Die „Point and Click Technik“ oder „Oh, da ist ein….!“

Fotos von Eichhörnchen

Die Wortschöpfung stammt von mir:

Point and Click- Technik

Sie beschreibt ein bestimmtes fotografisches Vorgehen.

Das Prinzip der „Point and Click- Technik“ ist einfach. Der Fotograf zeigt begeistert mit seinem Zeigefinger auf das Objekt seiner Begierde, zielt mit der Kamera und drückt ab.

Wertfrei betrachtet handelt es sich bei der „Point and Click- Technik“ um ein simples fotografisches Vorgehen.

Auch ich gehe manchmal so vor. Schaut euch mal das Foto von dem Eichhörnchen oben an.

Die meisten werden bei der Betrachtung dieses Fotos sagen:

„Oh, ein Eichhörnchen!“

Der eine oder andere würde vielleicht ausführlicher empfinden:

„Oh, das ist aber ein niedliches Eichhörnchen!“

Die wenigsten Betrachter werden wohl philosophisch urteilen:

„Oh, da sehe ich das personifizierte Gute! Es kann keinem Wesen etwas zu Leide tun!“

Oder vielleicht gesellschaftskritisch:

„Oh, ich sehe einen Kulturfolger, der sich nicht mehr angemessen in der Natur mit Nahrung versorgen kann und sich leider in einem Tierpark durchfüttern muss!“

Die beiden letzten Urteile werden vor allen Dingen deshalb keine Chance haben, weil ich bei dem Machen dieses Fotos auch nur gedacht habe:

„Oh, da ist ein Eichhörnchen!“

Genau so ein Foto wollte ich für meinen Sohn machen, als wir das erste Mal im Tierpark Hagenbeck waren. Mein Sohn bekam dieses Foto in sein Fotoalbum gesteckt und dort erfüllt es bis heute seinen Zweck. Ich kann es meinem Sohn zeigen und ihm erklären:

„Das ist ein Eichhörnchen!“

So ein Vorgehen hat eine Daseinberechtigung, wenn das Ergebnis entsprechend beabsichtigt ist. Die Ergebnisse solches fotografischen Vorgehens treffen wir überall: In der dokumentarischen Fotografie, in der Pressefotografie und auch in der modernen Stockfotografie. (Oh, da ist eine freundliche Frau! Oh, da wird Sport gemacht! Oh, da geht jemand ans Telefon!)

Überall dort, wo einfache Botschaften vermittelt werden sollen, kann die „Point and Click- Technik“ den Fotografen glücklich machen.

Problematisch ist dieses Vorgehen nur dann, wenn man eigentlich ein anderes Ergebnis erwartet. Ein Foto, dass mit der „Point and Click- Technik“ erstellt wurde, wird kaum eine Chance haben, gehaltvoll interpretiert zu werden.

Verdeutlichen möchte ich das mal an einem anderen Beispiel:

Ich laufe irgendwo in Indien durch eine Häusergasse und mir läuft eine Kuh über den Weg. Mein Foto von dieser Kuh wird höchstwahrscheinlich abwechselnd gestaltet sein, wenn ich in unterschiedlicher Art und Weise über diese Kuh denke bzw. etwas in ihr sehe.

Ich könnte sagen:

„Oh, eine Kuh!“

Ich könnte aber auch sagen:

„Oh, ein heiliger Gott erscheint mir in Form einer Kuh!“

Als reflektierter Fotograf würde ich mein Foto sicherlich versuchen entsprechend meiner Gedanken und meiner Empfindungen zu gestalten.

Oder noch ein – vielleicht lebensnaheres – Beispiel:

Wenn ich vor habe, einen Sonnenuntergang zu fotografieren, dann wird mein Foto höchstwahrscheinlich nicht viel mehr Aussage haben als:

„Oh, das ist aber ein schöner Sonnenuntergang!“

Natürlich sind Sonnenuntergangfotos toll und vom Lebenspartner wertgeschätztes Geburtstagsgeschenk.

Wünsche ich aber ein Foto mit einer umfassenderen Botschaft, so komme ich Wohl oder Übel nicht umhin, etwas ausführlicher an einem fotografischen Objekt zu arbeiten. Ich muss versuchen, etwas in diesem Objekt zu erkennen. Und wenn ich dieses Etwas darin erkannt habe – und nur dann – habe ich auch die Chance dieses Foto entsprechend zu gestalten.

Erwartet also von einem in der „Point and Click- Technik“ aufgenommenen Foto nicht, dass es in der Fotocommunity eures Vertrauens bedeutungsschwangere Kommentare generiert. Hochtrabende Kommentare zu meinem obigen Eichhörnchenfoto würde ich niemals dem Erfolg meines fotografischen Vorgehens zuschreiben. Vielmehr würde ich Einschleimversuche unterstellen oder eine beginnende Psychose diagnostizieren.

Euer fotografisches Vorgehen, euer Denken und Handeln bestimmen also maßgeblich das fotografische Ergebnis. Wendet die „Point and Click- Technik“ an, wenn ihr entsprechende Bilder wünscht. Erwartet dann aber nicht, dass die Betrachter darin etwas Besonderes erkennen.

Bildbearbeitung kann diese Arbeit an einem fotografischen Objekt kaum ersetzen. Einem Foto, dass mit der „Point and Click- Technik“ erstellt wurde, kann man nachträglich kaum noch dieses gewisse Etwas hinein shoppen. (shoppen = mit Photoshop bearbeitet)

Eichhörnchenfotos gibt es viele und für Euch wird dieses Foto keine weitere Bedeutung haben, außer in dem Zusammenhang mit diesem Artikel.

Schon in 5 Minuten werdet ihr es vergessen haben.

Anders wird es bei meinem Sohn sein. Der wird sicherlich noch in einiger Zeit bei dem Anblick des Fotos sagen:

„Da!!! Papa!!!“

Vergrößerungen via Weitwinkel- Objektiv bzw. die Magie des Vordergrundes

Für alle Potter Harrys der fotografischen Spiegelwelt gilt jetzt: Es ist Zauberstunde!

Unsere Lektion heute ist die einfache Vergrößerung von Gegenständen. Ihr benötigt dafür keinen Zauberstab, auch keinen Zauberspruch. Das einzige was ihr dafür benötigt ist eine Kamera und ein Weitwinkelobjektiv.

Viele ambitionierte Hobby- Fotografen nutzen Ihr Weitwinkelobjektiv dazu, „möglichst viel Landschaft einzufangen“. Der Name ist Programm: Weitwinkel = Weite. Weitwinkelobjektive zeichnen sich allerdings nicht nur dadurch aus, dass man durch einen großwinkligen Lichteinfall ein breites Sichtfeld von Landschaft einfangen kann.

Weitwinkel Objektive haben noch eine weitere Funktion, die vielen ambitionierten Fotografen nicht immer bewusst ist.

Die Optik von Weitwinkelobjektiven hat die Eigenschaft, nahe Objekte vergrößert darzustellen und zwar relativ zum Hintergrund.

Oder veranschaulicht ausgedrückt: Weitwinkelobjektive wirken schnell wie eine Lupe, wenn man dichter herangeht.

Um diesen Effekt zu verdeutlichen, habe ich mal ein Hochzeitsfoto rausgesucht. Hier seht ihr einen Jungen, den ich mit einem 15mm Fischauge aufgenommen habe. Die Fliege  und der Kopf wirken im Verhältnis zum Hintergrund vergrößert  bzw. überdimensioniert.

vergroesserungen-mit-weitwinkel-objektiven04Ein Objektiv mit einer Brennweite von 15mm ist, wenn man es so will, ein sehr extremes Weitwinkelobjektiv. Normalerweise arbeitet man in der Landschaftsfotografie oder der Reportagefotografie in Sachen Weitwinkel eher im Brennweitenbereich von 17-35 mm. Das entspricht dem Brennweitenbereich meines Lieblings Objektives, dem Canon EF 17-40mm 4.0 L. Mit diesem Objektiv ist man sowohl mit einer Crop Kamera (40D, 50D, 500D, 1000D u.a. ) oder auch mit einer richtigen 35mm Digitalkamera (z.B. Canon 5D, 5D Mark II und allen Kameras der 1D Serie) auf der sicheren und professionellen Seite. Dieses Objektiv nutze ich gerne für den oben erwähnten Vergrößerungseffekt. Ein Großteil meiner Landschaftsfotos sind mit genau diesem Objektiv gemacht. Ihr müsst es einfach kaufen. 😉

Anders als bei dem oben gezeigten Portrait des Jungen lege ich in der Landschaftsfotografie Wert darauf, dass die Welt natürlich dargestellt wird. Der Zaubertrick für diesen Realismus ist das Verlagern dieses Vergrößerungseffektes in den Vordergrund bzw. in den Randbereich des Bildausschnittes.

Mit Randbereich meine ich, von einem normalen Blick nach vorne ausgehend, den rechte oder linken Bildrand. Als Landschafts- Fotograf nutze ich diesen Effekt im Randbereich allerdings selten.

vergroesserungen-mit-weitwinkel-objektiven02

In der Landschaftsfotografie nutze ich diesen Vergrößerungseffekt meistens im Vordergrund. Vordergrund fängt in der Landschaftsfotografie mit Weitwinkel immer da an, wo die eigenen Füße noch stinken können: Also ein paar Zentimeter vor unseren Fußspitzen. Objekte im Vordergrund kann man also relativ zum Hintergrund vergrößern, wenn man das Objektiv nahe an dieses Objekt vor meinen Fußspitzen heranbringt. So ein Objekt kann ich der Landschaftsfotografie alles mögliche sein: Ein Stein, ein Ast, eine Welle, eine Brücke, ein totes Tier…

Vielleicht hört sich das ein bisschen trivial an, aber:
Die meisten Fotografen lassen sich gerne von einem grandiosen Panorama ablenken und achten nicht auf das, was vor ihren Füßen liegt. Um solche Objekte zu finden, muss man tatsächlich seinen Blick schulen. Schaut bei der Landschaftsfotografie immer mal wieder auf den Boden. Ist auch besser, weil man so das Unfallrisiko durch Stolpern verringert. Das ist ernst gemeint, ich spreche in diesem Blog immer aus Erfahrung: Informationen aus erster Hand oder soll ich in diesem Falle sagen Fuß…

vergroesserungen-mit-weitwinkel-objektiven01

Nur nicht drüber stolpern…

Objekt und Objektiv, nun müsst ihr aufmerksam lesen:

Zunächst müsst ihr also so ein Objekt für den Vordergrund finden. Dann könnt ihr mit dem Zaubern bzw. mit dem Vergrößern beginnen. Geht mit dem Objektiv dicht heran und kontrolliert immer wieder die Präsenz des Hintergrundes. Für die Gestaltung des Bildausschnittes empfiehlt sich das Arbeiten mit einem Dreibein. Mit einem Dreibein könnt ihr Euch viel Zeit bei der Einstellung des Bildausschnittes nehmen. Meine Bandscheibe liebt das Dreibein.vergroesserungen-mit-weitwinkel-objektiven03

Ohne Dreibein läßt es sich hier nur schwer komponieren…

Problem Schärfentiefe
Die technische Qualität Eures Objektivs wird die technische Qualität des Bildes und somit die Bildschärfe bestimmen. Dreht die Blende ordentlich auf: Ab f8 bis f10 bekommt unser Zauber erst die richtige Schärfe. Dann nämlich könnt ihr den Vordergrund scharf stellen, ohne das der Hintergrund verwaschen wirkt.

Wenn das Foto schlecht ist, dann seid ihr also zu dicht dran…

Moment mal, hieß das nicht anders?

Nein, in diesem Fall ist es tatsächlich andersherum: Ab einer bestimmten Nähe zu dem Objekt bekommt ihr Probleme mit der Schärfe des Vordergrundes bzw. mit der Schärfe des Hintergrundes. Tatsächlich kommt ihr nicht darum herum, die Grenzen Eures Objektivs in Sachen Schärfe und Schärfentiefe auszuloten. Mit der Zeit entwickelt ihr aber dafür ein Gespür. Und Gespür in Verbindung mit Sichtkontrolle ist besser, als jede Berechnung der Hyperfokalen Distanz.

Der Vergrößerungseffekt wirkt besonders gut, wenn das fotografierte Objekt im Bildausschnitt weit vom Bildmittelpunkt entfernt ist.

Nicht das ihr mich jetzt missversteht:
Wer jetzt denkt, dass der Vergrößerungseffekt stärker ist, wenn das Objekt weit vom Bildmittelpunkt entfernt ist, der irrt gewaltig. Tatsächlich ist das einzig entscheidende Kriterium für den Vergrößerungseffekt der Abstand des Objektes von dem Objektiv.

Da der Vergrößerungseffekt nur im Verhältnis zu dem Hintergrund wirkt, müsst ihr auf den Hintergrund genau so Acht geben, wie auf den Vordergrund. Eine Platzierung des Objektes in den Vordergrund hat vor allen Dingen den Vorteil, dass mehr Platz zum Vergrößern des Objektes ist, ohne dass man den Hintergrund durch die Dimensionen des vergrößerten Objektes verdeckt.

Wenn ihr das nächste Mal fotografieren geht, dann nehmt Euch doch mal vor, auf diesen Vergrößerungseffekt zu achten und versucht ihn gestalterisch umzusetzen. Nicht nur ich bin auf Eure Erfahrungen gespannt. Eure Erfahrungen helfen jedem anderen Leser dieses Artikels. Schreibt darüber in dem Kommentar oder setzt einen Trackback zu Eurem Blog.

Ihr seid wichtig!! Die Idee für diesen Artikel habe ich z.B. über eine Anmerkung auf Twitter bekommen. Eure Anmerkungen sind nicht nur Antrieb für mein Bemühen als Autor. Eure Fragen, Anmerkungen und Kommentare bringen mich auf Ideen für neue Artikel. Eure Kommentare sind häufig sehr interessant.

Die Entdeckung der Langsamkeit

Hundertsiebzehn Sekunden

Hundertsiebzehn Sekunden

Wenn ich mal durch die Foren streife, dann mag ich bei ambitionierten Fotografen ein reges Interesse an schnellen Verschlusszeiten vermuten. Ein Objektiv wird gerne über die Blendengröße und damit über das Ermöglichen von schnellen Verschlußzeiten in widrigen Lichtsituationen bewertet. Kaum ein Fotograf kommt auf die Idee, mal darüber zu diskutieren, eine Objektiv- Qualität anhand der Farbdarstellung, des Kontrastumfanges oder des Rauschverhaltens unter dem Gesichtspunkt von Langzeitbelichtungen zu diskutieren.

Tatsächlich ist die Langsamkeit neben der Schnelligkeit der Auslösung in der Fotografie eine wichtige, äquivalente, gestalterische Möglichkeit.

Bewegungsabläufe lassen sich durch längere Verschlußzeiten deutlich machen. Langsamkeit hilft also interessanterweise auch Schnelligkeit einzufangen.

Langsamkeit ist auch ein wichtiges Prinzip für ein überlegtes fotografisches Handeln. Ich bin der festen Überzeugung, das so ein überlegtes Handeln vielen ambitionierte Fotografen gut bekommmen würde.

Die Beschäftigung mit technischer Langsamkeit möge sich übertragen auf das überlegte fotografische Vorgehen. Das Bewusstwerden von Möglichkeiten hilft, diese Möglichkeiten im fotografischen Alltag tatsächlich zu nutzen.

Die Physik gibt es uns vor: Um eine längere Belichtungszeit zu erreichen, langt es nicht, einfach die Verschlusszeit zu verstellen. Wenn für eine längere Zeit Licht in die Kamera fällt, dann muss man für eine gleichwertige Belichtung irgendwo Lichtenergie reduzieren.

Ich habe Euch deshalb mal eine Liste der Möglichkeiten für eine Reduzierung von Lichtenergie zusammengestellt:

  • Man verkleinert die Blendenöffnung und läst dadurch weniger Lichtenergie einfließen. Hier entscheidet die Qualität des Objektivs maßgeblich über die Qualität von Schärfe, Kontrastumfang und Farbdarstellung.
  • Man reduziert die Lichtempfindlichkeit. Gerade in der digitalen Fotografie ist die Möglichkeit der Veränderung der ISO Werte eine wichtige Option in der Gestaltung von Fotografien. Man sollte nicht davor zurückschrecken, auch mal auf ISO 50 zu gehen, selbst wenn diese Empfindlichkeit in den meisten Kameras softwareseitig errechnet wird. Dieser Schritt ermöglicht nämlich gestalterische Mittel.
  • Man reduziert den Einfall von Licht durch den Einsatz von Filtern. Wer jetzt nur an Graufilter denkt, der denkt nicht weit genug. Für mich ist z.B. der Einsatz eines Farbfilters oder eines Polfilters gerade unter dem Gesichtspunkt des Ermöglichens von längeren Verschlußzeitens eine wichtige Option. Auch solche Filter schlucken Lichtenergie und ermöglichen Langsamkeit, ermöglichen aber auch gleichzeitig die Gestaltung eines Fotos durch die jeweiligen Filtereffekte.
  • Man verändert die Lichtbedingungen. Dies erreicht man je nach Art der Fotografie durch die Berücksichtigung der Tageszeit und Wetterbedingungen, durch das Abdunkeln der Örtlichkeiten, das Reduzieren des Kunstlichtes bzw. Blitzlichtes.

Vielleicht hilft Euch diese kleine banale Auflistung, die Langsamkeit in der Fotografie für Euch neu zu entdecken.

Auf Eure Erfahrungen zu dem Thema Langsamkeit bin ich gespannt. Bitte nutzt den Kommentar.

Entscheidende Faktoren für die Qualität eines Fotos

@KRAER_ONE fragte mich via Twitter, ob die Kamera xyz für den semiprofessionellen Einstieg geeignet sei?

Derartige Fragen bekomme ich öfter mal auf diversen Kanälen gestellt.

Die Eignung von Gerätschaften ist letztendlich eine Frage der benötigten Qualität von Fotos. Ich antworte auf solchen Fragen zunächst einmal theoretisch, da ich unmöglich alle Kameraausrüstungsgegenstände kennen kann.

Diesbezüglich unterscheide ich zwischen der technischen und der kreativen Qualität eines Fotos. Die technische Qualität wird von technischen Faktoren bestimmt, die kreative Qualität von kreativen Faktoren.

Die grundlegenden Faktoren für eine technische Qualität

Die technische Qualität ordne ich beim Kauf von digitaler Kameraausrüstung grundlegend den folgenden Faktoren zu:

30% = Kamera

Eine Kamera ist die Grundlage dafür, dass Fotos überhaupt entstehen. Sie hat Funktionen und Einstellmöglichkeiten. Funktionen müssen vorhanden sein, sie müssen „funktionieren“, man muss wissen, ob man sie benötigt. Ich benötige z.B. keinen Aufklappblitz und auch keine Kreativeinstellungen an der Kamera. Ich benötige allerdings eine vollwertige „35mm“ Darstellung und möchte nicht gecropt fotografieren. Entscheidend für die Qualität wäre vor allen Dingen die Bilddarstellung (Bildgröße, Rauschen, Artefakte und anderes). In der analogen Fotografie habe ich früher der Kamera immer 10% zugesprochen und einem Film die anderen 20%.

60%=Objektiv

Ein Objektiv bestimmt den Großteil der technischen Qualität. Wesentlich mehr, als eine Kamera. Das Objektiv ist entscheidend in Bezug auf die Einsatzfähigkeit einer Kamera, die Brennweite, die Lichtstärke, das Bokeh, die Farben, den Kontrast, die Schnelligkeit, die Robustheit und anderes. Fotografie hat etwas mit Licht zu tun und wesentlich mehr Elemente eines Objektivs haben einen entscheidenden Einfluss auf das Licht, als es die Kamera hat.

10%=Peripherie

Damit sind Filter, Stative, Kabelauslöser, Speicherkarten, Taschen und noch weitere Gadgets gemeint, die man in irgendeiner Weise benötigen könnte. (Jetzt könnte man sich natürlich streiten, ob ein Stativ den gleichen Wert hätte, wie eine Speicherkarte, wir machen es aber nicht… 😉 )

Daraus lässt sich ableiten: Die Investition in eine Kamera ist wichtig. Wichtiger ist es aber, Geld für gute Objektive anzusparen.

Auf die Gefahr hin, dass ich missverstanden werde: Man kann auch mit Amateurausrüstung tolle Fotos machen! Jedoch sollte man für einen semiprofessionellen Einstieg die Möglichkeit haben, einem Kunden oder sich selber mit der optimalen technischen Qualität zu beglücken.

Der eigentlich unwichtigste Faktor für technische Qualität

Die Bildbearbeitungssoftware ist natürlich auch ein Faktor für die technische Qualität eines Fotos. Sie liefert zudem eine wichtige Grundlage für Kreativität. Bildbearbeitung ist aber mehr Grundlage, als dass sie einen wirklich entscheidenden Einfluss auf technische Qualität hat. Letztendlich sind alle Bildbearbeitungsprogramme dieser Welt nur in der Lage, Einsen und Nullen nach bestimmten Algorithmen zu verändern.

Meines Erachtens wird dieser Punkt derartig überbewertet, dass ich ihm möglichst wenig Beachtung schenken möchte. Kreative Möglichkeiten zu haben, ist natürlich ein wichtiger Punkt. Schwarz/Weiß Fotos kommen nicht wirklich sinnvoll und HDR Fotos kommen überhaupt noch nicht richtig aus SLR Kameras. Es ist jedoch bezeichnend, dass mich mehr Fragen nach meinen Bildbearbeitungsroutinen ereilen, als nach der Kameraausrüstung oder gar nach der Art und Weise, wie ich ein Foto gemacht habe.

Ich betone es immer wieder: Geht mit Eurer Kamera lieber raus in die Natur oder schnappt Euch ein Modell und macht Fotos, als Stunden vor dem PC zu vertrödeln.

Der Boost für qualitativen Overflow: Kreative Faktoren

Bis hierhin unterhalte ich mich vielmehr gelangweilt über die Fotografie. Nun wird es spannend: Während ich technische Faktoren eher als Grundlage für eine Qualität ansehe, so sehe ich kreative Faktoren als Multiplikatoren für die Qualität von Fotos. Ich werde mich an dieser Stelle allerdings kurz halten. Über die kreativen Faktoren schreibe ich ja grundsätzlich in diesem Blog. Abonniert einfach meinen RSS Feed und ihr seid regelmäßig informiert. (oben rechts im Menü auf das Feedsymbol klicken)

Kameras, Objektive, Filter und bestimmte Software können sich theoretisch alle zulegen. Die, durch diese Hard- und Software bestimmte, Qualität, kann rein theoretisch jeder erschaffen. Der Besitz solcher technischen Geräte garantiert aber noch lange nicht ein gutes Bild oder eine gute Arbeitsleistung als Fotograf. Das machen eher kreative Faktoren.

Die Kreativität ist vielseitig, ja fast unerschöpflich. Kreative Faktoren bestimmen einen Stil, eine Abgrenzung von anderen und letztendlich den Erfolg.

Es ist die persönliche Vision, es ist das Gestalten eines Bildausschnitts, es ist das persönliche Vorgehen, die Begeisterungsfähigkeit, der Ideenreichtum, die Art zu kommunizieren und noch viele weitere Faktoren, mit denen man sich auseinandersetzen sollte, wenn man den eigenen Fotos eine Qualität geben will, wenn man einen Erfolg mit dem Fotografieren haben möchte. Kreativität kostet zudem nicht so viel, wie eine Canon 1Ds mark III und jeder kann Sie sich erarbeiten.

Was in meinem Herzen und in meinem Kopf ist, das macht ein Foto einzigartig und wertvoll und es hat einen eingebauten Kopierschutz.

Meine Geschäftsplanung als Fotograf aus Kiel

geschaftsplanung
Wenn Du nicht weißt, wo Du hin willst, dann ist es unklar, wo Du ankommen wirst! Manchmal kommt man auf diese Weise an so wundervolle Orte, wie den Ort oben auf dem Foto.

Egal welche Managementstrategie ich angewendet habe in den letzten Jahren, ich stand am Ende nie zu 100% da, wo ich eigentlich sein wollte. Dennoch bin ich als Fotograf ein großer Freund von Selbstmanagement, Zielen und Planung. Geschäftliches Vorrankommen sollte man nicht nur dem Zufall überlassen.

Anfang des neuen Jahres erstelle ich deshalb immer meine von mir so getaufte Geschäftsplanung. Darin versuche ich zu skizzieren, wie das folgende Jahr als Fotograf verlaufen soll. Bevor ich die aktuelle Planung angehe, werte ich die Planung des Jahres davor aus.

Vielleicht interessiert es den einen oder den anderen Fotografen, wie ich dabei vorgehe!?

Vorweg sei gesagt, ich habe viele Selbstmanagement, Zeitmanagement, Zielsetzungsstrategien studiert. Als Eklektiker bediene ich mich bei den unterschiedlichen Vorgehensweisen, wie es in meinen täglichen Workflow und zu meinen Wertmassstäben passt. Meine Vorgehensweise wird hier nur skizziert, alles andere wäre für den Blog eine Nummer zu groß.

So gehe ich vor:

Die Auswertung des Vorjahres bringt mir einige Erkenntnisse. Sind meine Ziele alle erreicht? Warum habe ich einige Ziele nicht erreicht? Will ich die nicht erreichten Ziele wieder in das neue Jahr mit nehmen, muss ich sie umdefinieren oder kann ich mich gar von Ihnen trennen?
Dann beginne ich mit einem Brainstorming. Hierbei schreibe ich alles auf, was mir so in den Kopf kommt, wenn ich an das nächste Jahr denke. Zum Beispiel:

  • Irgendwie gibt es nur schlechte Kalender von Kiel.
  • Warum habe ich die Geschichte von den Hebriden noch nicht veröffentlicht!
  • Mich nervt die aktuelle Datensicherung!
  • Ich verbringe viel Zeit mit meinem Blog!
  • Meine Frau meint, ich gehe zu viel Fotografieren!

Das praktiziere ich über mehrere Tage. Erst wenn sich mein Kopf leer anfühlt, gehe ich in den nächsten Schritt. Ich definiere aus diesem Brainstorming konkrete Ziele. Dabei berücksichtige ich übergeordnete Ziele meines Fotogeschäfts. Stehen die konkreten Ziele des neuen Jahres im Einklang mit meinen übergeordneten Ziele? Wenn ja, werden Sie in eine Projektliste eingefügt.

Diese Liste habe ich in 3 Kategorien aufgeteilt: Kreative, Öffentlicharbeits– und wirtschaftliche Aspekte.

Diese Aufteilung in drei Kategorie sichert mich ab, alle drei Bereiche gleichmäßiger zu berücksichtigen. Ganz konkret konnte ich vor einigen Jahren mal beobachten, dass ich kaum kreative Ziele verfolgt habe und nur damit beschäftigt war, Geld zu verdienen.

Diese Ziele werden dann in konkrete Arbeitsschritte heruntergebrochen. Als großer Fan der „Getting Things Done“ Methode finden hier fundamentale Ideen von David Allen Anwendung. Dieses Buch ist ein absoluter Kauftipp:

Aber auch diesbezüglich habe ich meinen eigenen Weg entwickelt, persönliche Dinge geregelt zu bekommen. Das Buch kann ich wirklich sehr empfehlen, es ist eine Offenbarung in Sachen Selbstmanagement und persönlichem Wohlbefinden. Jeder der es gelesen hat, weiß wovon ich spreche.

Die Ziele (incl. der jeweiligen Arbeitschritte) wären dann soweit, als toDo in Outlook eingetragen zu werden. Die toDos in Outlook definieren dann meine konkreten, aktuellen Arbeitsaufgaben. In meiner wöchentlichen und monatlichen Durchsicht bilanziere ich immer wieder den Status der Aufgaben und überlege, welche neuen Ziele eine Bearbeitung finden.

Klingt alles komplizierter, als es eigentlich ist. Deshalb will ich das mal an einem Beispiel verdeutlichen:

Brainstorming:

“Irgendwie gibt es nur schlechte Kalender von Kiel.”

Ziel:

“Ende 2009 steht ein Kalender von mir in Kieler Buchhandlungen zum Verkauf.”

Arbeitsschritte skizziert:

  1. Marktanalyse: In gehe in einen größeren Kieler Buchladen und versuche folgende Fragen zu klären: Wie viele Kalender gibt es über Kiel? Wie werden die verkauft?
  2. Ich spreche andere Fotografen über Ihre Erfahrungen mit dem Verkauf von Kalendern an.
  3. Ich mache ein Brainstorming über mögliche Vertriebswege.
  4. Ich erkundige mich bei 3 Druckereien über die Bedingungen und Kosten eines Kalenderdruckes.
  5. Ich kalkuliere die Kosten! Und treffe eine Entscheidung!
  6. Ich kläre die Vertriebsbedingungen gemäß Brainstorming.
  7. Ich treffe eine Auswahl aus meinen Fotos! Ggfls. produziere ich noch welche nach!
  8. Ich gebe den Druck in Auftrag!
  9. Ich erkundige mich über den Verlauf des Verkaufes!

In meine toDo Liste werden dann unter dem Projektnamen „Kalender“ alle Ziele und Arbeitsschritte eingetragen. Die arbeite ich dann nach und nach ab. Für die Erledigung von Arbeitsschritten habe ich unterschiedliche Kriterien.

So oder so ähnlich könnte dann ein Projekt ablaufen. Tatsächlich gibt es immer viele aktuelle Ereignisse und auch Alltagsgeschäfte, die mich zum Umsteuern zwingen. Im Großen und Ganzen funktioniert dieses System für mich recht zufriedenstellend.

Setzen sich andere Leser hier in Bezug auf die Fotografie auch in dieser Art Ziele?! Seien es nun kreative, wirtschaftliche oder andere? Vielleicht habt Ihr Lust, diese mit den anderen in den Kommentaren zu teilen?