Making of: Pointe du Raz

pont-du-raz-01Pointe du Raz: Wo das wilde Wasser tost

Kameraausrüstung versenke ich ja schon mal im Atlantik. Ich arbeite gerne in der Nähe des Wassers. Das bedeutet, dass ich auch immer gut aufpassen muss, nicht irgendeinen Wasserschaden zu erleiden.

Dieses “making of: Pointe du Raz” werde ich mal nutzen, um mich ein bisschen zu den Aspekten der “Sicherheit am Arbeitsplatz” bzw. Vorsichtsmaßnahmen zu äußern.

Gerade Salzwasser ist für feinmechanische oder elektrische Bauteile extrem gefährlich. Lötstellen erleben im direkten Kontakt mit Salzwasser bei gleichzeitiger Stromdurchleitung den schnellen, galvanischen Tod.

Salzwasser frisst zudem an Glasvergütungen und Metallbauteilen.

Natürlich muss man beim Fotografieren nicht nur auf die Ausrüstungsgegenstände, sondern auch auf die eigene körperliche Unversehrtheit aufpassen.

Mit den Erläuterungen zu dem obigen Foto will ich Dir mal meine Sicherheitsvorkehrungen etwas erläutern:

Am Pointe du Raz entschied ich mich einen relativ steilen Abhang herunterzuklettern, um ein Foto zu machen. Wenn ich einen Hang herunterklettere, so bin ich immer sehr vorsichtig. Die Kameratasche und auch das Stativ sind gerne beim Klettern im Weg. Ich pass immer genau auf, wo sich welches Teil gerade befindet, damit ich nicht bei ruckartigen Bewegungen plötzlich weggedrückt werde.

Der Wellengang auf offener See ist meist tückisch und man sollte immer damit rechnen, dass Wellen plötzlich anders brechen, als man es erwartet. Habe ich Zeit, so beobachte ich den Wellenverlauf genau. Meistens gibt es irgendeinen Rhythmus, in dem Wellen unterschiedlicher Größe an Land schlagen. Ich versuche mich dabei an festen Felsen zu orientieren, um die Höhe der Wellen besser einschätzen zu können. Das dient nicht nur dem persönlilchen Schutz, es hilft mir auch das fotografische Potential von Wellen besser einschätzen zu können.

Da ich kein hinreichend großes Teleobjektiv hatte, entschied ich mich die Wildheit der See vor meinen Füssen einzufangen und nicht in weiter Entfernung im Dunst.

Die Luft war diesig, so dass ich einen Polfilter einsetzte. Polfilter filtern, auch in ungünstigen Lichtverhältnissen, immer noch einen Teil der Reflexionen in der Diesigkeit. Der feine Nebel besteht ja aus kleinen Wassertropfen, die von dem Sonnenlicht illuminiert werden. Fotografiert man gegen das Sonnenlicht ist der Filtereffekt nicht besonders groß, aber immer noch erkennbar.

Besonders bei Gegenwind muss man einen Umgang mit der Gischt finden. Die feinen Wassertropfen verunreinigen das Glas des Objektives bzw. des Filters. Die Reinigung des Glases kostet Zeit, deshalb schütze ich die Kamera mit einem kleinen Schirm, der einer meiner wichtigsten Ausrüstungsgegenstände ist.

pont-du-raz-02Einer meiner wichtigsten Ausrüstungsgegenstände: Ein kleiner Regenschirm, hier ausnahmsweise mal zu sehen 😉

Das Ganze sieht für Außenstehende natürlich ein bisschen komisch aus, aber es ist einfach und hilft. Natürlich muss man darauf aufpassen, dass der Schirm nicht gerade dann im Sichtfeld ist, wenn man den Auslöser drückt. 😉

Wenn sich unter mir Felsspalten oder Wasser befinden, dann bin ich beim Öffnen meiner Kameratasche bzw. beim Bewegen eines Ausrüstungsgegenstandes immer sehr vorsichtig. Wenn an solchen Orten etwas fällt, dann greift meistens Murphys Law und der Filter für 200€ ist weg.

Die Kamera auf dem Dreibein sichere ich auch ganz häufig mit dem Kameragurt ab. Den Gurt halte ich meisten mit einer Hand fest. Vorher habe ich mir natürlich einen Fluchtweg hinter meinem Rücken genau ausgeguckt. Steht die Flucht aufgrund unvorhergesehenen Wassereinfalls an, weiß ich also, wo ich hinzutreten habe.

An besonders gefährlichen Felskanten arbeite ich auch mit einer Schwimmweste, die sich selber aufbläst.

Vielleicht noch einige Worte dazu, wie ich mein Glas von der Gischt reinige. Ich nutze Brillenputztücher ohne irgendwelche Zitronensäuren. Die Säuren sollen nämlich Vergütungen angreifen. Wenn Du im Ausland bist, dann solltest Du Dir einen Vorrat aus Deutschland mitbringen. Brillenputztücher scheinen im Ausland keinen Markt zu haben. Oftmals bekommt man am Meer irgendwelche Öle entgegengespritzt. Da reinigt der Alkohol natürlich besser und schneller, als irgend ein Mikrofasertuch.

Meine Kameratasche lagere ich übrigens häufig einige Meter hinter mir. Das ist zwar unpraktisch, hat sich aber schon häufig bewährt, wenn unvorhergesehen hohe Wellen einschlagen.

Achja, meiner Frau erkläre ich meistens genau, wo ich fotografieren werde. Sollte ich mal einen Fuß verstauchen, so kann Sie mich leichter wiederfinden. Früher hatte ich auch immer noch eine Trillerpfeife dabei, damit ich in solchen Situationen leichter auf mich aufmerksam machen könnte.

Ein Großteil meiner Aufmerksamkeit gehört dann dem Beobachten des Wassers und der Wolken. Das dient nicht nur der Sicherheit, sondern auch der künstlerischen Auseinandersetzung.

Für das obige Foto habe ich eine relativ schnelle Verschlusszeit gewählt, damit die Rauheit des Atlantiks einfrieren kann.Den Polfilter hatte ich schon weiter oben erwähnt. Der Rest ist einfache Kontrastanhebung in Lightroom.

Habt Ihr noch Hinweise, wie ihr Euch vor Gefahren schützt?*

*) Wie es der Zufall so will. Dieses making of habe ich vor meiner letzten Frankreich Tour geschrieben und eine Woche später, hat das Atlantikwasser ein zweites Mal eine Kamera beschädigt.

7 Comments
  1. Hallo Olaf und Mitlesende,

    ich habe meine Kamera in den letzten beiden Jahren mit in den Alpen gehabt, u.a. zum alpinen Klettern. Da meine kleine Kameratasche normalerweise vor die Brust geschnallt wird, ist sie beim Klettern hinderlich (Schwerpunkt von der Wand weg, kann die Füße nicht sehen, also da, wo man diese platzieren will/muss) und es musste eine neue Lösung her.

    Recht praktikabel ist es die Kameratasche am Klettergurt zu befestigen. Das geht ganz gut mit einer Bandschlinge und Karabiner. Zusätzlich habe ich die Kamera mit einer zweiten Bandschlinge am Umhängeband separat befestigt. Diese Bandschlinge wiederum ist mit einem Karabiner ebenfalls am Klettergurt befestigt. Damit sollte sie nicht den 1000m Abgrund herunterstürzen… Das verhindert natürlich nicht Schäden durch etwas zu heftigen Wandkontakt.

    Da ich Rechtshänder bin, ist die Kamera auf meiner rechten Seite positioniert, ist also quasi meine rechte Hand. Die Position ist lediglich etwas hinderlich, wenn man rechts die Wand und links den Abgrund hat…

    Im Großen und Ganzen bin ich damit bisher recht zufrieden.

    Und noch einen Link zum Ausgangspunkt dieser Vorgehensweise:
    http://www.alexandrebuisse.org/writings/articles/A-guide-to-digital-mountain-climbing-photography

  2. Deinem Tip mit den Brillenputztüchern stehe ich skeptisch gegenüber, die ganzen Mikrofasertücher haben einen großen Nachteil ++ wenn man sie nicht oft wäscht, sammeln sich in den Microfasern sehr schnell die Partikel die man vorher “abgehobelt” hat ++ das ganze schmiert dann beim nächsten reinigen wieder drauf.
    Mein Tip, den ich schon seit über 20 Jahren anwende und der meinen Vergütungen auf den Linsen noch nie geschadet hat!!
    ++ Anhauchen und dann sanft mit einem Froteehandtuch oder noch besser einem möglichst oft gewaschenen Geschirrtuch säubern ++.
    Wer mal beim Bund war, hat bestimmt jede Menge von den Grauen “Rotzfahnen” rumliegen, die gehen auch wunderbar, aber wie gesagt oft waschen, umso sanfter werden sie.

    Gruß Frank

  3. @Frank:
    Gute Idee mit dem Geschirrhandtuch, was bei der Brille hilft, hilft wohl auch beim Objektiv. Werde ich mal ausprobieren.

    Gruß, Bernd

  4. @Frank: Brillenputztücher sind gut…

  5. Hi Olaf

    Schöner Artikel. Das mit dem Schirm ist eine gute Idee. Ich hätte da nur Bedenken bezgl Wind. Meist mache ich den Objektivdeckel drauf, bis ich soweit bin. Und ich nutze auch dauernd ein Brillenputztuch, weil ich auch, wie Du, gerne sehr nah am Wasser fotografiere. Und gerade bei Sturm:-)

    Ich hatte mir schon beim Fotografieren den Knöchel gebrocken, sehr heftig sogar. Der Fuß stand in die falsche Richtung und ich mußte damals mit dem Helikopter von einem Strand geholt werden. Das war eine so heftige Erfahrung, dass ich nun natürlich immer sehr, sehr vorsichtig bin an Ständen mit Felsen und Steinen. Lassen kann ich es aber nicht, weiterhin ganz vorne zu fotografieren. Ich bin jetzt nur noch vorsichtiger als vorher.
    Glücklicherweise habe ich bisher noch keine Ausrüstungsgegenstände im Meer versenkt. Aber mein Mann hat Talent dafür offene Fototaschen ungünstig zu transportieren:-) Das wird schnell teuer.

    Wir waren übrigens auch zu Ostern in der Bretagne – Irland war bezgl der Fähren recht ungünstig in den kurzen Ferien zu erreichen. Aber da kommen wir auch bald hin:-)

    Liebe Grüße

    Gabi

  6. Hallo!

    Auch ich handhabe das ganze ähnlich wie du Olaf, nur ist mir bei einen meiner letzten Fototouren bei mir hier am Eckernförder Srand das Stativ auf den nassen Steinen, auf dehnen ich mich befand so unglücklich weggerutscht das es recht fies umgekippt ist.
    Es ist dank stabilen Magnesiumgehäuse zum Glück nicht viel passiert außer ein paar Kratzer und lackabplatzungen! Es hätte auch das Objektiv zerlegen können… :-/
    Aber wie man sieht ist es echt wichtig sich zu vergewissern wo und wie sicher man steht, man selbst natürlich aber auch das Stativ samt Kamera!

    Und die Brillenputztücher entfetten echt am besten! 🙂

    Schönen Gruß aus Eckernförde

    Lasse Scheunemann

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