Ein kleiner Kommunikationsratgeber: Die rhetorische Frage!

Lieber Serkan B.,

vielen Dank für die Zusendung Ihres Angebotes per Email.

Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass Sie mir 5 mal die gleiche Mail zugeschickt haben. Das kann ja mal passieren bei der Neukundenakquise. Ihre aufrichtigen und ernst gemeinten Bemühungen kann ich ja an den Hunderten von Emailadressen im CC Ihrer Mail ablesen.

“Anfrage für handgemachte Fotoalben (..)
wir wollen uns mit dem Verkauf von Panaoramaalben selbstständig machen. Hierfür benötigen wir Abnehmer, die Alben bei uns in Auftrag von Kunden bestellen. (…) Unsere Dienstleistung besteht darin, dass Sie uns die Bilder Ihrer Kunde (Datenschutzbestimmung eingehalten) übersenden und wir anschließen ein Album mit verschiedenen Formaten erstellen.”

Bitte entschuldigen Sie, dass ich Sie aufgefordert habe, mir nicht mehr so viele Angebote zu schicken. Ihre Antwort kam ebenso spontan, wie ehrlich, so dass es mir jetzt aufrichtig leid tut, derartige Forderungen gestellt zu haben:

“ein schlecht tag gehabt oder was?”

Bis zu dem Augenblick, wo ich 5 mal Delete drücken mußte, war eigentlich alles in Ordnung mit dem Tag! Vielleicht lasse ich mich von solchen Unannehmlichkeiten auch zu sehr verleiten, ihre seriösen, geschäftlichen Absichten falsch zu bewerten.

Ich bin mir sicher, dass man mit Ihnen seriöse Geschäfte tätigen kann!

„wollen sie mir beibringen wie man geschäfte macht?”

An dieser Stelle vielleicht noch einige kommunikative Anmerkungen:

Sie versuchen, so ist mir aufgefallen, ausgesprochen gekonnt das Stilmittel der rhetorischen Fragestellung zu verwenden. Als sprachliches Mittel der Beeinflussung können Sie Ihren Fragesätzen stilistisch und authentisch Nachdruck verleiten, indem Sie folgenden Fragesatz anhängen:

“Weißt Du?”

Sollte ich nun belehrend rüberkommen, bitte ich das zu entschuldigen, in keiner Weise beabsichtige ich, Ihre Ehre als Geschäftsmann kränken zu wollen.

“fallst noch interese bei panorama fotoalbum können sie sich
ja zurückmelden, es könnte sein das das ihr Gewinn in die höhe steigt!!!!“

Auch wenn Ihre Argumente sehr verlockend klingen:

Nein, ich möchte nicht!

Alles Gute wünsche ich Sie auch weiterhin bei Ihren Bemühungen, Fotoalben zu vertreiben. Ich bin mir sicher, ihre geschäftlichen Bemühungen sind von Erfolg gekrönt!

Ihr ergebener potentieller Abnehmer

Olaf Bathke

14 Comments
  1. … hehe…
    Twitter ist typisch für die Generation ADS & SMS. Für einen Brief zu faul, für einen kompletten Satz zu dumm und für korrekte Grammatik zu cool.

    Ich verteile Lesebrillen, Interpunktionen, Fliegenlarven, …

  2. Lieber Hauke, aber was hat dieser Artikel mit Twitter zu tun? (o.O)?

  3. wtf?!?!

    Jetzt gibt es also schon persönliche Spam mit Antwortoption … cool!

  4. Ich habe heute auch einen besonders dilettantischen Spammer (Spam ging an private Mailadresse) darauf hingewiesen, das er laut Gesetz verpflichtet ist, mir Auskunft zu erteilen, woher er meine E-Mail-Adresse hat. Antwort:

    ============================
    Welch engstirniger, präpotenter Wicht müssen Sie sein
    […]
    Wie Sie auf unsere Liste gekommen sind, ist für uns zur Zeit nicht
    nachvollziehbar, Ihre Daten haben wir aus der Liste streichen
    lassen, wir fordern Sie auf, auch unsere Daten sofort zu löschen ansonsten
    werden unserer Rechtsabteilung den Auftrag erteilen, gegen Sie
    vorzugehen.
    ============================

    Nachdem sich meine schlotternden Knie wieder etwas beruhigt hatten, juckte es dann etwas, angesichts der rechtlich eindeutigen Situation mal die betreuende Kanzlei loszulassen. Aber letztlich hat man dann auch nur zusätzlichen Aufwand, ohne das die Welt ein Stück besser wird 🙂

    • @Guido: Den ersten Satz mit “präpotent” haben die wirklich geschrieben? Das ist ja fast schon Beleidigung. Wo steht es, dass die einem nennen müssen, wie man in den Verteiler gekommen ist?

  5. … geil! Na das ist doch mal Spam, wo es sich lohnt zu antworten. Ich finde das sehr unterhaltsam. Ich bekomme leider immer nur Offerten zu blauen Pillen, Laidai (?) und lustigen Parkplatz-Treffs.

  6. x-D Krasser Artikel Alter, weisst Du?! Hab gut gelacht 🙂

  7. @Olaf:

    Ja, präpotenter Wicht stand da wirklich. Ich fand das auch… ähmmm… originell. Noch besser fand ich aber, dass ich als Privatperson nun seine (im Gegensatz zu meiner privaten E-Mailadressse) öffentlich verfügbaren Geschäftdaten löschen soll, sonst hetzt er seine nicht vorhandene Rechtsabteilung.

    Auskunftsrecht inkl. Herkunft der Daten ist im Bundesdatenschutzgesetz festgeschrieben:
    §34 Absatz 1 Ziffer 1:

    “Die verantwortliche Stelle hat dem Betroffenen auf Verlangen Auskunft zu erteilen über
    1. die zu seiner Person gespeicherten Daten, auch soweit sie sich auf die Herkunft dieser Daten beziehen”

    Das Auskunftsrecht für die Herkunft der Daten hat man ganz bewusst festgeschrieben,

    • @guido: Danje da mache ich mir gleich mal eine Vorlage.

  8. Es gibt da schon diverse Vorlagen. Bei einigen Vorlagen wird aber fälschlicherweise auf das Auskunftsrecht in §19 verwiesen. §19 bezieht sich aber auf öffentliche Stellen und greift somit nicht. In §34 ist das Auskunftsrecht gegenüber Privaten/Gewerblichen definiert.

    Beispiel:
    http://www.schnappmatik.de/TFFFFF/tfffff.txt

  9. @guido

    Hmm vielleicht mal checken ob das evtl. auch Nötigung ist? Also ich meine vom Spammer …

  10. Immer wieder spannend, ärgerlich aber mithin auch komisch.

    Aber fast unglaublich finde ich, dass sich dieser Spam-Mist für den ein oder anderen tatsächlich noch zu lohnen scheint.

  11. Schade, ich würde auch gerne mal lachen. Ich bekomme nur Angebote über neue Cocktailsessel, Koffersets und Fahnenstangen… 🙂

    Vielen Dank an Christoph für den Hinweis mit der Auskunftspflicht!

    VG Markus

Leave a Reply

Blog Kategorien

Kiel Coworking Space:

Mit folgenden Partnern in Kiel arbeite ich gerne zusammen: