Die Entwicklungen in der Medienwelt verlangen von Fotografen ein Umdenken

Printmedien haben immer weniger Geld, Ihre Informationen einzukaufen. Dies führt zu massiven Geldeinbußen bei Fotografen, die in diesen alten Strukturen arbeiten.

Immer mehr Fotografen bekommen Probleme, ihren Lebensunterhalt zu finanzieren und müssen sich etwas einfallen lassen.

Die Medienwelt verlagert sich immer mehr ins Digitale und damit einher gehen neue Geschäftsmodelle.

Die ganzen Entwicklungen sind noch im Werden und wo wir in vier Jahren stehen, dass ist nicht wirklich vorhersehbar.

Zum einen birgt das Netz die Gefahr, als Individuum immer unbedeutender zu werden, zum anderen sind Veränderungen auch immer Chancen für jeden Einzelnen.

Zwar ist es in Deutschland immer noch schwer, vom Bloggen wirklich zu leben, jedoch zeigen Beispiele weltweit, dass eine Selbstvermarktung durchaus lukrativ sein kann.

Da ich weiß, dass hier auch einige Berufskollegen mitlesen, wollte ich mal einige Punkte zur Diskussion stellen, die helfen können, auch in der Zukunft seinen Lebensunterhalt aus der Fotografie zu generieren:

Qualität oder Quantität

Die Märkte werden immer überschaubarer und die Kunden suchen sich immer gezielter die Qualität an, die sie einkaufen. Wer bis vor kurzem noch Dank eines bequemen Kunden sichere Aufträge erhalten hat, wird sich auf Dauer darauf nicht verlassen können. Die Gewinne, die sich durch Preisdumping und überschaubare, sich bewegende Märkte abschöpfen lassen, führen dazu, dass Kunden nicht nur Qualität sondern auch Preise miteinander vergleichen. Heute kann man eigentlich nur noch hinreichend Geld verdienen, wenn man sich mit Qualität deutlich abhebt oder gnadenlos seinen Produktionsaufwand optimiert und auf Masse macht. Wenn Du im fotografischen Service nicht etwas Besonderes anzubieten hast oder z.B. in der Stockfotografie Produktionsabläufe effektiver gestaltest, dann siehst Du früher oder später alt aus.

Vielseitigkeit der eigenen fotografischen Arbeit

Sich vielseitig auszurichten hilft vor allen Dingen dabei, Sicherheit zu haben. Die Märkte sind ordentlich in Bewegung, wer dabei nur auf eine Marktnische setzt, wird es sich vielleicht bald in dieser Marktnische mit anderen kuschelig machen müssen. Es ist schwierig den Sprung in neue Nischen zu schaffen, gerade wenn aufgrund des Massenkuschelns nicht mehr genug Luft zum Atmen vorhanden ist. Wichtig ist allerdings, dass man dabei authentisch bleibt, dass sich die Vielseitigkeit irgndwie ergänzt. Wer Fetischfotos macht, wird wohl kaum Portraitarbeiten an Banken verkaufen können.

Den richtigen Riecher für Neuerungen haben

Da sich Veränderungen rasant ergeben, ist es heute wichtiger denn je, den Markt zu beobachten, um auf Veränderungen frühzeitig reagieren zu können. Wer heute noch versucht eine Fotocummunitie nach gängigen Vorbildern zu begründen, der wird es schwer haben. Wer heute versucht eine Fotoschule aufzumachen, der benötigt viel Kapital, um sich am Markt zu behaupten. Wer heute meint, die Welt benötige ein weiteres HDR Lehrbuch, der wird sich wahrscheinlich wundern.

Planvolle Vernetzung

Mit “Planvoller Vernetzung” meine ich nicht planlosen Social Media Aktivismus. Planvolle Vernetzung geht weiter. Für eine effektive Vernetzung muss man für sich erst einmal klar haben, welches Netzwerk und welche Art von Netzwerk einem welchen Nutzen bringen kann. Vernetzung ist heute fast noch wichtiger, als Werbung zu schalten. Dabei hilft es manchmal eigene Netzwerke zu gründen und diese öffentlich zu machen. Schaut Euch mal dieses tolle Netzwerk von Roland und Ondro an.

Über den Tellerrand schauen

Es hilft ungemein, wenn man neben Fotografie auch noch andere Dinge oder Dienste verkauft. Wer über seine Arbeit bloggt, kann sich evtl. durch Werbung ein Zubrot erwerben. Wer nicht nur fotografiert, sondern auch gleich mit schreibt, kann helfen, Kosten einzusparen. Wer Hochzeitsfotos anbietet, der kann vielleicht gleich einen Kameramann vermitteln. Es soll sogar Hochzeitsfotografen geben, die Euros dafür verlangen, dass Ihnen jemand über die Schultern schauen kann… 😉 Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, wenn man auch mal mutig über den eigenen Tellerrand schaut. Das was zählt ist, was funktioniert.

Das waren mal ein paar Gedanken. Nun bin ich gespannt über die Diskussion in den Kommentaren. Ich bin sehr neugierig auf die Äußerungen, natürlich nicht nur von den Profis.

4 Comments
  1. Dem ist an sich nichts hinzuzufügen. Mit der Vernetzung ist das aber so eine Sache. Gerade bei uns auf der Ecke habe ich nicht den Eindruck, dass eine Vernetzung gewünscht wird. Da kocht lieber jeder Kollege seine eigene Suppe. Dabei sehe ich einfach Vorteile. Es gibt immer Bereich, die man selbst nicht so gut abdecken kann. Anstatt dann den Kunden mit 80Prozent-Ware zu versorgen macht es im Interesse des Kunden Sinn, ihn an einen Kollegen zu verweisen. Das merkt der Kunde sich und kommt auch wieder. Er hat dann von mir zwar keine Fotos bekommen, aber eine gute Beratung oder Empfehlung.

    Ich habe das Thema mit einer Ausnahme abgehakt.

  2. Ich finde den Punkte Vernetzung und Vielseitigkeit sehr wichtig. Es müssen ja nicht immer gleich Onlinenetzwerke sein. Man sollte ruhig mal schauen wer in der “Nachbarschaft” so wohnt und arbeitet, oft kann man sich gegenseitig vermitteln oder sogar zusammenarbeiten.

    Vielseitigkeit finde ich auch sehr wichtig, man sollte aber auch nicht gleich den gesamten Markt bedien wollen, sondern sich auf einige fotografische Genres beschränken. Im Idealfall sollten diese sich gegenseitig befruchten.

  3. Alexander Graf hat mal einen interessanten Beitrag über den beschleunigten Wettbewerb dank Internet geschrieben:

    http://www.kassenzone.de/2009/05/24/das-transparenzdilemma-bzw-der-beschleunigte-wettbewerb/

    Ich seh in letzter Zeit oft auch in kommerziellen Medien Fotos, die entweder aus freien Quellen oder von sehr günstigen Anbietern kommen. Photocase zum Beispiel hat ja viele sehr gute Fotos, die als Symbolfoto taugen. Aktuelle Fotos könnten vielleicht interessant sein. Aber dann muss man ständig auf Abruf sein.

    Werbung im Blog ist blöd. Da ist man dannn nicht mehr Freiberufler sondern Gewerbetreibender.

    Ich lese gerade ein wenig zu Genossenschaften. Und ich frage mich, ob man nicht auch mit Freiberuflern aus verschiedenen Branchen eine Genossenschaft gründen könnte. Man wäre immer noch Selbstbestimmt, aber in ein solidarisches Netzwerk eingebunden.

  4. Selbstständigen- / Professionsgenossenschaften: http://www.jariva.de/images/presse/2007_12_contraste.pdf

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