Fotomagazine: Wegweiser für ein Artensterben?

Auf meiner Englandtour hatte ich die Möglichkeit, einige englischsprachige Fotomagazine genauer unter die Lupe zu nehmen.

Was ich da zu lesen bekam, hat mich auf niedrigem Niveau gelangweilt.

Die Magazine waren eigentlich nichts weiter, als Werbeträger. Da wurden Artikel geschrieben über Kameras, die niemanden interessieren dürften. Technikkram und Software wurden vorgestellt, die niemand benötigt.

Gefühlt 80% der Printfläche waren mit Werbung gepflastert.

Davon 40% offensichtliche Werbung in der Form von seitenlangen Produktlisten und Workshopofferten.

Die anderen 40% redaktionell überarbeitete Produktvorstellung, die auf mich eher den Eindruck von product- placement machten.

15% waren inhaltsarme, redaktionelle Artikel von offensichtlich praxisfernen Redakteuren, die alle irgendwie bessere Fotos versprachen, meistens gefüllt mit Stereotypen der Marke:

fill the frame, use rule of third for better pictures, 100 best DSLR and Phototshop Tipps, Travel photo secrets, How to shoot everything…

Die restlichen 5% waren Artikeln von Praktikern, die auf mich den Eindruck machten, dass sie bloß nicht qualitativ hochwertiger sein durften, als die redaktionellen Artikel. Einen Großteil der Praktiker kannte ich aus dem Netz und ich meine, dass sie dort bessere Artikel veröffentlicht haben. Vermutlich wurden diese Fotomagazin Artikel zu einem Dumpingpreis eingekauft oder gegen eine Werbeanzeige für einen Workshop getauscht, die man dann 20 Seiten später entdecken durfte. Vielleicht haben sich die Praktiker aber auch nicht so viel Mühe gegeben, weil sie sich schlecht entlohnt fühlten.

Auffällig fand ich auch, dass es in den Artikeln keine Hinweise auf die Webseiten der Praktiker gab. Dass viele Printmagazine gerne Filter in Richtung Informationsvielfalt des Internets einbauen, kenne ich auch aus der deutschsprachigen Printwelt. Mir hat z.B. mal die Redaktion eines deutschsprachigen Motorradmagazins die Internetadresse meiner Homepage von der Verkleidung meiner BMW retuschiert. Was soll man dazu noch sagen…?

Die Qualität der redaktionellen Artikel wird m.E. nach von Blogartikeln zahlreicher Hobbyfotografen zu einem großen Teil übertroffen. Ein gut gepflegter Feedreader dürfte also einen höheren Informations- bzw. Unterhaltungswert haben.

Vermutlich ist es in Deutschland noch schlechter um die Qualität der Magazine bestellt. Der Markt ist in Deutschland noch einmal etwas kleiner, weshalb hier noch weniger Geld für Qualität zur Verfügung stehen dürfte. Vermuten muß ich, weil ich kaum noch Zeit habe, die Magazine intensiv zu studieren. Die letzten Jahre habe ich nur in Magazine reingeschaut, wenn ich am Bahnhof auf Züge warten mußte.

Haben Printmedien ihre Probleme vielleicht selber zu verantworten und sind die Probleme vielleicht nicht nur mit Veränderungen in der Medienwelt zu erklären?

Wer benötigt heute noch redaktionell überarbeitete Magazine?

Warum kaufen Menschen solche Magazine? Weil man Laptops nicht so gut mit aufs Klo nehmen kann?

Du darfst mitreden, auch wenn Du Redakteur bist… 😉

12 Comments
  1. Naja, die Kataloge der Hersteller sind meist sogar interessanter als Fotomagazine. Mich wundert es jedenfalls nicht, dass die eingehen.

  2. Zwei Fragen bzw. Anmerkungen hätte ich …

    Was kostet so ein “Standard” Fotomagazin wie du es beschreibst in England.
    Mein Eindruck in Deutschland ist, dass man die qualitativ hochwertigeren Magazine auch durchaus am Preis erkennt. Wer ein Heft in kleiner Auflage für 2,-€ anbietet, muss sich durch Werbung und Product Placement finanzieren.
    Die deutschen Magazine zwischen 5€ und 7-8€ sind da schon eine andere Liga, auch wenn es hier sicher positive wie negative Ausnahmen gibt.

    Wenn du so lange keine Zeit mehr hattest, Fotomagazine durchzublättern, heisst das dann, dass die Bahn inzwischen pünktlich fährt? 😉

  3. Ich glaube, dass auch Fotozeitschriften mit den allgemeinen Problemen durch den Umbruch im Print-/Intermarkt zu kämpfen haben. Chancen haben heute nur noch Nischenprodukten, die Themen abseits des Mainstreams bedienen. Zudem hat man den Eindruck, das viele Beiträge mit Jahrenfrist wiederholt werden.

  4. Solche Magazine bieten meistens nur ein buntes Sammelsurium verschiedenster fotografischer Themen und versuchen es jedem Recht zu machen. Wenn man sich für Fotografie oder Technik oder beides interessiert, wird man fast immer enttäuscht. Zumindest geht es mir so. Viele Infos bekommt man einfacher und schneller aus dem Internet oder aus einem richtigen Buch. Diese allgemeinen Tipps, z.B. zur Bildgestaltung, zur richtigen Belichtung usw., ändern sich eigentlich nie und sind auch noch in ein paar Jahren interessant. Wer schaut sich da noch einen einzelnen Artikel aus einer Zeitschrift an und hebt sie so lange auf? Keiner.
    Bei aktuellen Tests zur Kameratechnik kann so eine Zeitschrift durchaus mal interessant sein. Allerdings weiß man nicht ob diese Test nicht geschönt sind, weil der Redakteur einer bestimmten Marke zugewandt ist, oder schlimmer, kleine Aufmerksamkeiten von ihr erhält. Ich hole mir solche Infos lieber aus einer breiten Palette von Quellen und da ist das Internet besser geeignet.

  5. Wenn die Zielgruppe passt kann ein Fotomagazin schon sinnvoll sein. Wer wie ich aber seit über 25 Jahre Fotozeitschrift kennt findet inzwischen oft nur Langeweile in vielen Printmedien.

    Für mich die Krönung war vor Monaten eine Anfrage einer Werbeagentur die von einer deutschen Fotozeitschrift beauftragt wurde zu einem Fotothema Texte und Bilder zu erbetteln. Honorarfrei. Und erstaunlich das es genügend Amateure gibt die sich für nichts hinsetzen und Fragebogen und Bildbeschreibungen schreiben um einmal in einer Zeitschrift zu erscheinen.
    Entsprechend pauschal sind die Berichte. Für absolute Anfänger vielleicht noch brauchbar aber am einem gewissen Grundwissen bringt solch eine über Agenturen zusammengepuzzelte Zeitschrift wenig Nutzen für den Käufer und Leser.

  6. Ich habe mich übrigens dieses Mal über die c’t Digital Foto geärgert. Ein guter Artikel zum Thema analoge Objektive. Der Rest war Müll! Ich befürchte, da sie nun 4x im Jahr erscheint, denen die guten und besonderen Themen flöten gehen.

    Prinzipiell möchte ich zu diesem Thema anmerken, dass die Qualität im Bereich Presse und Magazin auf allen medialen Ebenen sehr zu Wünschen übrig lässt. Meiner Meinung liegt es am mangelnden Mut, neue Wege zu gehen, Innovationen zuzulassen und den unerfindlichen Grund, Geld zu sparen, obwohl die Preise bei guten Auflagen sehr hoch sind. Wenn man nur noch Praktikanten und Fachfremde ranlässt, oder 0-8-15 “Profis” zu Wort kommen lässt, dann führt das dazu, dass zumindest ich keine Zeitungen und Magazine mehr kaufe.

  7. Ich bin Hobbyfotografin und schaue ganz selten mal in so ein Magazin rein. Der Grund dafür ist dann, dass ich mir neues Equipment zulegen möchte und einfach recherchiere, was es aktuell auf dem Markt gibt. Die Artikel – nicht nur in Foto-Magazinen – sind meist sehr oberflächlich. Es ist als würde man einen Teaser nach dem anderen zu lesen bekommen, nur der eigentliche Inhalt bleibt dann aus. Derartig seichte Textberieselungen kann man sich wirklich schenken. Das genügt vielleicht als Wartezimmer-Lektüre. Mehr nicht.

    Es gibt auch inhaltsreiche Kataloge. Gerade habe ich einen zum Thema “junger Fotojournalismus” zugeschickt bekommen. Wen´s interessiert, der schaue mal im Blogartikel vorbei:

    http://www.colina-foto.de/2010/07/20/2-lumix-festival-praesentiert-ergebnisse-in-einem-ausstellungskatalog/

  8. Hallo Olaf!
    Mich würde wirklich interessieren welches Magazin du in England gekauft hast. Da ich berufsmäßig fast täglich durch Fotomagazine blätter treffe ich schon im Vorfeld eine Selektion welche Magazine ich anschaue und welche nicht. Der Unterschied zwischen deutschen und englischen Fotomagazinen ist hierbei extem.

    Deutsche Magazine wie die Foto Hits (2.50 EUR) haben immer neue Produktvorstellungen und nur wenige Artikel über Foto-Praxis und Portfolios.
    Die Chip Foto Video (4.50 EUR) ist ähnlich aufgebaut wie das Technikmagazin Chip (keine Überraschung hier) und bezieht sich neben vielen Kamera und Equipment Tests auf Vergleichstabellen, ideal für den “Unentschiedenen”, der gerne nach Werten kauft. Beide Magazine haben eine vergleichsmäßig hohe Menge an Erotik und Akt Bildern – was mir manchmal zu denken gibt. Steigert warscheinlich die Verkaufszahlen…
    Englischen Magazine haben derweil wesendlich mehr Praxisberichte und Tipps, wodurch sich die Redaktion sich hauptsächlich an Hobby und Amateur fotografen wendet, um Experimentieranstöße zu geben. Digital Foto (4.99 Pfund) hat meist ein extra Booklet mit Fotografie oder Photoshop Techniken und Magazine wie Photography monthly (4 Pfund) haben bis zu 40% “How to do” Techniken und viele Neuvorstellungen mit nur ca. 30% Werbeanteil. Auf der anderen Seite hat England günstige Werbeartikel wie Photographer (2.50 Pfund) und What Digital Camera (3.99 Pfund), die sich größtenteils durch Werbung finanzieren.

    Mein Fazit: Der Berufsfotograf wird warscheinlich weniger nützliche Informationen finden, da vieles schon bekannt ist; sei es durch das Internet oder eigene Erfahrungswerte.
    Der Amateur und Hobbyfotograf kann viele dieser Informationen nutzen um sich mit neuen Techniken anzufreunden und sich über einen langen Zeitraum ein fotografie Nachschlagewerk aufbauen.

    • @Sam: Gut dass die Hersteller noch nicht auf die Idee gekommen sind, Geld zu verlangen. 
      @Dominik: Daniel schreibt da weiter oben was zu. Ich habe mir das nicht gemerkt. Ich fahre gerne Rad 😉 und manchmal Bus, gönne mir meine eigene Buslinie (T4) Wenn ich müde werde, lege ich mich auf Rock’n Roll Bett. 🙂
      @Christoph: CT ist eigentlich immer gut gewesen die letzten Jahre
      @Fabian: Welche Nischenprodukte meinst Du?
      @Josef: Testberichten traue ich eigentlich nur, wenn sie aus dem Hause Heise kommen. 
      @Bernd: Die armen Praktikanten, die da immer betteln müssen. 
      @Daniel: Danke für Deine ausgiebigen Einblicke. Genau kann ich Dir das nicht sagen, es waren glaube ich Popular Photography und digital Camera World. Die Magazine lagen bei einem befreundeten Fotografen rum und ich hatte Langeweile.  Was heißt „beruflich damit zu tun“?

  9. @Olaf: Ich arbeite für einen Fotografie Online Händler und versuche bei den schnellen Änderungen im Fotografiebereich am Ball zu bleiben, da meist nicht die Zeit ist einzelne Artikel auszutesten.

  10. Hallo Olaf!
    So ganz kann ich dir nicht folgen, denn gerade die DCW ( DigitalCamera World)
    bringt erheblich mehr Praxistips als Deutsche Magazine, gut in Punkto Werbung gebe ich dir Recht …… es häuft sich. 😉
    Mein Tip, gerade für dich als Landschaftsfotograf : Outdoor Photography nicht zu verwechseln mit der amerik. Outdoor Photographer!
    In der O.P. sind in jedem Heft fundierte Tips für gute Locations inkl. Topokarte usw.
    Sowas fällt in Deutschland unter strengste Geheimhaltung, da hier kaum ein Profi seine Standorte weitergibt. 😉
    Dort werden auch Ausrüstungsgegenstände rund ums Fotografieren gestestet z. B. Kleidung ( die ja auch zum gelingen eines guten Fotos beiträgt ….. “frierender Fotograf” ) GPS usw.
    Bei alle dem darf man aber nicht vergessen das die Magazine in erster Linie den Amateur und oder Semiprofi ansprechen, nichts destotrotz sind auch immer wieder gute Tips für Profis drin.

    Gruß Frank

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