7 Gründe zum Ausstieg aus einer Foto- Community

ausstieg

Oder: Warum eine Foto- Community der persönlichen fotografischen Weiterentwicklung nicht dienlich ist.

In den letzten Wochen habe ich nach langer Abstinenz mal wieder einen Streifzug durch Foto- Gemeinschaften gemacht. Mit Foto- Gemeinschaften – oder neudeutsch Communities – meine ich Online Plattformen in denen Fotografen ihre Fotos hochladen und darüber mit anderen diskutieren können. Derer gibt es viele, teilweise mit unterschiedlichen Schwerpunkten oder Strukturen.
Allen ist gemein, dass sich in Ihnen eine so genannte “Community” herausbildet. Bei meinen aktuellen Besuchen konnte ich die alten und verkrusteten Strukturen dieser Communities wiedererkennen, die auch schon vor einigen Jahren wirkten.

Und nun breche ich mal ein Tabu!

Allen werbewirksamen Versprechen zum Trotze:

Diese Strukturen und Gemeinschaften sind einer persönlichen fotografischen Weiterentwicklung nicht dienlich!

Jeder, der sich in solchen Communities aufhält, weiß, was mit dem Begriff der Community gemeint ist. Allerdings macht sich nicht jeder hinreichend über die Wirkungsweise solcher Gemeinschaften Gedanken.

Wer in der persönlichen fotografischen Entwicklung weiterkommen will, der sollte hier zunächst weiterlesen:

Ein bisschen Soziologie

Foto- Gemeinschaften erfüllen einen Großteil aller Voraussetzung von “Totalen Institutionen”, wie sie der Soziologe Erving Goffman betitelte, oder weiter gefasst von geschlossenen, sozialen Systemen. Ohne jetzt in allen Einzelheiten auf die Begriffsklärung eingehen zu wollen, sei nur kurz erklärt: Geschlossene Systeme sind bestrebt möglichst wenig Beziehungen zu ihrer Umwelt zu haben und führen eine Kommunikation nur intern durch. Oder noch einfacher ausgedrückt: Die User suhlen sich nur im eigenen Mist.

Was ist gesund

Nicht nur die Soziologie, auch die Psychologie und sogar die Naturwissenschaften gehen davon aus, dass ein System dann lebendig und gesund ist, wenn es hinreichend Kontakte und Beziehungen in die Außenwelt hat. Fehlen diese Kontakte bzw. Beziehungen, so erkrankt und verkümmert das System. Genau diese gesunden Kontakte und Beziehungen sind in Foto- Communities schmerzlich zu vermissen.
Die eingeschränkte Kommunikation innerhalb der Gemeinschaft bringt etliche Probleme mit sich, die sich jeder ernsthaft fotografierende Mensch zum Wohle seiner eigenen persönlichen fotografischen Weiterentwicklung bewusst machen sollte.

7 Gründe, warum man aus so einer Foto- Community aussteigen sollte:

  1. Es wird zu viel Zeit mit dem Chatten und dem Tippen von Texten verschwendet: Ich möchte hier mal die These aufstellen, dass ein Großteil aller User bzw. Nutzer dieser Online- Angebote mind. 10 mal so viel Zeit mit der Produktion von überflüssigen Inhalten verbringen, als mit dem Prozess des Fotografierens an sich. Wertvolle Zeit, die einem bei der Weiterentwicklung seiner Fotografie fehlt.
  2. Anmerkungen, Kommentare und Diskussionen sind nicht ehrlich: Wer lobt der hat in solchen Gemeinschaften “Freunde” oder Neudeutsch “Buddys”. Wer ehrlich ist, wird von der Gemeinschaft angegriffen und von den befreundeten Buddys verteidigt. Interessanterweise hat sich in diesen Gemeinschaften auch schon das Gegenmodel des notorischen Kritikers herausgebildet. Auch hier spreche ich dem Kritiker die Ehrlichkeit ab. Nur wer auffällt, der hat bei der Jagd nach den meisten Klicks u.U. die Nase vorn und ist in sochen Foto- Communities überhaupt existent.
  3. Der Weg nach Außen wird erschwert: Die Ablösung aus so einem geschlossenen System fällt schwer. Heute erfolgreiche Fotografen, berichteten mir immer wieder von ihren Ausbruchsversuchen aus solchen Foto- Communities. Es sind definitiv Suchtstrukturen, die einem ein “Leben ohne” nur schwer ermöglichen.
  4. Die persönliche fotografische Weiterentwicklung wird beeinflusst durch die Moden des Systems: User in einem geschlossenen System bleiben in dem kreativen Sumpf der Gemeinschaft hängen und entwickeln sich persönlich nicht weiter. Vergleicht man mal das englischsprachige, photo.net mit der deutsche fotocommunity.de oder gar mit dem polnisch wurzelnden altphotos.com so kann man relativ leicht Moden und bevorzugte Richtungen erkennen. Statt der eigenen Stimme zu lauschen, preschen Herrscharen den Moden hinterher.
  5. Ideen und Bilderklau: Die Abgrenzung von Inspiration und Kopie ist in solchen geschlossenen Systemen bedenklich schmal. Präsentiert man mal etwas Eigenes was gefällt, so wird es sofort kopiert oder geklaut. Persönliche Werte zerrinnen unter dem Diktat der Plagiatoren. Auch unter diesem Gesichtspunkt möchte ich mal die Theorie aufstellen, dass zuviel Zeit mit dem kopieren verbracht wird, als mit der Produktion von eigenen Inhalten. Es entstehen sogar eigene Termini wie: Tröpfchenbilder, Steinbilder, etc… Ein Foto wird von dem nächsten kopiert.
  6. Die Technikverbohrtheit der Gemeinschaften: Ein Großteil aller Kommunikation dreht sich um die Technik und nicht um Weiterentwicklung, Stil, Ausdruck oder Ähnliches. Es wird suggeriert, dass man nur durch die Betätigung der richtigen Regler in einem Bildbearbeitungsprogramm ein tolles Foto machen kann. Diese persönliche Nachricht an mich, soll das mal untermauern: “Bin auf deinen Beitrag ‚Irland Tagebuch 2006 startet‘ gestoßen. Die paar Bilder im Beitrag…..die hast du doch noch ein wenig nach bearbeitet, oder??….die Wolkenzüge und die Farben sind einfach zu gut….. Was genau hast du noch nachgebessert??” Es ist nicht der Farbregler in Photoshop, der eine Aussage in einem Foto manifestiert, es ist nicht das längste Objektiv, was gute Fotos macht, es ist die Vision des Fotografierenden, die Wunder vollbringt und Einmaliges schafft!
  7. Die Jagd nach dem besten Foto einer Gemeinschaft kostet Zeit und ist einer persönlichen Weiterentwicklung nicht dienlich: Die Jagd und Auszeichnung ist nie ehrlich und steht im Einfluss von sicherlich auch gewollten Manipulationsmöglichkeiten der Abstimmung. Im Verhältnis zu echten Wettbewerben haben diese Wettbewerbe keine Reputation. Letztendlich ist das alles wieder nur Zeit, die man lieber draußen an der frischen Luft verbringen sollte, um Bilder zu machen.

Ich kann all diejenigen, die sich mit einer Befreiung aus solchen geschlossenen Systemen beschäftigen, nur bekräftigen.

Ein Ausstieg lohnt sich!

Es gibt viel zu tun und zu lernen in einem offenen System. Nicht nur im WWW gibt es viele Möglichkeiten einer offenen Vernetzung von Kunst und Inhalten, nehmt daran teil und laßt euch nicht in irgendeine Fom pressen.

Hier nur einige kurze Anregungen:

  • Holt euch gezielt Anregungen und Inspiration in Fotobüchern, von Künstlern, die euch beeindrucken.
  • Stellt eure Fotos in Stockfotoagenturen aus und freut euch über die Verkaufszahlen eurer Bestseller. Es gibt keine bessere Auszeichnung als den Verkauf oder eine Veröffentlichung.
  • Pflegt offene Kontakte zu anderen Fotografen. Dazu eignet sich hervorragend die eigene Homepage. Die Amerikaner machen es uns vor: Es wird gebloggt was das Zeug hält und darüber offen vernetzt. So eine Vernetzung ist viel sinnvoller und ehrlicher, als die Einschmeichelung durch Anmerkungen. Ich persönlich würde solche Vernetzungsangebote sehr begrüßen.
  • Inhalte würde ich primär in reinen Textforen diskutieren. Dort scheint mir der Coummunitydruck noch nicht so groß zu sein.

Entwickelt euch persönlich weiter indem ihr den Foto Communities dieser Welt den Rücken zukehrt!

Oder diskutiert diesen Artikel in einem geschlossenen System eures Vertrauens. 🙂

Und wer jetzt noch ein bisschen geduldig ist, kann hier demnächst folgenden Artikel lesen:

5 Gründe, warum man an einer Foto- Community teilhaben sollte

201 Comments
  1. Applaus! Nach 12 Jahren (zu Beginn noch Bulletin Boards mit Offline Readern) und 10 Bilderhostern bzw Communities habe ich Abschied genommen von dieser Art der Kommunikation. Meine Bilder liegen jetzt bei einem Hoster, wo viel gekuckt und wenig geredet wird und man sich ganz auf den Kreis der Leute beschränken kann die einen interessieren. Eine beabsichtigt polemische Abrechnung mit den letzten 12 Jahren erscheint hier
    https://photosubversive.wordpress.com/
    und gerade im letzten aktuellen Beitrag nehme ich Bezug zu den hier aufgestellten Thesen, denen ich allen zustimme. Im Moment fühle ich mich insgesamt etwas ermüdet von dem ganzen kommerziell verseuchten Gewürge ums gute Bild und ziehe micht zumindest für eine Zeit zurück aus der privaten Knipserei. Ich werde mich statt dessen ein bisschen mit Video beschäftigen, wollte ich schon immer. Von Foren halte ich mich aber künftig mit Sicherheit fern, sie stehlen einem die Zeit.

  2. Der Anspruch des Einzelnen kann entscheidend sein, ob man in einer FC bleibt oder aussteigt.Es zeigt sich bald, wer wen schätzt oder wer keine Aufmerksamkeit verdient. Leider glauben viele User, die 2 oder 3 Jahre “knipsen”, dass sie schon andere belehren können.
    Die Werbung der Foto-Industrie gaukelt ihnen vor, dass sie nur die “richtige Kamera” brauchen, um zu den besten Fotografen zu zählen.
    Das macht sie überheblich und arrogant – und das färbt sich leider in vielen FCs ab.
    Lernen kann man immer von guten Fotos – und die gibt es wirklich, in fast jeder FC. Also nicht gleich die Flinte in’s Korn werfen, sondern sich bemühen, zu einem besseren FC-Klima beizutragen. Das macht Schule – und lohnt sich für alle SEiten. KLaus Ender

    • Lieber Herr Ender, ich kenne und schätze ihre Bilder, habe auch ihre DDR Bio gelesen. Einer der Kernsätze des historischen Materialismus ist doch, dass das (öknomische) Sein das Bewusstsein bestimmt, was ich trotz DDR immer noch für richtig halte. Solange uns die Industrie also sagt, was und wie und womit wir zu fotografiern haben, und solange die Kreativmagazine und die Foto Communities als ihre propandistische Multiplikatoren diese frohe Kunde verbreitet, solange wird sich gar nichts ändern. Ihre wohlwollende Haltung den Menschen gegenüberin allen Ehren, sie verkennt aber die Mechanismen, die auf die Individuen wirken. Im Grunde ist die private Fotografie im Internet so gut wie tot, nur in einzelnen Nischen zuckt es noch.

  3. Hallo Olaf!
    Ich möchte Dir noch einen Link mitteilen, der seit 10 Jahren im Netz steht! Ich konnte trotzdem nicht de Welt verändern, obwohl jeder bei entsprechender Selbstkritik etwas für sich finden würde. Aber es sind immer nur die “Anderen”, die gemeint sind.

    http://www.klaus-ender.com/ender_lyrik/zeitgeist.html

    Deine Antwort habe ich privat beantwortet. Gruß, Klaus

  4. Hallo Olaf, lange war ich im Netz auf der Suche nach einer für mich passenden Fotocomunity. Und wie der Zufall es wollte, fand ich Deinen Artikel. Fasziniert von der Ehrlichkeit wieDu dieses Thema beschreibst, fragte ich mich, warum tun wir uns all das an, was treibt uns dazu uns zu solchen Dingen hinzugeben. Eine genaue Erklärung fand ich nicht, nur ein paar sehr wichtige Sachen. Erstens, meine Familie habe ich ganz schön vernachlässigt in der Zeit und zweitens, häthe ich mehr Zeit mit Ausprobieren und mehr Familie verbracht, wäre ich bestimmt schon weiter. Warm, weil wirklich der beste Kritiker und zugleich auch Bewunderer meiner Bilder, meine Frau ist. Dankeschön für den tollen Artikel. Beste Grüße Rainer H

  5. Hier werfe ich mal eine andere Sichtweise ins Netz, weil mir der Beitrag “7 Gründe” zu einseitig erscheint:
    Man muss nicht immer nur “etwas erwarten”, – man sollte auch mal etwas geben! Beiträge wie dieser, brachte mir viele neue Fotofreunde ein:
    http://www.fotocommunity.de/blog/fotowissen-tipps-und-tricks/infrarot-fotografie-klaus-ender-erklaert-wie-es-geht

    Außerdem kommt immer zurück, was man in den Wald rein ruft!

    Gut Licht und frdl. Grüße! K

  6. Hallo Olaf,

    ein klasse Artikel!

    Wir können uns über unsere Webseiten gern verlinken, so wie du es oben beschrieben hattest.

    Oder, um die Kontakte zur Aussenwelt zu stärken, irgendwann auch mal zusammen losziehen. Du wohnst ja an der See. Was bietet sich da besser an! 😉

    Viele Grüße
    Matze

  7. Hallo erstmal,
    ich weiss garnicht so recht wie ich anfangen soll.
    Ich bin auch in der Fotocommunity, ich muss sagen dass sich die negativen Auswirkungen nicht gezeigt haben und ich keine schlechten Erfahrungen gemacht habe. Im Gegenteil, ich habe von wirklich guten Leuten sehr viel gelernt und konnte mich immer weiter verbessern……und auch nach fast drei Jahren sagen mir meine Buddys nach wie vor ihre ehrliche Meinung.
    Klar gibt es auch Leute die nur rumschleimen und versuchen sich anzubiedern….aber mal ehrlich, hat man es nicht selbst in der Hand ob man sich in diesen Strudel der Modeerscheinung, Schleimerei oder Chliquenwirtschaft hineinziehen lassen will?
    Ich denke — ja, man kann dies steuern.
    Klaus Ender hat recht mit dem was er sagt…..die Communitys sind nicht von grundauf schlecht…..es kommt auf jeden einzelnen an.
    Letztendlich muss aber jeder für sich entscheiden ob er weiter an solch einer Community teilnimmt oder nicht.

    Viele Grüße
    von Karin

  8. Ein guter Artikel, der zum Nachdenken anregt! Aus den oben genannten Gründen verabschiede ich mich von Instagram. Kostet zuviel Zeit und bringt keinen Erfahrungsgewinn. Ich verkaufe ebenfalls Bilder in Microstockagenturen. Die Freude über ein verkauftes Bild ist natürlich weitaus höher als “leere” Votings in den Communities. Allerdigs kann man in Stockgenturen nicht jedes Bild zum Verkauf anbieten, auch wenn es den höchsten, künstlerischen oder zumindest ästhetischen Ansprüchen gerecht wird. Wohin also mit solchen Fotos?

  9. Meine eigenen Erfahrungen mit der FC sind gar nicht schlecht.
    Anfangs hatte ich das Glück einige “Buddies” zu bekommen, die mir Verbesserungsvorschläge angemerkt haben und dafür bin ich heute noch dankbar. Es hat mich wirklich weitergebracht, in mir aber auch eine moralische Verpflichtung erweckt:
    Wenn ich + oder – Kommentare gebe, dann meist mit Begründung. Dabei scheue ich mich auch nicht, offen Kritik auszusprechen. Aber wie schon oben geschrieben: “Wie man in den Wald ruft…”. Der Ton ist einfach wichtig. Finde ich ein Bild misslungen, dann schreibe ich in der Regel auch, was man hätte besser machen können.
    Etliche Dankes-Mails: “Das habe ich selber übersehen, danke für den Hinweis”, “endlich mal eine Anmerkung, mit der ich etwas anfangen kann”, “…das wusst ich nicht, aber ich verspreche dir mich bei einem Kurs anzumelden…” usw. habe mich bestätigt. Leute, welche hasserfüllte Antworten geben, kann man ja meiden.
    Bei den Wettbewerben wird gerne manipuliert und anscheinend geht das auch einfach. Man muss aber nicht. Ich fand einmal das Thema interessant und lud ein Foto aus Neugierde dazu hoch. Danach habe ich es vergessen. Irgendwann bekam ich eine Mail mit dem Glückwunsch zum 1. Platz. Da ich es für freche Werbung hielt, löschte ich es. Erst bei der Bitte um Freigabe zu Veröffentlichung wurde mir klar, dass mein Bild doch ganz brauchbar war. Aber das muss ich auch nicht oft haben, bringt ja kein Geld.

    Eines stimmt allerdings zu 100% : Kommunties kosten Zeit! Schlimmere Zeiträuber sind nur die “sozialen Netze”, welche zu jeder Lebensminute per Smartphone&co genutzt werden.

    Trotz aller guten Erfahrungen werde ich mich aus der FC etwas mehr zurückziehen, denn das behindert mich bein Geld-Verdienen.

    Auch wenn ich nicht allen Punkten ganz zustimme, finde ich die “7 Punkte” eine interresante Zusammenstellung.

    LG Thomas

  10. Ich googelte nach “gute Fotocommunity” auf der Suche nach “Antworten”-vielleicht auch etwas Neuem, was ich noch nicht kenne…

    So kam ich dann zu diesem Beitrag.
    Und ich stelle fest-es ist eben wie es ist. Es gibt nicht DIE Community. Sie funktionieren halt alle gleich und entweder bringt man die Zeit auf, oder man nutzt sie vielleicht mit dem Fotografieren an sich, mit der Nachbearbeitung oder den zahlreichen (Foto) Büchern, die darauf warten gelesen/angesehen zu werden.
    Ganz aussteigen? Niemals 😀 Dazu stöbere ich viel zu gerne herum, lasse mich inspirieren und erfreue mich wunderbarer Fotos oder Digital Arts. Aber vielleicht lasse ich mir nicht mehr sooft die Laune durch irgendwelche Reichweiten, Klicks, “Pulses” usw verderben und erinnee mich stattdessen daran, wie solche Communities funktionieren.
    Danke für diesen Beitrag 🙂

  11. Ich kann das verstehen. Und gebe da uneingeschränkt Recht. In solchen Foren sitzen eh nur Leute ohne Arbeit , die so tuen al wären sie sonstwas. Haben aber keinen schimmer von Fotografie.

  12. Hallo Olaf,

    Deine Erfahrungen werden ja durch etliche Leute hier bestätigt, dazu gehöre ich nun mit diesem Satz auch :-).

    Deine Einstufung eine FotoCommunity habe einige Änhnlichkeit mit Gofmans “Totalen Institutionen” kann ich nicht so recht nachvollziehen, wie auch ein anderer Schreiber hier. Ich ordne die Strukturen und Dynamiken eher in die Kategorien von (psychologischer) Gruppendynamik ein, denn das Wesentlichste ist ja, dass man freiwillig jederzeit rein- und rausgehen kann; es bestehen keine Zwänge, sondern es gibt nur Reaktionen aus der Gruppe auf Dich und Deine Äußerungen, auf die Du frei reagieren kannst.

    • Hallo Renus, es gibt viele Brillen, durch die man sich die Phänomene in solchen Sozialen Gemeinschaften ansehen kann. Eine davon ist die mit dem Gofmanschen Durchblick. Ich stimme Dir zu, dass Gruppendynamik oder Sozialpsychologie auch Formen sind, das Geschehen zu begreifen. Ich stimme Dir nicht zu, dass Totale Institutionen nicht mehr verlassen werden können. Gofman hat damals ja nicht nur Bezug genommen auf geschlossene Psychiatrien. So würde ich auch die Bundeswehr zu solchen TI zählen. Dort kann man auch sehr schön das Merkmal erkennen, in Akronymen zu reden, die Außenstehende nicht mehr verstehen. Wer weiß schon was ein Uffz ist!?
      Ich sollte mich vielleicht nochmal an eine Aktualisierung machen. Der Blogpost müsste schon älter als 10 Jahre sein. Zum damaligen Zeitpunkt war Facebook noch nicht bekannt.

      • Mit Deinen Beispielen (geschl. Psychiatrie und Bundeswehr) hast Du recht, bzw. da stimme ich Dir voll zu. Aber die Internet-“Communities” kann man damit überhaupt nicht vergleichen:
        1. deine Örtlichkeit wählst Du selber (Ortsfreiheit),
        2. die Zeitdauer wählst Du selber (Zeitfreiheit),
        3. Dir passende Themen wählst Du selber (Inhaltsfreiheit),
        4. es gibt ansonsten keinen Zwang, außer Du hälst die normalen Umgangsformen für Zwang,
        dann liegt es aber an Dir, und nur an Dir, selber!

  13. Heute denkt ja jede Hausfrau Sie könnte ”Erfolgsfotograf” werden.

  14. Hallo,
    dieser Artikel erleichter mich, weil er mir eindringlich zeigt, dass ich mit meiner Einstellung nicht alleine bin. Ich gehe davon aus, dass den meisten Lesern DeviantART ein Begriff ist: Ich war schon seit längerem in dieser Community aktiv, weil ich glaubte durch den Einblick in den Schaffensprozess erfahrener Künstler meine eigene Technik verbessern zu können. Daraus ergibt sich ein weiterer Punkt, den ich dem obigen Artikel hinzufügen könnte: Die Masse an Material – insbesondere in den großen Communities – ist selbst für den Laien Müll! Kitschige Bilder – die durch irgendwelche Filter gejagt wurden – wechseln sich mit oberflächlichen Selbstporträts der zahlreichen Selbstdarsteller ab. Daraus findet der Anfänger keinen Mehrwert für die eigene Technik und das Gespür für die Kunst Fotografie.

    Das tritt insbesondere in der Rubrik “Artistic Nude” zutage: Zweifelsfrei findet man dort großartige Fotografien. Die Mehrheit aber – man browse nur einmal durch die neusten Beiträge – sind schlichtweg Pornographie. Nicht einmal Erotische Fotografie ließe sich das nennen, wenn die Mehrheit der Bilder Closeups auf die weibliche Vulva bildet. Kritisiert man das, wird man schnell – ich spreche aus Erfahrung – niedergeschrien: Man wolle zensieren! Daraus ergibt sich leider in kürzester Zeit ein Folgeproblem: Durch die Masse an Pornographie steigt leider auch der Anteil der Nutzer, die vorrangig wegen dieser Mitglied ist. Unter hochwertigen Aktfotografien häufen sich dann sexistische Kommentare, die keinerlei Respekt gegenüber dem Modell zeigen. Da wird dann die Größe der Brust kommentiert, zum Sex aufgefordert, oder der Community seine sexuellen Fantasien mitgeteilt. Ich habe solche Beiträge gemeldet: Die Reaktion erfolgte erst nach einer Woche. Die Meldung hardcore-pornographischer Bilder oder mitunter fragwürdiger Inhalte wurde mitunter nicht beachtet.

    Anfänger oder Fotografen abseits des Mainstreams erhalten meiner Erfahrung nach kaum Aufmerksamkeit, weshalb mein Hauptgrund für eine Mitgliedschaft wegfällt: Die aufrichtige Kritik.

    Mir wurde desweiteren zugetragen, dass es in vielen kommerziellen Communities üblich ist, die Rechte an den Bildern auf den Betreiber zu übertragen, damit dieser die weiterverkaufen kann. Flickr ist ein prominentes Beispiel. Insbesondere Wettbewerbe nutzen die Beiträge immer wieder aus, um günstig an Fotografien zu gelangen. Die – mittlerweile gelöschte – Community von National Geographic soll so gehandelt haben.

    Ich habe mein Account deshalb heute deaktiviert und werde dank dieses Artikels auch zukünftig darauf verzichten eine Mitgliedschaft in irgendeiner Fotocommunity einzugehen. Stattdessen versuche ich meine Technik durch die Lektüre von Fotobüchern und Blogs zu verbessern und mir die Inspiration bei professionellen Fotografen einzuholen.

  15. Moin alle zusammen.

    Normalerweise kommentiere ich nicht viel, aber hierzu möchte ich doch gern etwas anmerken. Ich denke nämlich, dass der Grundgedanke von Communities überhaupt nichts Verwerfliches darstellt. Im Gegenteil: Eine Gemeinschaft mit den gleichen Interessen ist doch vielversprechender, als ein “jeder-gegen-jeden”. Was die verschiedenen Betreiber solcher Plattformen dann im Laufe der Zeit daraus machen – da könnte man sich jetzt drüber streiten, aber darum geht es mir hier gerade nicht.

    Meiner Meinung nach ist das höchste Gut was ein Mensch überhaupt besitzen kann, das Wissen und die Erfahrung. Was hätte ich früher dafür gegeben, wenn ich mir einige negative Erfahrungen hätte ersparen können, da sie schon ein anderer gemacht hat. Und in bestimmten Themen voneinander zu lernen kann doch nur gut sein. Speziell in der Fotografie.

    Wir als Leute mit dem nötigen Fachwissen haben doch GERADE DORT -in solchen Communities- endlich die Möglichkeit die Kunst und den hohen Wert der Fotografie eben DEN Menschen zu vermitteln welche denken, dass eine High-End-Kamera sie zum Starfotografen befördern würde. Diese Menschen mit ihrem gewissen “Fehlglauben” einfach nur alleine zu lassen finde ich da fast schon schlimmer, als es zumindest versucht zu haben sie ein Stück weit für den Stellenwert guter Fotografie zu sensibilisieren. Genau dieser unbezwungene “Fehlglaube” ist es nämlich, der auf kurz oder lang zu einer gefestigten (und gefährlichen) Meinung wird, die sich dann eben so äußert wie Deine Gründe für diesen Text hier.

    Ich kenne viele Menschen, die es von der Pike auf gelernt und/oder studiert haben, eine Kamera sinnvoll zu bedienen und dadurch das Feingefühl, den Verstand, und den Blick besitzen der für die notwendige Ästhetik einer Ablichtung unerlässlich ist. Und eben genau DIESE Menschen haben immer großes Interesse daran gezeigt, dass in heutigen Zeiten maßloser Bilderflut auch die Anzahl derer zunimmt, die zwischen brauchbar und unbrauchbar unterscheiden können, oder im Idealfall ZU SCHÄTZEN WISSEN.

    Ob jemand beratungsresistent und unbelehrbar ist oder gut gemeinte Worte annimmt – liegt immer am Empfänger und nicht am Sender. Aus diesem Grund aber darauf zu verzichten, einen objektiven Gedankenaustausch mit Menschen gleicher Interessen zu haben, ist irgendwie … naja … das Wort “dumm” wäre sehr negativ formuliert, und ich möchte ja auch wirklich niemanden beleidigen. Ich bezeichne das einfach mal als “unkonstruktiv” und “schade”.

    Dass es schwarze Schafe gibt, die unangenehm auffallen oder kopieren oder mit ihrem Neid nicht klarkommen oder oder oder – ist doch völlig normal. Die gibt es überall. Und das zu akzeptieren und drüber zu stehen ist oft ein Kampf mit sich selbst. Ich kenne das ja auch. Aber ändern wird man es definitiv nicht damit, dass man sich einfach abwendet und grummelt.

    Noch ein paar kurze Zeilen zum “kreativen Sumpf der Gemeinschaft”, dann bin ich auch fertig:

    Ich persönlich wurde noch nie dazu aufgefordert, “dieses” oder “jenes” zu fotografieren. Weder bewusst, noch unbewusst. Wenn ein Thema vorhanden ist, dass vielen Beteiligten gefällt, ist es oft für die sicherlich meisten Leute der Aufruf auf diesen Zug mit aufzuspringen. Warum auch immer – ich gehe komplett anders an meine Motive und gebe nicht allzu viel auf derartige “Trends”. Allerdings verstehe ich nicht was daran falsch ist, wenn Menschen in so einer Gruppendynamik landen. Sicherlich bremst es die Entwicklung der eigenen Blickrichtung etwas aus, aber jeder der einen Funken Kreativität besitzt, muss doch unbedingt auch ausprobieren. Und wenn dann noch öffentlich gelobt wird, ist das doch nur gut für das jeweilige Ego und fordert zum Weitermachen auf – was ich nur jedem wünschen kann: weitermachen und Erfahrung sammeln, lernen und verstehen.

    Ich glaube, das reicht hier nun auch von meiner Seite. So viel Text war gar nicht wirklich geplant…

    Viele Grüße, viele gute Motive und immer dran denken: “Leben und leben lassen.” 😉
    Cheers. M.

  16. Das Paradebeispiel nicht einer Community beizutreten ist
    http://www.fotocommunity.to
    die in ihrer Menüzeile eine Domain verlinken, die auch vom Betreiber
    registriert wurde, und dort in klassischer Manier Rufmord betrieben wird.

    Mir ist es schleierhaft, dass eine Community-Kultur das duldet. Wie im Artikel schön beschrieben ist es ein geschlossenes soziales System, in dem sich die User in ihrem eigenen Mist suhlen.

  17. Ich stimme allen 7 Punkten zu. Im Prinzip sind alle Social Media Plattformen die pure Heuchelei.

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