Tatort Internet Foren: Kommunikationstypen, auf die man gut verzichten kann

Internetforen sind eigentlich eine feine Sache. Wo viele Menschen zusammenkommen, da lässt es sich gut diskutieren, so sollte man meinen. Leider findet man in diesen Foren immer häufiger Beiträge, die keinen Spaß bereiten und in hohem Maße inhaltsarm sind. Das beträchtliche Aufkommen dieser Beiträge erschwert ein gezieltes Filtern.

Hinter solchen Beiträgen verstecken sich natürlich Menschen. Die fehlende physische Präsenz der Gesprächspartner und die Anonymität des Internets helfen diesen Menschen, ihre persönlichen Macken mal so richtig auszuleben.

Im richtigen Leben gibt man unliebsamen Menschen leichter einen Laufpass. In den vorgegebenen und eingeschränkten Kommunikationswelten eines Forums lässt sich eine Ignore- Funktion nur schwer umsetzen.

Der liebe Gott und seine bezaubernde Vielfalt: Kommunikationstypen, auf die man gut verzichten könnte:

Der Egomanen Typ

„In meinen Augen einfach Schwachsinn, warum sollte ich jede meiner Tätigkeiten ins Netz stellen? Wen interessierts?“

Der Egomane nutzt jede Möglichkeit, seine eigene Meinung und Sichtweise der Dinge zu posten, auch wenn Sie gar nicht gefragt sind. Meinungen und Sichtweisen hat er viele. Er liebt es, von sich selber zu sprechen. Seine Meinungen und Sichtweisen wirken übersteigert und nicht authentisch. Sein erklärtes Ziel ist es, sich mit den eigenen Meinungen und Sichtweisen in den Mittelpunkt zu befördern.
Der Egomane ist zunächst sehr beliebt bei Forennutzern. Mit der Zeit kehren erfahrene Forennutzer dem Egomanen aber den Rücken zu, weil sie sich als Gesprächspartner zur austauschbaren Masse degradiert fühlen. Wie gut, dass es immer wieder Neuzugänge in Foren gibt.

Der Luschen Typ

„Also, zum ersten weiß ich nicht ob ich HIER richtig bin… falls also nicht , sorry :] zum 2.en, zu meinem anliegen. … ich muss an dieser stelle noch erwähnen das ich BISHER keine große erfahrung habe, zumindest in sachen technik =(- so bin ich mir recht unsicher was ich genau beachten muss
Der Luschen Typ entschuldigt sich fortwährend für sein Unwissen, gibt sich unwichtig und unbedeutend, entwertet sich selbst. Um Ablehnung zu vermeiden, macht er das, was von ihm erwartet wird. Der Luschen Typ ist gerne Erfüllungsgehilfe und buhlt um Anerkennung, indem er sich Arbeit auflastet. Ist einmal ein gewisses Maß an Halbwissen angesammelt, so mutiert der Luschen Typ zum Haupteditor einer Wiki oder der hauseigenen FAQ.
Der Luschen Typ petzt Regelverstöße an den Pförtner Typ. Ein unerfahrener Luschen Typ stolpert gerne mal über die Suchfunktionsfalle. Erfahrene Luschen Typen erinnern dann unerfahrene Luschen Typen bei ihren ersten Fragen in einem Forum an die Suchfunktion und liefern gleich das entsprechende Suchergebnis mit. Aggro Typen erinnern unerfahrene Luschen Typen lediglich an die Suchfunktion und nutzen jede Möglichkeit, die Unerfahrenheit der Luschen Typen für ihre eigenen Bedürfnisse auszunutzen.

Der Aggro Typ

„ja, da nehm ich mir das mal raus Ist nicht fair. P.S. Ja, das sind zweierlei Messlatten. Die wurden durch diejenigen festgesetzt, die hier permanent im Hintergrund werkeln…“
„Jau, das ist zweierlei Maß. Aaaaahrg, wie schlimm. Lol, dass Freiheit hier herrscht zeigt doch alleine, dass hier alles schön zu lesen wird und von uns beantwortet wird.“
Der Aggro Typ steht über allen anderen Nutzern in einem Forum. Sich so zu erheben geht nur durch die gezielte Erniedrigung Vieler. Der Aggro Typ hat vor allen Dingen ein Auge für Fehler und Schwächen anderer Forennutzer. Diese Fehler zeigt er auf, wo er nur kann. Seine inhaltsarmen Beiträge stellen sicher, dass eigene Fehler und Schwächen kaschiert werden.
Aggro Typen treffen gerne auf andere Aggro Typen und füllen endlose Threads mit gegenseitigen Attacken. Opfer findet der Aggro Typ vor allen Dingen in Luschen Typen. Aggro Typen provozieren den eigenen Herauswurf aus einem Forum durch den Pförtner Typ.

Der Pförtner Typ

„Die Gedanken siihiind freiiii *pfeifff* Thats the rule, Wems nicht passt, dem musses nicht passen.“
Der Pförtner Typ möchte lenken und kontrollieren. Er fordert das Einhalten von Regeln ein. Aufmerksame Beobachter gewinnen den Eindruck, der Pförtner Typ habe Angst vor Kreativität, Überraschungen und Kontrollverlust. Nicht jeder Pförtner Typ ist Moderator, dafür gibt es leider zu wenige Moderatorenplätze in einem Forum. Der Pförtner Typ rechtfertigt sein Handeln mit der Qualitätssicherung von Inhalten. Das ist allerdings ein Vorwand: Inhalte sind ihm tatsächlich nicht so wichtig, wie die Einflussnahme auf Personen.
Der Pförtner genießt es, wenn er Abhängigkeiten produzieren kann. Er schlägt sich gerne mal auf die Seite eines angegriffenen Luschen Typen. In der Funktion des Moderators verschiebt er als Machtbeweis auch mal einen Beitrag in eine andere Forums- Rubrik, obwohl der Beitrag dort noch schlechter aufgehoben ist.

Und, auf welche Kommunikations Typen könnt Ihr verzichten?

17 Comments
  1. Ich gehe nicht mehr in Foren – Kommunikation ist da leider nicht mehr möglich.

  2. @Christoph :: Man kann nicht NICHT kommunizieren.

    @Olaf::
    Ich “hasse” Leute, die auf konkrete Fragen mit einer Aussage antworten, die den Fragesteller nicht weiterbringt.

    Beispiel: “Wie komme ich in Kiel nach MacoDonaldo ?” – Klare Frage!
    Antwort: “Hier in München schmeckt es beim Chinesen besser!”

    Zu Foren allgemein: 1.) Fast alle Foren degenerieren im Laufe ihres Bestehens zu einer Art Stammkneipe, in der die Stammtischbrüder jeden Neuankömmling anpupsen. “Hier stellt man sich vor … schon tausendfach gefragt … kannst Du die Suchfunktion nicht bedienen …”
    2.) Häufig gilt auch hier das Motto: “Der Klügere gibt nach.” Daher bleiben meistens die “Deppen” übrig.

    Schönes Wochenende.

  3. Der Aggro-Typ ist eng verwandt mit dem Pauschalisten, der seine eigene Meinung immer für pauschal gültig hält. Für Pauschalisten ist die Teilnahme an einem Forum manchmal kostspielig. Die Art und Weise, wie Pauschalisten ihre Beiträge formulieren, ist rechtlich betrachtet keine Meinungsäußerung sondern eine Tatsachenbehauptung. Die muss man beweisen können, sonst kann es teuer werden.

    Im Bereich Fotografie kenne ich derzeit kein Forum, wo ich das Gefühl habe, dass regelmäßiges Mitlesen lohnt. Anders sieht es bei Reisenforen aus. Im Namibia-Forum (für das gesamte südliche Afrika) kann man meines Erachtens deutlich detailreicheres und aktuelleres Wissen abgreifen, als in allen Reiseführern für das südliche Afrika zusammen.

  4. Herrlich!
    Sehr treffend zusammengefasst, ich könnte dem nix hinzufügen!

  5. Foren leben von der Kommunikation. Allerdings ist die Verständigung in vielen Kommunikationssituationen problematisch. Oftmals handelt es sich nicht um Kommunikation sondern um Kontrolldialoge. Ziel ist eigentlich, sein eigenes Wissen/Unwissen zu überprüfen bzw. ein (anonymes) Umfeld zu schaffen, auf und in dem man sich präsentieren kann. Gerade die Kontrolldialoge wie z.B. “Wer schläft noch um diese Zeit?” “Wer wünscht mir einen guten Morgen?” sind reiner Schwachsinn. Früher telefonierte man mit Bekannten und Freunden, heute möchte man die ganze Welt an seinen Befindlichkeiten teilhaben lassen. Foren werden eben – wie im echten Leben auch – von Viel-,Dumm-und “Laut”-Sprechern beherrscht. Ergo ist auch beim Forenbesuch ein hohes Maß an Toleranz und Verständnis für die menschlichen Schwächen notwendig und hilfreich :))
    Sonniges und gutes Wochenende!

  6. Wir hätten da noch den Deutschlehrer:
    “es heißt Schärfentiefe und nicht Tiefenschärfe”
    Er regt sich gern darüber auf, dass jemand etwas nicht so beschreibt, wie er das gerne hätte und predigt vehement auf die Einhaltung seiner Erwartungen.
    Er diskutiert allerdings nie die Inhalte, sondern nur die Art der Beschreibung, die verwendeten Worte.
    Stark verwandt mit dem Aggro-Typ

  7. Einauge hat da etwas Schönes gesagt zu den Stammforen…sikern. Das ist genau der Grund für mich nicht an Forenkommunikation teilzunehmen. Eigentlich schade, dass die Kommunikation vielfach so läuft.
    Schön ist es auch, wenn einem diese Menschen dann erzählen, man solle erstmal etwas über dieses Forum lernen. Sich komplett durchlesen. Und das Forum “hier” ist selbstverständlich ganz anders als alle anderen, die sich im Netz finden lassen.

  8. Ich bin immer mal wieder in Foren aktiv, vor allem gern, wenn sie gerade frisch aufmachen (zuletzt das Kwerfeldein-Forum).
    Nach einer gewissen Zeit entstehen ein paar residente Typen wie die von Olaf beschriebenen, dann lass ich das Forum sein und freu mich über die gewonnene Freizeit 🙂

    Immer mal wieder überlege ich, selber ein Forum zu machen und dort rigoros alles trollige rauszuwerfen. Also mein ganz privates Wohnzimmer.
    Das steht und fällt mit dem Moderator – Calvin Hollywood macht das in seinen nonstop-Foren, allerdings sind seine Moderatoren auch ziemliche Typen in Olafs Sinne oben, womit da der Bock der Gärtner ist.

    Ein anderes interessantes Konzept ist Crowdsourcing. Die Teilnehmer wählen selber, welche Beiträge sie gut oder doof finden, je mehr Beiträge andere gut finden, desto mehr Punkte bekommt man, desto mehr zählt die eigene Meinung. Ab einer gewissen Punktzahl darf man moderieren (sprich, man hat sich bewährt) – manchmal klappt dieses Konzept, manchmal nicht. Würde mich als Programmierer reizen, das Umzusetzen und im Einsatz zu sehen, hätte da zig interessante (und hoffentlich gute) Ideen zu (web of trust, Webseiten/Foren verbinden etc). Wenn ich mich mal langweile, setz ich das um 🙂

  9. In Fotoforen wäre da noch der Katzen und Kinderfotograf, mit der klassischen 20k Euro Canon oder Leica Ausrüstung der alles schlecht und “nein wie kann man nur sowas zeigen” findet was nicht Katzen oder Kinder beinhaltet. Eine weitere Abwahnlung des Katzen und Kinderfotografens ist der Vogelfotograf 🙂

    • @Martin: Gut erkannt… 😉
      @Sam: Gibs zu, in Dir schläft der Pförtnertyp oder ein verkannter Türsteher 😉
      @Moonika: Es kann nur ein Forum geben…
      @Guido: Das liegt sicherlich am Thema, ich lese auch sehr gerne im Norwegenforum mit.
      @Moni: Das hast Du scharfsinnig beobachtet.Solche Menschen wären sicherlich gerne Pförtner…
      @EInauge: Spannend ist auch, dass nur in diesen Strukturen kommuniziert wird. Ich kann die Foren nicht mehr zählen, in denen über meinen Fotocommunitie-kritischen Artikel diskutiert wurde.

  10. @Olaf: du hast mein Risiko gut erkannt – daher überlegte ich, ob man das in ein Punktesystem gießen kann, damit das Ding nicht alleine von mir abhängig ist 😉

  11. Hallo Olaf,
    alle von Dir beschriebenen Leute habe ich zuhauf in der Fotocommunity kennengelernt. Sowas brauche ich nicht mehr. Jetzt genieße ich auch die freie Zeit 😉

    VG Markus

  12. Hallo Olaf,

    wir haben noch die Typen vergessen, die Listen mit Kommunikationstypen aufstellen, deren Kommunikationsverhalten so verrufen ist, dass man darüber vorzüglich lästern kann.

  13. :))
    Warum liest man sich das Notwendige nicht einfach heraus und lässt die Leute weiter diskutieren? So wie ich! :)) Typ: Der ABSAHNER!

  14. Ich halte es wie Christoph (1. Kommentar) – Seit langem keine Aktivitäten mehr in Foren noch in Foto-/Communities.

    In meinen Augen ist das nur Zeitverschwendung, von den Trolls, die man dann irgendwann an den Hals bekommt, ganz zu schweigen. Fotos mache ich nur noch für mich und ggf. einen eingeschränkten Kreis und habe keinen Stress mehr mit irgendwelchen Details, die irgendwelchen dahergelaufenen Aggros oder Egomanen nicht passen könnten. Auf deren Lob und Wohlwollen kann ich gut verzichten, Anerkennung hole ich mir im wahren Leben.

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