Archiv für die Kategorie „Essays“

Olaf Bathke, Fotograf aus Kiel, ist spezialisiert auf die Bereiche Landschafts- und Portraitfotografie. In diesem Blog berichtet er über die Fotografie, die Entstehung von Landschaftsfotos, seine Arbeit als Fotograf in Hamburg bzw. als Hochzeitsfotograf in Hamburg bzw. Kiel und was ihn sonst noch so bewegt.

Markename, Künstlername, Name! Wie gehst Du als Fotograf durch die weite Welt?

Mittwoch, 10. März 2010

Die Umfrage vom 26.2. fand ich interessant.

Über 50% treten mit ihrem realen Namen in Erscheinung.

So in etwa habe ich das Ergebnis auch erwartet.

Im Zuge der Anmeldung eines Markennamens, mache ich mir gerade Gedanken, wie man begrifflich bzw. namentlich als Fotograf im Internet oder im realen Leben in Erscheinung treten kann.

Du kennst mich unter meinem tatsächlichen Namen. Mit Olaf Bathke werde ich angesprochen oder auch weiterempfohlen. In meinen Internetanfängen hatte ich mir einige Gedanken gemacht, wie ich im World Wide Web in Erscheinung treten wollte. Da gab es mal kurz den Impuls, unter einem Künstlernamen zu publizieren. Mit der Entscheidung, unter meinem tatsächlichen Namen zu publizieren, bin ich bis heute zufrieden.

Die Bedeutung von den Begrifflichkeiten Markennamen, Künstlername oder Name für einen Fotografen ist vielschichtig. Die Begrifflichkeiten sind vor allen Dingen dynamisch. So kann es schnell passieren, dass ein Künstlername Markennamencharakter bekommt oder ein Name Markename wird. Meine Gedanken gehen in diesem Artikel vor allen Dingen in die Richtung der Zuschreibung von Emotionen, Eigenschaften oder Qualitäten, aber auch einer persönlichen Weiterentwicklung unter dem Gesichtspunkt dieser Begrifflichkeiten. Solche Begrifflichkeiten sind aber auch wichtig, wenn man zu möglichen Kunden Beziehung herstellen möchte. Zudem helfen Sie, Produkte und Dienstleistungen zu unterscheiden.

Nähern wir uns diesem Thema mal ein bisschen praktischer: (weiterlesen…)

Automatisierungen und das ideale, fotografische Motiv!

Dienstag, 26. Januar 2010

Den Vorgang der Produktankündigung einer Kamera mit Lächelerkennung haben wir bereits vor ein paar Monaten mit einem Schmunzeln im Gesicht adakta gelegt.

Wer glaubt, dass den Kamera- bzw. Softwareherstellern angesicht der Lächerlichkeit dieser Entwicklung das Siegerlachen im Halse steckenblieb, der irrt gewaltig.

Diese Kamerafunktion war lediglich der Anfang einer Entwicklung, der wir uns in den nächsten Jahren ausgesetzt sehen werden. (weiterlesen…)

Fotografie von berühmten Plätzen: Alles eine Frage der Brennweite oder der richtige Umgang mit Fotoopfern

Montag, 18. Januar 2010

017-islandSvartifoss

Auf meiner Islandtour hatte ich auf den kilometerlangen Fahrten viel Zeit, über die wirklich wichtigen Dinge des Fotografenlebens nachzudenken. So habe ich mich zum Beispiel gefragt, wie ich zu fotografischen Objekten stehe, die von fast jedem Touristen bzw. Fotografen angesteuert und abgelichtet werden. Gemeint sind eben solche Objekte, wie der Geysir in Island oder der Geirangerfjord in Norwegen.

Froh ist der Fotograf mit dem größten Weitwinkel oder mit der längsten Brennweite. Jetzt nicht im freudschen Sinne, also, wer den Dicksten oder Längsten hat. (weiterlesen…)

Die „Point and Click Technik“ oder „Oh, da ist ein….!“

Donnerstag, 18. Juni 2009

fotos-von-eichhoernchen

Fotos von Eichhörnchen

Die Wortschöpfung stammt von mir:

Point and Click- Technik

Sie beschreibt ein bestimmtes fotografisches Vorgehen.

Das Prinzip der „Point and Click- Technik“ ist einfach. Der Fotograf zeigt begeistert mit seinem Zeigefinger auf das Objekt seiner Begierde, zielt mit der Kamera und drückt ab.

Wertfrei betrachtet handelt es sich bei der „Point and Click- Technik“ um ein simples fotografisches Vorgehen.

Auch ich gehe manchmal so vor. Schaut euch mal das Foto von dem Eichhörnchen oben an.

Die meisten werden bei der Betrachtung dieses Fotos sagen:

„Oh, ein Eichhörnchen!“

Der eine oder andere würde vielleicht ausführlicher empfinden:

„Oh, das ist aber ein niedliches Eichhörnchen!“

Die wenigsten Betrachter werden wohl philosophisch urteilen:

„Oh, da sehe ich das personifizierte Gute! Es kann keinem Wesen etwas zu Leide tun!“

Oder vielleicht gesellschaftskritisch:

„Oh, ich sehe einen Kulturfolger, der sich nicht mehr angemessen in der Natur mit Nahrung versorgen kann und sich leider in einem Tierpark durchfüttern muss!“

Die beiden letzten Urteile werden vor allen Dingen deshalb keine Chance haben, weil ich bei dem Machen dieses Fotos auch nur gedacht habe:

„Oh, da ist ein Eichhörnchen!“

Genau so ein Foto wollte ich für meinen Sohn machen, als wir das erste Mal im Tierpark Hagenbeck waren. Mein Sohn bekam dieses Foto in sein Fotoalbum gesteckt und dort erfüllt es bis heute seinen Zweck. Ich kann es meinem Sohn zeigen und ihm erklären:

„Das ist ein Eichhörnchen!“

So ein Vorgehen hat eine Daseinberechtigung, wenn das Ergebnis entsprechend beabsichtigt ist. Die Ergebnisse solches fotografischen Vorgehens treffen wir überall: In der dokumentarischen Fotografie, in der Pressefotografie und auch in der modernen Stockfotografie. (Oh, da ist eine freundliche Frau! Oh, da wird Sport gemacht! Oh, da geht jemand ans Telefon!)

Überall dort, wo einfache Botschaften vermittelt werden sollen, kann die „Point and Click- Technik“ den Fotografen glücklich machen.

Problematisch ist dieses Vorgehen nur dann, wenn man eigentlich ein anderes Ergebnis erwartet. Ein Foto, dass mit der „Point and Click- Technik“ erstellt wurde, wird kaum eine Chance haben, gehaltvoll interpretiert zu werden.

Verdeutlichen möchte ich das mal an einem anderen Beispiel:

Ich laufe irgendwo in Indien durch eine Häusergasse und mir läuft eine Kuh über den Weg. Mein Foto von dieser Kuh wird höchstwahrscheinlich abwechselnd gestaltet sein, wenn ich in unterschiedlicher Art und Weise über diese Kuh denke bzw. etwas in ihr sehe.

Ich könnte sagen:

„Oh, eine Kuh!“

Ich könnte aber auch sagen:

„Oh, ein heiliger Gott erscheint mir in Form einer Kuh!“

Als reflektierter Fotograf würde ich mein Foto sicherlich versuchen entsprechend meiner Gedanken und meiner Empfindungen zu gestalten.

Oder noch ein – vielleicht lebensnaheres – Beispiel:

Wenn ich vor habe, einen Sonnenuntergang zu fotografieren, dann wird mein Foto höchstwahrscheinlich nicht viel mehr Aussage haben als:

„Oh, das ist aber ein schöner Sonnenuntergang!“

Natürlich sind Sonnenuntergangfotos toll und vom Lebenspartner wertgeschätztes Geburtstagsgeschenk.

Wünsche ich aber ein Foto mit einer umfassenderen Botschaft, so komme ich Wohl oder Übel nicht umhin, etwas ausführlicher an einem fotografischen Objekt zu arbeiten. Ich muss versuchen, etwas in diesem Objekt zu erkennen. Und wenn ich dieses Etwas darin erkannt habe – und nur dann – habe ich auch die Chance dieses Foto entsprechend zu gestalten.

Erwartet also von einem in der „Point and Click- Technik“ aufgenommenen Foto nicht, dass es in der Fotocommunity eures Vertrauens bedeutungsschwangere Kommentare generiert. Hochtrabende Kommentare zu meinem obigen Eichhörnchenfoto würde ich niemals dem Erfolg meines fotografischen Vorgehens zuschreiben. Vielmehr würde ich Einschleimversuche unterstellen oder eine beginnende Psychose diagnostizieren.

Euer fotografisches Vorgehen, euer Denken und Handeln bestimmen also maßgeblich das fotografische Ergebnis. Wendet die „Point and Click- Technik“ an, wenn ihr entsprechende Bilder wünscht. Erwartet dann aber nicht, dass die Betrachter darin etwas Besonderes erkennen.

Bildbearbeitung kann diese Arbeit an einem fotografischen Objekt kaum ersetzen. Einem Foto, dass mit der „Point and Click- Technik“ erstellt wurde, kann man nachträglich kaum noch dieses gewisse Etwas hinein shoppen. (shoppen = mit Photoshop bearbeitet)

Eichhörnchenfotos gibt es viele und für Euch wird dieses Foto keine weitere Bedeutung haben, außer in dem Zusammenhang mit diesem Artikel.

Schon in 5 Minuten werdet ihr es vergessen haben.

Anders wird es bei meinem Sohn sein. Der wird sicherlich noch in einiger Zeit bei dem Anblick des Fotos sagen:

„Da!!! Papa!!!“

13 Gründe, warum Makrostock Agenturen nicht aussterben

Freitag, 17. April 2009

Robert Kneschke, deutschsprachige Leitfigur in der Stockfotografie und Autor eines Blogs, wie ich ihn mag, hat eine interessante Auflistung veröffentlicht, warum Makroagenturen wohl nicht aussterben werden.

Ein wirklich interessanter Artikel, den ich um einen Aspekt ergänzen möchte. (Vielleicht lest ihr kurz den Artikel von Robert, um meinen folgenden Ausführungen besser folgen zu können.)

Nicht nur in dem Artikel von Robert Kneschke fällt auf, dass sich alle Definitionen und alle Diskussionen zum Thema Stockfotografie einseitig an dem Aspekt „Kunde kauft Foto“ orientieren und der Aspekt „Fotograf verkauft seine Bilder“ sich dem erstgenannten Aspekt unterzuordnen hat.

Tatsächlich leben wir in einer Marktwirtschaft, wo sich Angebot und Nachfrage gegenseitig bedingen sollten.

Ein bisschen gewerkschaftliches Denken könnte uns Fotografen zudem nicht schaden. Vielleicht kennt ihr ja die Verdrehung der Begriffe Arbeitgeber und Arbeitnehmer: Arbeitgeber kann auch derjenige sein, der seine Arbeitskraft gibt und Arbeitnehmer der, der die Arbeitskraft nimmt.

Für den Bildkäufer haben die Begrifflichkeiten Makrostock- oder Mikrostockagentur wesentliche Unterscheidungsmerkmale. Sie geben dem Bildkäufer maßgebliche Orientierung, unter welchen Bedingungen sie ihre Einkäufe tätigen können.

Für den Fotografen ist eine Agentur zunächst einmal eine Möglichkeit, mit seinen Fotos Geld zu verdienen. Es wäre klug, sich eine Bildagentur zu suchen, die einen möglichst hohen Profit einspielen könnte. Orientiere sich die öffentliche Diskussion an der Bedürfnislage des Fotografen, so würden Bildagenturen eher nach ihren Profitmöglichkeit kategorisiert. Stockfotoagenturen hießen dann vielleicht Lowprofit Agentur oder Maximumprofit Agentur.

Natürlich hilft eine Verdrehung von Sprache nicht, gesellschaftliche Entwicklungen zu verändern. Sprache kann aber nachhaltig das persönliche Handeln beeinflussen und eine Atmosphäre von Solidarität und Bewusstsein schaffen.

Und diesbezüglich sehe ich einen der spannendsten Punkte, warum es den Fotografen, die von einem Zwischenhandel durch Ditte leben, in den letzten Jahren zusehend schlechter geht.

Bedingt durch eine Monopolisierung der Bildverkäufe haben die Fotografen die Kontrollmacht in Bezug auf die Angebotssteuerung verloren. Dies hat vor allen Dingen damit zu tun, dass sie sich selbst aus den Augen verloren und in der Individualisierung an Selbstbewusstsein verloren haben. Manchmal muss man auch einfach mal Nein sagen. Mit einer vielschichtigeren Diskussion will ich Euch aber jetzt nicht langweilen.

Stattdessen möchte ich die Auflistung von Robert grundlegend verdrehen und ergänzen! (Spätestens jetzt solltet ihr den Artikel von Robert gelesen haben!)

Fotografen haben einen guten Grund, auf einen Vertrieb durch Makrostock Agenturen zu setzen und mit einer Belieferung dieser Agenturen dafür zu sorgen, dass diese Agenturen auch in Zukunft noch Fotos verkaufen werden:

  1. Fotografen sind in Makroagenturen nämlich meistens Nutznießer von Service und Beratung.
  2. Ich habe Themen und Bildmaterialien, die sich gut über Makroagenturen verkaufen lassen. Meine Erlöse in Makroagenturen sind höher, als in anderen Agenturen.
  3. Ich möchte mir als Fotograf einen Namen machen und nicht in der Anonymität der Stockmärkte untergehen. Meinen Namen lasse ich mir auch gerne bezahlen. Mein Name soll bei den Veröffentlichungen mit auftauchen.
  4. Ich habe eine Bildsprache, die kreativ und individuell ist und sich nicht an den Verkaufshitparaden der Mikroagenturen orientiert. Kreativität und Individualität lassen sich schwer Verschlagworten, sie gehen mit Größe eines Fotostocks unter.
  5. Ich setze auf das Know How und die erforderlichen Verbindungen einer Makroagentur. Makroagenturen nutzen auch die Möglichkeit,  Bildankäufer Fotos gezielt anzubieten.
  6. Ich schätze den Einfluss, den fotografische Interessenvertretungen auf kleiner Vermarktungsmaschinen haben. Meine Agentur wirbt zum Beispiel damit, dass sie von freelens empfohlen wird.
  7. Ich bevorzuge eine angenehme Gesprächskultur und möchte nicht nur ein Rädchen in einem unübersichtlichen Getriebe sein.
  8. Meine Bildagentur verkauft meine Arbeiten optimal: Eine kompetente Makroagentur sorgt schon dafür, dass ein bestimmter Bildbestand den besten Preis erzielt.
  9. Ich denke nachhaltig und zukunftsorientiert und möchte mich nicht im globalen Wettbewerb zermahlen lassen. Der Optimierungswahn in der Bildproduktion hat Grenzen.
  10. Ich möchte auf Dauer nicht in den Bilderfluten untergehen, die wie unkontrollierbare Krebsgeschwüre anwachsen.
  11. Ich denke in und produziere Bildstrecken. Mikrostock ist durch seine einseitige, plakative, triviale Bildsprache eher für den Verkauf von einzelnen Fotos geeignet.
  12. Es wünsche ein persönliches Band zwischen mir und dem Endkunden. So kommt es vor, dass Zeitschriften über Makroagenturen durchaus auch Aufträge vergeben.
  13. Und eine entscheidende Frage ist: Was sind mir meine Arbeiten wert!

Diese Auflistung beinhaltet natürlich keine verlässliche Aussage darüber, ob Makroagenturen aussterben werden, oder nicht. ;-)



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