca kann man eine sehr professionelle und vollautomatisierte Backupstrategie fahren, ohne Geld für Backupsoftware ausgeben zu müssen. Das tut dann im Alltag gar nicht mehr weh. Man hat dann z.B. vollautomatisiert ein tägliches Backup der letzten 7 Tage, ein wöchentliches Backup der letzten 4 Wochen, ein monatliches Backup der letzten 12 Monate, danach ein jährliches Backup von jedem Jahr.

  9. @Sam:
    danke für den Link und die Beschreibung.
    So ähnlich soll es bei mir schließlich auch aussehen. Ich habe aber 3 externe Festplatten vorgesehen, wobei zwei ständig dann am Rechner angeschlossen sein werden.
    Und ja, weil noch nicht gemacht, lebe ich potenziell gefährlich…

  10. @ Bernd
    Backup hab ich mich oberflächlich hier mit beschäftigt: http://tr.im/VJAM

  11. @Bernd, ist kein Problem, ich könnte meine interne Platte auch in ein externes Gehäuse schubsen, und da mein System eine eigene Platte hat, einfach weiterarbeiten. Hatte das auch schon mal überlegt, um die Daten zwischen Hauptrechner und Notebook zu teilen, aber so viel mach ich dann doch nicht am Notebook.

  12. Interessanter Artikel. Ich bin auch der Meinung, dass es noch einige Zeit dauert, bis dieses Thema für Fotografen wirklich interessant wird. nicht die verfügbaren Servertechnologien, sondern vielmehr Bandbreiten, Antwortzeiten und Verfügbarkeiten bezahlbarer Provider sind hier der Flaschenhals. Klar, alle drei Parameter verbessern sich mit fortschreitender Technologie, aber ich pflichte dem Vorschreiber Carsten bei, dass die Ressourcenanforderungen für die Bildbearbeitung schneller wachsen.
    Und, ebenfalls schon geschrieben, die ganzen Nutzungsbedingungen sind für Nichtjuristen mittlerweile undurchschaubar geworden.

  13. Bin zwar kein Fotograf, möchte aber dazu meinen Kommentar abgeben. Ich glaube schon, das es Lösungen gibt die mittlerweile Datenverwaltung für aktuelle Projekte inkl. Sicherung und Versionierung gut lösen. Ich selber nutze die Dropbox (http://www.dropbox.com) um Datenbestände zu sichern und auf mehreren Rechnern syncron zu halten. Ich nutze dafür das 50 GB Paket und komme gut damit hin. Die Daten werden durch ein kleines Tool, welches im Hintergrund läuft, mit dem Dropbox Server syncron gehalten. Ist im Grunde vergleichbar mit der Timemachine von Apple, die unauffällig im Hintergrund arbeitet. Wenn man dann mal 10 GB auf einmal an Daten reinschiebt und er das nicht an dem Tag hochschieben kann, macht er beim nächsten Rechnerstart weiter. Durch Freigaben von Ordnern kann ich auch Daten mit Kunden autauschen oder einen Link auf Dateien schicken. Die Dateien werden auch versioniert, bedeutet also, wenn ich versehentlich was gelöscht oder in einer falschen Version gespeichert habe, kann ich auf ältere Versionen zurückgreifen. Die Dropbox ist nicht zur Dauerarchivierung geeignet, aber für aktuelle Projekte eine tolle Sache.

  14. Nur mal so am Rande, die grad aktuelle Geschichte einer Freundin, die auch zwei USB-Festplatten hat(te), eine mit den Originaldaten, ein Backup.

    Vor ein paar Wochen ist sie umgezogen. Also alles abbauen, einpacken, aufbauen.

    Datenfestplatte eingestöpselt. Leuchtet zwar, läuft aber nicht an. #Schreck.
    Also die Backup-Platte angeschlossen. Das gleiche Phänomen. #OhGott!

    Was war passiert: sie hat versehentlich nicht das Steckernetzteil des USB-Gehäuses angeschlossen, sondern das vom Drucker. Stecker war identisch, Netzteile sehen sowieso alle sehr ähnlich aus, nur braucht der Drucker 19V, die Festplatten aber nur mit 12V.

    Und daher weiß ich jetzt auch, was passiert, wenn man an eine USB-Gehäuse 19V statt 12V anschliesst: das Gehäuse gibt den Saft gradlinig an die Festplatte weiter, welche unfreundlicherweise direkt das zeitliche segnet.

    Entsprechend waren sowohl Original wie auch Backup-Festplatte innerhalb von Minuten im Eimer. Hätte sie noch eine weitere Backup-Platte extern gehabt, dann wär die Chance größer gewesen, zu bemerken, dass es am Netzteil lag, bevor sie die extern gelagerte Platte geholt und ebenfalls ans falsche Netzteil angeschlossen hätte.

    Immerhin, da (hoffentlich) nur die Elektronik im Eimer, ist die Chance gut, das ein Datenrettungsunternehmen die Platte für wenige Hundert Euro wiederherstellen kann (ist aber immer noch teurer als eine weitere Platte).

  15. @Thies, 50GB wär für mich etwas arg wenig – ich mach zwar nicht viele Foto-Aufträge, nehme aber von einem Auftrag durchaus 20-30GB Daten mit nach Hause, die ich dann sofort auf den Rechner kopiere und sofort sichere (und die Sicherung meist am nächsten Tag ins Büro nehme, um sie dort extern zu haben).
    Wenn Bearbeitung dazukommt, kann ein Auftrag schnell mehrere 100GB groß werden, mit Daten in verschiedenen Stadien der Bearbeitung, die ich zwar am Ende großteils wieder lösche, dazwischen aber an jedem Tag sichere.
    Dass diese Arbeitsdaten erst innerhalb einiger Tage gesichert werden, wäre für mich gerade während der Phase, wo ich dran arbeite, undenkbar.

    Wenn der Auftrag abgeschlossen ist, wär das ok, also wäre sowas als Archivierung denkbar.

  16. @Alle:
    Na, das sind ja alles wertvolle Informationen zur Datensicherung. Im Netz sicherlich noch häufig in ähnlicher Form zu finden.

    Meine Quelle für meine Backupstrategie:
    http://blog.chasejarvis.com/blog/2006/12/how-to-back-up-your-photography-the-basics/

    und

    http://blog.chasejarvis.com/blog/2006/12/important-storage-and-backup-solutions-for-your-photography/

    Konkret: 3 externe Festplatten, wovon zwei ständig am Rechner sind und davon eine alle 10 Tage ausgetauscht wird. Die OFFLINE Platte wird dann gut verstaut (Büro, Freundin, Frau, Freund, Banktresor), auf jeden Fall außer Haus.

    @Thies:
    http://www.dropbox.com ist sicherlich ganz nett, ebenfalls das europäische Pendant http://www.humyo.de/ , wenn ich mich recht erinnere, die einen ähnlichen Service wie Dropbox bieten, nur günstiger mit 100GB sind. Das hatte ich im Prinzip andeuten wollen ohne ins Detail zu gehen.
    Ich hatte bereist ins Auge gefasst diesen Weg für meine schönsten Fotos zu wählen (dann reicht der Platz auch ein wenig länger…).

    @Guido:
    Bah, pfui, Windows… 😉 Habe mittlerweile auch einen Mac, Windows 7 kenne ich aber nicht, habe aber bereits viele positive Kritiken gehört. Ich arbeite aber genug mit XP (Arbeit), womit ich sehr wenige Probleme habe.
    Es wird auf beiden Plattformen gute Lösungen für ein Backup geben. Was mir beim Mac gut gefällt ist der *unix Hintergrund. Cron-Jobs mit rsync oder cpdup wären hier Kandidaten für eine Backupstrategie. Wer es nicht kennen sollte, cron führt bestimmte Aktionen zu festgelegten Zeiten aus und rsync (remote sync) synchronisiert Festplatten/Verzeichnisse zwischen zwei Punkten, auch via Netzwerk. Cpdup (Infos via http://www.dragonflybsd.org) ist ein ähnliches Programm wie rsync.

  17. @All: Vielen Dank für Eure Gedanken und Anregungen.
    @Sam: Sam die Horrorstory mit dem verstauschten Steckern ist ja noch einmal ein wichiger Hinweis. So etwas könnte auch mir passieren… 😉

  18. Thies ist hier nicht der einzige Dropboxnutzer. Ich nutze sie auch, aktuell vor allem für Schriftdokumente und Präsentationen. Wäre ein schnellerer Upload großer Dateien möglich, wäre dies besonders auf Reisen interessant um Bildmaterial zusätzlich vor Diebstahl zu sichern. Dann müsste man nicht immer mit den Speicherkarten in der Unterhose durch “unruhige” Regionen reisen.
    Ich denke daher, dass besonders für Reisefotografen Online-Speicherplatz eine Alternative zu anderen mobilen Backup-Lösungen wird.
    Bildverarbeitung in der Cloud ist aber aktuell wohl eher was für den Hobbyfotografen, der im Urlaub mal schnell den Horizont gerade rücken und einen farbenprächtigen Sonnenuntergang zaubern möchte.
    Für den die Zukunft könnte ich mir durchaus reine Foto-Clouds (Flickr nutze ich z.B. jetzt schon als JPG-Backup) als zusätzliche Datensicherung vorstellen.

    • @Rene: Speicherkarte, Unterhose, unruhige Regionen: Jetzt verstehe ich, was Du mit Ausrüstungsbasteln für Bolivien meinst… 😉

  19. Schöner Beitrag!
    Ich finde es klasse, wenn das Thema Cloud von der Anwenderseite offen diskutiert und geerdet wird. Und in der Tat: Die Auslagerung von eigen Dateien hat viel mit Vertrauen in die Dienstleister zu tun.
    Tatsächlich beharren die Anbieter von bspw. Cloud Storage darauf, dass sie mehr (technische) Sicherheit bieten können als ein Privatmensch.
    Auf der anderen Seite stehen natürlich die (momentan noch limitierten) Natzkapazitäten und die Kostenfrage.
    Am Beispiel der Bilder wird klar, dass Cloud Storage nicht per se günstiger sein muss als eigener Speicher auf einer externen Festplatte daheim. Nicht für jeden Einsatz ist der pay as you use Gedanke sinnvoll. Oder wer bezahlt hier noch für jedes Mobiltelefonat einzeln? 😉

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